Kühne+Nagel büsst an Profitabilität ein - Margendruck im Seegeschäft hält an

(Zusammenfassung) - Kühne+Nagel ist im ersten Quartal 2017 zwar ertragsmässig gewachsen, das Geschäft war allerdings weniger profitabel. Der Grund liegt im wesentlichem im weiterhin unter Margendruck stehenden Seefrachtgeschäft. Für den weiteren Geschäftsverlauf zeigt sich das Management aber optimistisch.
20.04.2017 14:13

Die Marktbedingungen sind für Logistikdienstleister wie Kühne+Nagel im Seefrachtgeschäft ungemütlicher geworden. Die Pleite der südkoreanischen Reederei Hanjin im Herbst letzten Jahres führte aufgrund der plötzlichen Verknappung der Transportkapazitäten zu stark steigenden Frachtraten.

Da die Verträge mit den Reedereien Laufzeiten von teilweise bis zu einem Jahr haben, konnten die Logistikdienstleister die abrupten Preiserhöhungen nur bedingt an ihre Kunden weitergeben. Bereits im vierten Quartal kam es daher zu einem relativ ausgeprägten Margendruck in der Branche. Und dieser hält bislang an, wie die am Donnerstag veröffentlichten Quartalszahlen von Kühne+Nagel zeigen.

In seiner Paradedisziplin Seefracht steigerte der Konzern mit deutschen Wurzeln zwar das Transportvolumen um 9%, womit Kühne+Nagel den Angaben zufolge mehr als doppelt so schnell wie der Gesamtmarkt gewachsen ist. Der Rohertrag, das ist die um die Frachtraten bereinigte und in der Branche massgebende Umsatzkennzahl, schrumpfte allerdings um 3,2% und pro Container sogar um rund 11% auf 328 CHF, was der tiefste Wert seit fast drei Jahren ist. Die sogenannte Konversionsmarge, die das Verhältnis von EBIT zu Rohertrag ausdrückt und eine wichtige Profitabilitätskennzahl ist, verschlechterte sich auf historisch tiefe 27,6%, was im Branchenvergleich aber dennoch ein guter Wert ist.

STABILISIERUNG BEI MARGEN IN SICHT

Die Margendelle dürfte allerdings bald ausgebügelt werden. "Ich möchte noch nicht Entwarnung geben, aber für das Ende des zweiten Quartals zeichnet sich eine Stabilisierung bei den Margen ab", sagte Finanzchef Markus Blanka-Graff gegenüber AWP.

Im Geschäft mit der Luftfracht hat sich Kühne+Nagel dagegen vergleichsweise wacker geschlagen. Der Rohertrag verbesserte sich um 2,6%, was allerdings im Verhältnis zu dem um knapp 16% hochgeschossenen Transportvolumen zu sehen ist. Pro transportierter Tonne resultiert hingegen ein Rückgang um 11%. Die Konversionsmarge wurde mit 29,9% hingegen knapp auf dem Niveau der Vorquartale gehalten.

Profitabel gewachsen ist Kühne+Nagel in den beiden anderen Geschäftsbereichen Landverkehr und Kontraktlogistik - hier wird beispielsweise die Lagerhaltung von Waren und das Management der Warenströme angeboten.

MARKTERWARTUNGEN BEI GEWINNZAHLEN VERFEHLT

Insgesamt stieg der Nettoumsatz im ersten Quartal um 7,2% auf 4,30 Mrd CHF und der Rohertrag um 3,5% auf 1,65 Mrd. Der operative Gewinn auf Stufe EBIT ging allerdings um 3,7% auf 209 Mio CHF zurück, womit sich die entsprechende Marge auf 4,9% von 5,4% verschlechterte. Der den Aktionären anrechenbare Reingewinn sank um 2,4% auf 164 Mio. Mit den Zahlen hat Kühne+Nagel die Analystenerwartungen im AWP-Konsens beim Nettoumsatz und Rohertrag übertroffen, bei den Gewinnzahlen hingegen verfehlt.

GUTE BASIS FÜR H2 - GUIDANCE BESTÄTIGT

Für CEO Detlef Trefzger ist dies insgesamt ein "gutes Ergebnis", welches "unseren optimistischen Ausblick auf eine weitere erfolgreiche Geschäftsentwicklung in diesem Jahr stützt", lässt er sich in der Mitteilung zitierten. "Wir haben eine gute Basis für das zweite Halbjahr 2017 geschaffen."

Finanzchef Blanka-Graff bestätigte gegenüber AWP die Guidance für das Gesamtjahr, derzufolge eine EBIT-Marge von mindestens 5% zu erwarten ist. Die Frachtraten seien nun viel weniger volatil als in der Vergangenheit. "Das macht das Geschäft berechenbarer, und daher kommt auch unsere Zuversicht für das zweite Halbjahr."

Die Kühne+Nagel-Aktie zeigte sich in der ersten Tageshälfte recht volatil, zuletzt pendelte sich der Kurs aber auf dem Vortagesschluss ein. Eine weiterhin solide Performance in einem schwierigen Marktumfeld, auch wenn die Gewinnerwartungen verfehlt wurden, lautet das Fazit von Vontobel. Die höhere Volumenbasis könne zu einer Hebelwirkung führen, wenn sich die Margen im zweiten Halbjahr erholen.

cp/rw

(AWP)