LafargeHolcim-VRP sieht Integration als "weitgehend abgeschlossen"

(Ausführliche Fassung)
18.09.2016 15:56

Zürich (awp) - Der Verwaltungsratspräsident des Zementkonzerns LafargeHolcim, Beat Hess, will die Strukturen des Unternehmens weiter anpassen. "Grössere Abbaumassnahmen auf Konzernebene sind aber momentan nicht mehr nötig", sagte er in einem Interview mit der "SonntagsZeitung". "Diese Phase liegt hinter uns, die Integration der beiden Unternehmen ist weitgehend abgeschlossen.

Das nächste strategische Ziel sei nun zu überprüfen, in welchen Ländern LafargeHolcim noch aktiv sein wolle. Es gelte zu analysieren, wo die Kapitalkosten verdient würden und ein angemessener Ertrag erzielt werde und wo nicht. Das Unternehmen erzielt laut Hess 80% des Betriebsgewinns in 25 Ländern. In 25 weiteren Ländern bestehe viel Verbesserungspotential.

Dies heisse nicht, dass sich LafargeHolcim aus den übrigen 40 Ländern - insgesamt ist das Unternehmen in 90 Ländern präsent - zurückziehen werde, so Hess. "Aber wir werden sich in wenigen Ländern präsent sein." Das Ziel sei es, in absehbarer Zeit wieder die Kapitalkosten zu verdienen. Laut Hess dürfte dies bis Ende 2018 zu schaffen sein.

Erst am vergangenen Donnerstag hatte LafargeHolcim eine Vereinfachung der Konzernstruktur angekündigt, in deren Verlauf bis zum Ende des kommenden Jahres rund 250 Stellen abgebaut werden sollen, 130 davon in der Schweiz. Die Streichungen betreffen nur die Konzernfunktionen und nicht die operativen Einheiten.

Für Hess ist die Fusion der beiden Zementriesen bisher zu langsam abgelaufen. "Wir haben viel Zeit verloren und nicht von Anfang an grösstes Gewicht auf eine schnelle Integration gelegt. Bei ABB, wo er die Fusion als Chefjurist begleitet habe, sei dies anders gewesen.

"Wir haben lange gebraucht, bis wir uns auf Verwaltungsrats- und Konzernleitungsebene zusammengerauft haben", sagte der seit Mai als Verwaltungsratspräsident amtierende Hess. Hess spricht von einem gegenseitigen Abtasten und einem Gewöhnen an die jeweils andere Kultur.

Der Verwaltungsratspräsident kennt nach eigenen Angaben die Gesamtkosten im Konzern, verfügt aber nicht über genaue Informationen, was einzelne Funktionen kosten. "Wir wissen zum Beispiel nicht genau, wie viel uns der Personalbereich weltweit kostet", sagte Hess. Künftig solle aber nicht mehr jedes Land für sich entscheiden, wie es sich lokal finanziere. Das müsse zentral vom Finanzchef gesteuert werden.

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(AWP)