Landis+Gyr restrukturiert Europa-Geschäft - Stellenabbau in Zug

(Meldung neu mit Stellungnahme der Syna undder Zuger Volkswirtschaftsdirektor) - Der Stromzählerproduzent Landis+Gyr baut in Zug bis zu 60 Stellen ab. Im Gegenzug werden in Prag und in Nürnberg neue Teams aufgebaut.
01.06.2017 18:02

Wie vielen Mitarbeitenden mit der Verlagerung nach Tschechien und Deutschland gekündigt werden müssen, ist noch nicht klar. Die Gewerkschaften sind bei Landis+Gyr an Bord. In drei Wochen, nach Abschluss des Konsultationsverfahrens, besteht Klarheit. Dies führte ein Sprecher gegenüber der Nachrichtenagentur sda aus.

Die Gewerkschaft Syna ihrerseits verweist darauf, dass bereits im Frühjahr 20 Arbeitnehmern gekündigt worden sei und zudem im letzten Jahr 50 Stellen nach Griechenland verlagert worden seien. Deshalb heisst es in einer Mitteilung von Donnerstagabend, der Abbau von Stellen nehme kein Ende.

IN ZUG VERBLEIBEN 270 STELLEN

Darüber hinaus merkt die Gewerkschaft an, dass andere Massnahmen als ein Stellenabbau nötig seien. Es scheine, dass "bei Landis+Gyr nicht alle internen Prozesse und Abläufe optimal funktionierten und kostentreibende Sonder- bzw. Einmalkosten generiert" würden. Dort solle zuerst angesetzt werden.

Nach der Verlagerung verbleiben in Zug noch 270 Stellen. Der globale Konzernsitz, der Hauptsitz der Region EMEA (Europa, Afrika, Mittlerer Osten) sowie eine wichtige Forschungsabteilung werden auch in Zukunft in Zug sein, heisst es in einer Mitteilung.

Als Grund für die Verlagerung nennt das Management in der Mitteilung Kostendruck. In Prag sollen Mitarbeiter tätig sein, welche konzentriert für die Region EMEA arbeiten. Das Unternehmen spricht von einem "Shared Service Center", von dem aus dem geschäftsunterstützende Funktionen getätigt werden. In Nürnberg dagegen ist ein "Center of Excellence" geplant, in dem spezialisierte Ressourcen gebündelt werden.

Die Verlagerung findet in den nächsten 12 Monaten statt. Der Zuger Volkswirtschaftsdirektor Matthias Michel (FDP) reagierte enttäuscht auf den Abbau. "Das ist sehr bedauerlich, vor allem weil die Arbeitsplätze ins Ausland gehen", sagte er am Rande der Kantonsratssitzung gegenüber der Nachrichtenagentur sda.

Als Alarmzeichen für den Standort Zug wertet er den Abbau bei Landis+Gyr allerdings nicht. In den letzten Monaten seien unter dem Strich mehr Stellen geschaffen worden als verschwunden.

UNGEWISSE ZUKUNFT

Die Zukunft von Landis+Gyr ist aber unterdessen sowieso ungewiss. Der angeschlagene japanische Industriekonzern Toshiba, zudem Landis+Gyr gehört, will offenbar zugleich Gebote für den Verkauf seiner Schweizer Stromzähler-Tochter einholen. Auch ein Börsengang wäre möglich.

Der Sprecher von Landis+Gyr wollte gegenüber der Nachrichtenagentur sda diese Pläne nicht kommentieren. Die im April genannten Varianten des Mutterkonzerns hätten noch immer Gültigkeit.

Toshiba bangt wegen Milliardenabschreibungen auf das angeschlagene US-Atomkraftwerk-Geschäft um seine Existenz. Zudem ist der Konzern von einem Bilanzskandal aus dem Jahr 2015 geschwächt. Hauptsitz von Toshiba ist Tokio. Insgesamt arbeiten mehr als 180'000 Mitarbeiter für das Unternehmen, für die Zuger Landis+Gyr sind es derzeit noch etwa 5700 Mitarbeitende.

(AWP)