Lanxess erwartet weiter Rekordergebnis - Einmalkosten drücken Gewinn

(Ausführliche Fassung) - Der Spezialchemie-Konzern Lanxess sieht sich trotz eines überraschend starken Gewinnrückgangs im zweiten Quartal wegen Sonderlasten bei den Zielen im Plan. "Insgesamt sind wir voll auf Kurs und rechnen für das Gesamtjahr nach wie vor mit einem Rekordergebnis", sagte Konzernchef Matthias Zachert am Donnerstag bei der Zahlenvorlage laut Mitteilung. Er bekräftigte die im Mai erhöhte Prognose. Demnach soll 2017 der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) sowie vor Sondereinflüssen auf 1,225 bis 1,3 Milliarden Euro klettern. "Im Vergleich zum sehr starken Vorjahr erwarten wir allerdings für das zweite Halbjahr 2017 eine etwas abgeschwächte Dynamik", erklärte Zachert.
10.08.2017 08:30

Die Ende April abgeschlossene Übernahme des US-Unternehmens Chemtura zahlte sich im operativen Geschäft zwar aus, drückte im zweiten Quartal aber unter dem Strich auf den Gewinn. Mit der 2,4 Milliarden Euro schweren Übernahme hatte Lanxess das Geschäft mit Zusätzen für Schmierstoffe und Flammschutzmittel ausgebaut. Auch die Schliessung der Chromchemikalien-Produktion in Argentinien belastete nun. Unter dem Strich sackte der Gewinn wegen dieser Sonderlasten von 75 Millionen Euro auf 3 Millionen ab. Ohne die Einmaleffekte kletterte der Gewinn aber um drei Viertel auf 141 Millionen Euro.

Im eigentlichen Geschäft lief es weiter rund. Im zweiten Quartal erhöhte sich das operative Ergebnis (Ebitda) auch dank der jüngsten Übernahmen um ein Viertel auf 367 Millionen Euro. Nur beim Kautschuk-Gemeinschaftsunternehmen Arlanxeo ging der operative Gewinn zurück. Der erfolgreichen Weitergabe gestiegener Rohstoffkosten standen vor allem gestiegene Energiekosten entgegen, hiess es zur Begründung.

DZ-Bank-Analyst Peter Spengler sprach in einer ersten Einschätzung von einer guten Qualität der operativ starken Ergebnisse. Vorbörslich stand der Kurs der Aktien mit einem Abschlag von zuletzt rund 1,4 Prozent allerdings unter Druck. Das Papier hinkt mit einem Plus von rund sieben Prozent im bisherigen Jahresverlauf ohnehin dem MDax hinterher.

Der Umsatz zog dank gestiegener Absatzmengen und Verkaufspreise im Gesamtkonzern um fast 30 Prozent auf 2,52 Milliarden Euro an. In allen fünf neu geschaffenen Segmenten legten die Umsätze dabei deutlich zu. Mit dem Chemtura-Kauf hat Lanxess auch seine Konzernstruktur neu geordnet.

Zachert hatte den Konzern in den vergangenen Jahren neu ausgerichtet und mit harten Einsparungen saniert. Er reduzierte die Abhängigkeit vom kriselnden Kautschuk-Geschäft, in dem er es in ein Gemeinschaftsunternehmen mit dem grössten Öl- und Energiekonzern der Welt, der saudischen Saudi Aramco, einbrachte. Die starke Abhängigkeit von der Reifen- und Autoindustrie hatte Lanxess als weltgrössten Hersteller von synthetischem Kautschuk davor in arge Bedrängnis gebracht.

Auch nach der Bildung des Gemeinschaftsunternehmens fliesst das Geschäft noch voll in die Bilanz der Kölner mit seinen rund 19 200 Mitarbeitern ein. Die Kautschuke werden in der Reifenindustrie, in der Automobilproduktion sowie für zahlreiche weitere Zwecke eingesetzt. Doch Lanxess ist dank der jüngsten Zukäufe inzwischen auch ein wichtiger Lieferant für die Pharma- sowie Agrarindustrie und stellt Kunststoffe her./jha/mne/zb

(AWP)