Leonteq erleidet 2016 starken Gewinnrückgang - Neue Sparmassnahmen angekündigt

(Meldung durchgehend ergänzt) - Die auf strukturierte Produkte spezialisierte Leonteq hat im Geschäftsjahr 2016 wie angekündigt einen scharfen Gewinnrückgang erlitten. Das Unternehmen ergreift nun zusätzlich zu den bereits im November 2016 angekündigten Einsparungen weitere Kostenmassnahmen. Dennoch bleibt der Ausblick für das Jahr 2017 getrübt. Die Aktionäre müssen auf eine Dividende für 2016 verzichten, nachdem sie 2015 noch 1,75 CHF je Titel erhalten hatten.
09.02.2017 08:53

Die am Donnerstag von Leonteq veröffentlichten Gewinnzahlen fielen im Rahmen der Gewinnwarnung vom Dezember aus und bildeten damit keine Überraschung mehr. Im zweiten Halbjahr war das Unternehmen klar in die roten Zahlen gefallen, für das Gesamtjahr 2016 resultierte damit noch ein Reingewinn von 17,2 Mio CHF, nach 68,6 Mio CHF im Jahr davor.

"Mit diesem Ergebnis haben wir unsere Investoren, unsere Kunden und unsere Mitarbeiter enttäuscht", wird CEO Jan Schoch in der Mitteilung zitiert. Leonteq habe zu optimistisch eingeschätzt, wie schnell neue Partnerschaften implementiert werden könnten. Gleichzeitig hätten Investitionen in Mitarbeiter und andere Wachstumsmassnahmen zu einer zu hohen Kostenbasis geführt.

ERTRÄGE STARK RÜCKLÄUFIG

Der Betriebsertrag bildete sich im abgelaufenen Jahr, wie im Dezember angekündigt, um 6% auf 209,9 Mio CHF zurück. Vor allem in der zweiten Jahreshälfte fielen die Erträge deutlich niedriger aus als erwartet, dies wegen "ungünstiger Marktbedingungen" und wegen "verschiedener Problemen und Verzögerungen im Geschäft mit Plattformpartnern". Wegen der zusätzlichen Investitionen in Mitarbeiter und weiterer Wachstumsmassnahmen kletterte der Aufwand um 26% auf 189,4 Mio CHF.

Nach der Gewinnwarnung von Leonteq im Dezember hatten auch die Analysten ihre Erwartungen angepasst: Im Durchschnitt (AWP-Konsens) hatten diese einen Betriebsertrag von 206,9 Mio und einen Reingewinn von 16,6 Mio prognostiziert.

ZUSÄTZLICHES SPARPROGRAMM

Leonteq will nun zusätzliche Einsparungen in Höhe von 18 Mio CHF erreichen, die zu dem Kostensenkungsprogramm über 10 Mio und den Abbau von 50 Vollzeitstellen dazukommen. Die kombinierten Kostensparmassnahmen über 28 Mio CHF entsprechen laut Mitteilung rund 15% von Leonteqs Kostenbasis von 2016. Die zusätzlichen Sparmassnahmen sollen eine Kombination aus flexiblen Arbeitszeitmodellen, Effizienzverbesserungen und weiteren zu lancierenden Initiativen umfassen.

Zu den Prioritäten des Unternehmens für 2017 gehört zudem eine Verbesserung der Zusammenarbeit mit den bestehenden Partnern sowie die Anbindung neuer Partner. Bei der Umsetzung der Sparmassnahmen sollen dennoch "selektive Investitionen" getätigt werden, unrentable Tätigkeit abgebaut und die Automatisierung vorangetrieben werden.

Wie im Dezember mitgeteilt, will die Geschäftsleitung 2016 auf ihre variable Vergütung verzichten, das Gremium wird zudem auf sechs von bisher elf Mitgliedern verkleinert. CEO Jan Schoch erhält damit noch einen Lohn von 1,1 Mio CHF. Verwaltungsratspräsident Pierin Vincenz verzichtet auf 34% seiner Kompensation für die laufende Amtszeit und erhält noch eine Entschädigung von 497'000 CHF. Zum Vergleich: Sein Vorgänger Peter Forstmoser hatte für 2015 noch 330'000 CHF erhalten.

2017 VOLLER HERAUSFORDERUNGEN

Auf die Kostenbasis des Jahres 2017 sollen sich die Kostensenkungsmassnahmen mit insgesamt 15 Mio CHF auswirken und erwartete Kostensteigerungen in Höhe von 13 Mio CHF ausgleichen - dies ohne Berücksichtigung erwarteter einmaliger Aufwendungen in Höhe von 15 Mio.

Dennoch werde für 2017 nach einem "schwachen Jahresauftakt" ein weiteres Jahr "voller Herausforderungen" erwartet. Die zusätzlichen Kostensparmassnahmen würden möglicherweise ohne solides Ertragswachstum nicht ausreichen, um zur Profitabilität zurückzukehren, warnt Leonteq. Man werde die Kostenbasis aber eng unter Kontrolle haben.

NEUER PARTNER

Das Unternehmen konnte am Donnerstag einen Erfolg in seiner Partnersuche mitteilen. Gemäss einer separaten Mitteilung ist Leonteq mit der Crédit Agricole ein Kooperationsabkommen im Bereich strukturierter Anlageprodukte eingegangen. So werde die Investment Bank Crédit Agricole CIB die Technologie von Leonteq nutzen, um strukturierte Produkte an das eigene Kundennetzwerk anzupassen und zu vertreiben.

tp/ra

(AWP)