LifeWatch schreibt im Q1 trotz höherem Umsatz Verlust - Strategie wird angepasst

(Meldung um weitere Details ergänzt)
06.07.2016 09:44

Zug (awp) - Der Telemedizin-Anbieter LifeWatch hat im ersten Quartal 2016 einen höheren Umsatz erzielt, aufgrund von Sonderkosten, Rechtsfällen und einer Neuberechnung der Rückstellungen jedoch einen Verlust ausgewiesen. Zudem gibt das Unternehmen die Details zur bereits von der GV beschlossenen Kapitalerhöhung bekannt und fokussiert seine Strategie auf den Markt der Herzüberwachung. Auch im Gesamtjahr wird ein Verlust erwartet.

Der Umsatz von Lifewatch wuchs in den ersten drei Monaten des Jahres um 12% auf 28,4 Mio USD. Auf Stufe EBIT wurde jedoch ein Verlust von 13,2 Mio USD nach noch einem Gewinn von 2,1 Mio USD in der Vorjahresperiode verbucht. Hier hätten Vergleichs- und Rechtskosten im Zusammenhang mit zwei Rechtsverfahren, Highmark und Qui Tam, sowie anderen einmaligen Ausgaben belastet, schreibt Lifewatch. Unter dem Strich verbleibt ein Nettoverlust von 10,1 Mio USD, nach einem Gewinn von 0,9 Mio USD im Vorjahr.

Den Umsatzanstieg führt LifeWatch auf eine überdurchschnittliche Wachstumsrate mit Herzüberwachungsdienstleistungen in den USA zurück. Der operative Verlust sei primär einer Einigung in der Qui Tam-Klage über rund 13,0 Mio USD zuzuschreiben, so die Meldung. Der positive Effekt der Anspruchssenkung im Fall Highmark um rund 8 Mio CHF auf 13 Mio wird erst im zweiten Quartal verbucht.

Aber auch andere Kosten sind gestiegen. Dazu zählen etwa höhere Forschungs- und Entwicklungsausgaben, Verkaufs- und Marketingausgaben oder Administrativ- und Rechtskosten. Hinzu komme eine Erhöhung in der Rückstellung für Forderungsausfälle aufgrund der Anwendung einer "robusteren Methodik", wie Lifewatch schreibt.

Die Guidance für das laufende Jahr wird aufgrund der Rechts- und Sonderkosten nach unten angepasst. Das Unternehmen erwartet zwar immer noch ein zweistelliges Umsatzwachstum, geht aber von einer signifikant tieferen EBITDA-Marge im mittleren einstelligen Bereich und einem negativen Betriebs- und Nettoergebnis aus.

UPDATE ZUR STRATEGIE

Künftig wird sich LifeWatch verstärkt auf das Anbieten von Herzüberwachungsdienstleistungen fokussieren und in diesem Bereich synergetische Akquisitionen anstreben, heisst es weiter. Zusätzlich soll das Produkteangebot über das Überwachen von Herzfunktionen hinaus auf das Monitoring anderer Co-Morbiditäten wie Schlaganfall, Blutdruck und Schlafapnoe erweitert werden.

Eingestellt werde dagegen die Entwicklung des Sensors "Vital Signs Patch" (VSP). Für die Technologie soll eine Käufer gesucht werden.

Lifewatch will sich zu einem reinen Dienstleistungsanbieter entwickeln und die Produktentwicklung soll durch Drittanbieter erfolgen oder verfügbare Standardtechnologie zugekauft werden. Dadurch werde die Sicherstellung der "state-of-the-art" Technologie-Plattform besser gewährleistet.

Der geplante Markteintritt in die Türkei verzögere sich und für 2016 würden dort - entgegen der ursprünglichen Planung - nur "minimale Umsätze" anfallen. Ausserdem würden zusätzliche finanzielle Mittel benötigt, was derzeit Gegenstand von Gesprächen mit dem Joint Venture Partner sei. Die Zusammenarbeitsvereinbarung zur Integration von Vital Connects Patch-Lösungen in das Produktportfolio von LifeWatch war nicht erfolgreich und wurde darum per 30. Juni 2016 beendet.

DETAILS ZUR GEPLANTEN KAPITALERHÖHUNG

Ferner gibt Lifewatch die Bedingungen der im April von den Aktionären abgesegneten Kapitalerhöhung um knapp 5 Millionen Aktien bekannt. Die neuen Anteile werden zu 9 CHF das Stück zur Zeichnung aufgelegt, entsprechend einem Discount von 25% zum letzten Schlusskurs. Die Kapitalerhöhung kommt damit auf einen Umfang von 44,9 Mio CHF.

Für jede bestehende Namenaktie erhalten Lifewatch-Aktionäre 10 Bezugsrechte; für 27 Rechte kann eine neue Aktie gezeichnet werden. Die Bezugsrechte können zwischen dem 11. Juli und dem 20. Juli 2016 (12 Uhr) ausgeübt werden; sie sind weder handelbar noch übertragbar.

Wie bereits angekündigt, hat die Gesundheits- und Hotelgruppe Aevis Victoria eine Garantie für die nicht gezeichneten Anteile abgegeben.

Die Transaktion erlaube es der Gesellschaft, die finanzielle Basis zu schaffen, um hauptsächlich den Highmark Schiedsspruch gegen LifeWatch sowie die Qui Tam Klage zu vergleichen, bestehende Finanzverbindlichkeiten zurückzuzahlen, das weitere Wachstum ihres Herzüberwachsungsgeschäftes in den USA zu finanzieren sowie in die internationale Expansion, insbesondere in der Türkei, zu investieren.

An der Börse kommen die Nachrichten insgesamt nicht gut an. Im frühen Handel büsst die Lifewatch-Aktie 7,1% ein.

an/ra/yr

(AWP)