Linde-Chef dringt bei Fusion auf Konsens mit Mitarbeitnehmern

(Zusammenfassung, Aussagen aus der Pressekonferenz vor allem zur geplanten Fusion) - Linde -Vorstandschef Aldo Belloni will die Fusion des Gasekonzerns mit dem US-Konkurrenten Praxair nicht gegen den Widerstand der Arbeitnehmer durchsetzen: "Nein, das wäre schlecht", sagte er am Donnerstag in München. Aber er habe Signale erhalten, wie die Arbeitnehmer doch noch zustimmen könnten. Der Zusammenschluss zum weltweit grössten Industriegasekonzern soll noch vor der Linde-Hauptversammlung am 10. Mai besiegelt werden. Die Verhandlungen seien voll im Plan, sagte Belloni.
09.03.2017 14:04

Linde habe auch allein ein stabiles, wettbewerbsfähiges Geschäftsmodell und erfolgversprechende Innovationen und brauche eine Fusion "nicht dringend". Aber im Gasegeschäft bedeute Grösse eine höhere Gewinnmarge. Deshalb sorge die Fusion für "solide und sichere Arbeitsplätze", sagte Belloni. Linde hatte seinen globalen Spitzenplatz an den französischen Rivalen Air Liquide abtreten müssen, nachdem dieser im vergangenen Jahr den US-Konkurrenten Airgas geschluckt hatte.

Gewerkschaften und Betriebsrat sehen Mitbestimmung und Arbeitsplätze bedroht und lehnen die Fusion derzeit ab. Im laufenden Sparprogramm baut Linde bis Ende 2019 fast 1000 Arbeitsplätze vor allem im Grossraum München ab, wie Belloni sagte. Das werde im laufenden Jahr gut 250 Millionen Euro kosten. Nur bei einer Fusion gebe es Kündigungsschutz und Standortgarantien bis 2021. Heute beschäftigt Linde rund 8000 Menschen in Deutschland, 60 000 sind es weltweit.

Praxair-Chef Steve Angel soll den neuen Konzern künftig aus den USA leiten, auch der Finanzvorstand wird dort sein. Die Konzernholding werde in Dublin, London oder Amsterdam angesiedelt, sagte Belloni - aus steuerlichen Gründen, aber auch wegen der Lage zwischen München und dem Praxair-Standort Danbury. Welche Vorstandsfunktionen in München bleiben, "ist noch ziemlich flüssig", sagte Belloni.

Die Ermittlungen der deutschen Finanzmarktaufsicht (Bafin) gegen Linde-Aufsichtsratschef Wolfgang Reitzle wegen Verdachts von Insidergeschäften seien Reitzles Privatsache. "Bei den Verhandlungen spielt das absolut keine Rolle", sagte Belloni.

Wegen Kartellauflagen würden Linde und Praxair wohl Firmenteile verkaufen müssen, vor allem in Nordamerika. Erste Marktteilnehmer hätten bereits Interesse an einigen Anlagen signalisiert, sagte Belloni. Praxair ist in Nord- und Südamerika Marktführer, Linde in Europa und Asien. Der geplante Zusammenschluss soll im kommenden Jahr abgeschlossen werden. Der neue Konzern soll dann an der New Yorker Börse und im Dax in Frankfurt notiert bleiben. Nur 8 Prozent der Linde-Aktionäre seien deutsch, sagte Finanzchef Schneider.

Im vergangenen Jahr belastete der niedrige Öl- und Gaspreis den Anlagenbau von Linde weiter stark. Der Konzernumsatz sank um 2 Prozent auf 16,9 Milliarden Euro - aber dank des Sparprogramms stieg der Gewinn um gut 6 Prozent auf 1,2 Milliarden Euro. Die Dividende für 2016 soll im Vergleich zum Vorjahr um gut 7 Prozent auf 3,70 Euro je Aktie steigen. In der Bilanz wurde allerdings die Logistiktochter Gist herausgerechnet, die Linde nun verkaufen will. Linde sei bei den Verkaufsverhandlungen "relativ weit", sagte Finanzchef Sven Schneider.

Für das laufende Jahr peilt der Konzern 3 Prozent mehr Umsatz und einen operativen Gewinn mindestens auf Vorjahresniveau an. Das Gasegeschäft wachse, und im Anlagenbau erwartet er wegen des Investitionsstaus bei den Kunden allmählich wieder mehr Aufträge, die sich ab 2018 in mehr Umsatz und Gewinn niederschlagen dürften, sagte Belloni.

Der Linde-Fusionspartner Praxair bekam 2016 vor allem den starken Dollar und die niedrigeren Preise für Gas zu spüren. Der Umsatz ging um zwei Prozent auf 10,5 Milliarden US-Dollar zurück, wie Praxair bereits Ende Januar mitteilte. Unter dem Strich verdiente der Gaskonzern Praxair mit 1,5 Milliarden Dollar etwas weniger als das Jahr davor. Dennoch will der Konzern die Dividende im laufenden Jahr das 24. Jahr in Folge erhöhen./rol/mne/jha/fbr

(AWP)