Linde und Praxair starten neuen Anlauf zur Mega-Fusion - Büchele geht

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07.12.2016 15:14

MÜNCHEN (awp international) - Zweiter Anlauf zur Mega-Fusion im Geschäft mit Industriegasen: Der Münchener Konzern Linde nimmt die Fusionsgespräche mit dem US-Konkurrenten Praxair wieder auf. Das habe der Linde-Vorstand nach Rücksprache mit dem Aufsichtsrat und neuen Vorschlägen von Praxair beschlossen, teilte die im Dax notierte Gesellschaft am Mittwoch in München mit. Der Aufsichtsrat unterstütze die Wiederaufnahme der Gespräche einstimmig. Die Linde Aktie zog am Nachmittag um 2,05 Prozent an.

Praxair hatte in der vergangenen Woche einen überarbeiteten Vorschlag zu einer Fusion gemacht, nachdem noch vor ein paar Monaten die Verhandlungen gescheitert waren. Die Gewerkschaften hatten sich bislang kritisch über einen Zusammenschluss geäussert, weil sie um den Erhalt der Stellen in Deutschland fürchten.

BELLONI FOLGT AUF BÜCHELE

Zudem kündigte Linde an, dass Unternehmenschef Wolfgang Büchele seine Posten im Unternehmen mit dem Ablauf des heutigen Tages niederlegen wird. Sein Nachfolger werde Aldo Ernesto Belloni, der das Unternehmen bis Ende 2018 führen soll. Belloni war von 2000 bis 2014 Vorstandsmitglied der Linde AG.

Im September waren Fusionsgespräche zwischen Praxair und Linde vorerst gescheitert. Man sei sich bei der Wahl des Firmensitzes und der Struktur des fusionierten Unternehmens nicht einig geworden, hiess es damals. Laut Linde-Aufsichtsratschef Wolfgang Reitzle war auch ein Streit zwischen dem damaligen Linde-Finanzchef Georg Denoke und Vorstandschef Wolfgang Büchele ein Grund für das Scheitern der Verhandlungen mit Praxair gewesen.

WELTMARKTFÜHRER IN DEN STARTLÖCHERN

Glückt die Fusion von Linde und Praxair, dann entsteht ein neuer Weltmarktführer für Industriegase. Linde hatte seinen globalen Spitzenplatz an den französischen Rivalen Air Liquide abtreten müssen, nachdem dieser im laufenden Jahr das US-Unternehmen Airgas geschluckt hatte.Die Franzosen kommen so auf Jahreserlöse in Hohe von mehr als 20 Milliarden Euro. Jahre zuvor hatte Linde allerdings Air Liquide mit der Übernahme des britischen Gasekonzerns BOC überrundet.

Praxair ist eigenen Angaben zufolge der grösste Industriegase-Hersteller in Amerika. Linde erwirtschaftete 2015 mit fast 18 Milliarden Euro zwar fast doppelt so viel Umsatz. Aber Praxair ist deutlich profitabler und hat beim Börsenwert mit 32 Milliarden Euro die Nase knapp vor den Münchnern mit 29 Milliarden Euro.

STELLENABBAU

Linde kämpft mit sinkenden Umsätzen und hat im Oktober ein massives Sparprogramm mit Stellenabbau angekündigt. Die Öl- und Bergbauindustrie kauft weniger, in den USA hat der Staat Preissenkungen im Gesundheitswesen durchgesetzt. Jetzt will Linde massiv Stellen streichen und eine halbe Milliarde Euro jährlich sparen. Im Gespräch sind die Schliessung des Standorts Dresden mit 500 Beschäftigten und der Abbau weiterer 600 Stellen in Pullach bei München./mne/rol/stb

(AWP)