Linde verliert Vorstands- und Finanzchef

(Ausführliche Fassung)
13.09.2016 18:05

MÜNCHEN (awp international) - Der Industriegase-Konzern Linde muss sich einen neuen Vorstandschef und einen neuen Finanzchef suchen. Nur einen Tag nach dem Scheitern der Fusion mit dem US-Konkurrenten Praxair liess Vorstandschef Wolfgang Büchele den Aufsichtsrat wissen, er verzichte auf eine zweite Amtszeit und höre im April auf. Finanzchef Georg Denoke schied am Dienstag sogar sofort aus dem Vorstand aus.

Der Rückzug beider kam überraschend, zu den Gründen äusserte sich Linde nicht. An der Frankfurter Börse setzte sich die Linde-Aktie als meist gehandeltes Papier an die Spitze und legte bis zum Abend vier Prozent zu.

AUFSICHTSRAT BEDAUERT

Der ehemalige BASF -Manager Wolfgang Büchele war vor zwei Jahren zum Nachfolger des langjährigen Firmenchefs Wolfgang Reitzle berufen worden. Sein Verhältnis zu Finanzchef Denoke, der schon 2006 von Reitzle in den Vorstand geholt worden war, galt als gespannt. Auch mit Reitzle, der im Frühjahr als Aufsichtsratschef zu Linde zurückgekehrt ist, soll es Spannungen gegeben haben.

Am Dienstag teilte Büchele dem Aufsichtsrat mit, dass er "nicht für eine zweite Amtszeit zur Verfügung steht". Sein Vertrag laufe im kommenden April aus. Der Aufsichtsrat habe die Entscheidung mit grossem Bedauern zur Kenntnis genommen. Der 51 Jahre alte Finanzchef Denoke "scheidet am heutigen Tage aus dem Vorstand der Linde AG aus", teilte das Unternehmen weiter mit. Seine Aufgaben würden bis zur Berufung eines Nachfolgers kommissarisch von Linde-Manager Sven Schneider wahrgenommen.

PRAXAIR-CHEF WÄRE BEI FUSION MÖGLICHERWEISE AN DIE SPITZE GERÜCKT

Bei einer Fusion von Linde mit dem US-Konkurrenten Praxair wäre möglicherweise der sehr erfolgreiche Praxair-Chef Stephen Angel an die Spitze des dann weltgrössten Gasekonzerns gerückt. Aber Linde und Praxair gaben am Montag das Scheitern ihre Fusionsgespräche bekannt: Man sei sich bei der Wahl des Firmensitzes und der Struktur des fusionierten Unternehmens nicht einig geworden. Linde beschäftigt derzeit weltweit rund 65 000 Mitarbeiter.

Hätte die Transaktion geklappt, wäre ein neuer Weltmarktführer für Industriegase entstanden. Linde hatte seinen globalen Spitzenplatz an den französischen Rivalen Air Liquide abtreten müssen, nachdem dieser in diesem Jahr das US-Unternehmen Airgas geschluckt hatte.

Für Linde geht es in diesem Jahr auf und ab: Im ersten Halbjahr hatte sich die Übernahme des Unternehmens American HomePatient - das sich auf Beatmungstherapien für Lungenkranke spezialisiert - positiv ausgewirkt. Indes lief es im Anlagenbau schlechter. Im zweiten Quartal schrumpfte der Umsatz schrumpfte um 7 Prozent auf 4,3 Milliarden Euro. Auch die Erholung des Euros habe zu dem Rückgang beigetragen, teilte Linde im Juli mit. Wegen geringerer Kosten stieg das Betriebsergebnis vor Zinsen und Steuern aber. Der Gewinn für die Aktionäre nahm um 17 Prozent auf 326 Millionen Euro zu./rol/DP/he

(AWP)