Lindt wächst deutlich unter Schätzungen - Titel stark unter Druck

(Zusammenfassung mit Schlusskurs) - Lindt & Sprüngli hat im ersten Halbjahr 2017 zwar etwas mehr umgesetzt und verdient, blieb aber hinter den Schätzungen zurück. Vor allem die vor einiger Zeit übernommene US-Firma Russell Stover schwächelt. Für das Gesamtjahr 2017 erwartet der Konzern deshalb ein etwas tieferes Umsatzwachstum als bisher kommuniziert. Die Lindt-Titel gerieten daher anfänglich stark unter Druck, erholten sich dann aber wieder.
25.07.2017 18:24

Der Umsatz stieg im Berichtssemester um 3,1% auf 1,55 Mrd CHF, organisch waren es +3,6% (ohne Russell Stover +6,6%). Der Betriebsgewinn (EBIT) stieg derweil um 6,7% auf 105,0 Mio mit einer leichten Margenverbesserung auf 6,8% (+20 BP). Unter dem Strich blieb ein 5,7% höherer Reingewinn von 76,3 Mio CHF, wie der Schokoladenhersteller am Dienstag mitteilte. Die vorgelegten Zahlen fielen vor allem in Bezug auf das Wachstum klar unter den Schätzungen aus.

"SCHWIERIGE RAHMENBEDINGUNGEN"

Lindt sprach in der Mitteilung von weiterhin "äusserst schwierigen Rahmenbedingungen". Stagnierende bis nur leicht wachsende Schokolademärkte, eine weitreichend verhaltene Konsumentenstimmung und Veränderungen in der Handelslandschaft hätten die Branche vor grosse Herausforderungen gestellt. Dennoch sei es gelungen, Marktanteile in strategisch wichtigen Märkten zu gewinnen.

Im Segment "Nafta" ergab sich wegen Russell Stover allerdings ein organischer Rückgang von 3,0%. Die strategische Neuausrichtung des traditionsreichen US-Schokolade-Herstellers schreite zwar voran, benötige aber mehr Zeit als ursprünglich angenommen, so Lindt. "Die starke Saisonalität des Geschäftes mit Fokus auf Valentins-Tag, Ostern und Weihnachten macht eine Neuausrichtung schwieriger", sagte CEO Dieter Weisskopf gegenüber AWP. Er erwartet aber eine Stabilisierung im kommenden Jahr. "Wir sind sehr zuversichtlich, dass wir die Neuausrichtung bei Russell Stover schaffen werden. Es braucht aber Zeit, und die nehmen wir uns."

Das US-Geschäft wurde aber auch vom stagnierenden Gesamtschokolademarkt und einer sich verändernden Handelslandschaft (zunehmende Bedeutung E-Commerce, Trend zu gesünderen Produkten) belastet. Die beiden anderen US-Marken Lindt und Ghirardelli wuchsen den Angaben zufolge leicht schneller als der Markt.

Die Segmente Europa und "Rest der Welt" wuchsen derweil mit organisch 6,0% bzw. 14,0% gut bis sehr gut. Bei letzterem hätten vor allem die Aufbaumärkte Brasilien, China, Japan und Südafrika "sehr erfreuliche Fortschritte" erzielt, hiess es. Auch das Global Retail Geschäft (eigene Lindt-Shops) befinde sich "weiterhin auf Erfolgskurs". Im ersten Halbjahr gab es laut Lindt über 20 Neueröffnungen in Japan, Kanada und Europa.

ZUVERSICHTLICH DANK KUNDEN-REAKTIONEN

Bezüglich Ausblick ist Lindt wegen Russell Stover etwas vorsichtiger geworden als noch vor ein paar Monaten. Das Management erwartet für das zweite Halbjahr 2017 zwar eine Beschleunigung des Umsatzwachstums; aufgrund der Entwicklung in Nordamerika dürfte das Wachstum im Gesamtjahr aber leicht unter Vorjahr ausfallen, dies bei einer höheren Betriebsgewinnmarge, so Lindt. Bisher war von einem organischen Wachstum im Rahmen des Vorjahres (6,0%) die Rede gewesen. "Die ersten Bestellungen und Reaktionen von Kunden für das Herbst-Assortiment machen uns zuversichtlich, dass der Umsatz im zweiten Halbjahr anziehen wird", so Weisskopf zu AWP.

Das strategische Langfristziel (organ. Wachstum 6-8%, Verbesserung EBIT-Marge um 20 bis 40 Basispunkte jährlich) wurde denn auch bestätigt. "Dass das möglich ist, haben wir ja im ersten Halbjahr mit einem Wachstum von 6,6% (ex RS) gezeigt", so der CEO. Lindt will dafür weiterhin einen Teil der Einsparungen aus Rohstoff-Preisen oder Kostenreduktions-Programmen in Wachstum investieren.

Die Lindt-Papiere fielen - bei extrem hohen Umsätzen - aufgrund der verfehlten Erwartungen anfänglich im Bereich von 5% zurück, erholten sich aber wieder. Bis Handelsende büsste die Namenaktie 3,5% ein. Analysten zeigten sich hinsichtlich der Entwicklung in den USA sehr enttäuscht.

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(AWP)