Lonza legt 2016 bei Umsatz und Gewinn deutlich zu

(Zusammenfassung mit Schlusskurs der Aktie) - Der Feinchemikalienhersteller und Pharmazulieferer Lonza blickt auf ein sehr gutes Geschäftsjahr 2016 zurück. Der Umsatz stieg, der Gewinn gar überproportional. Besonders die margenträchtigere Sparte Pharma&Biotech trug zum Ergebnis bei. Mit dem milliardenschweren Kauf der US-Firma Capsugel wird das Segment demnächst Zuwachs erhalten, weshalb Lonza erst recht optimistisch in die Zukunft blickt.
25.01.2017 17:57

Ein sichtlich aufgeräumter Lonza-Chef Richard Ridinger präsentierte am Mittwoch vor den Medien die Jahreszahlen. Und die lesen sich wie folgt: Der Umsatz stieg im Berichtsjahr um 8,7% auf 4,13 Mrd CHF, der operative Gewinn auf Stufe EBIT um 14% auf 486 Mio und der Reingewinn um 8,7% auf 301 Mio CHF. Ridinger strich indes vor allem die um Rückstellungen und Restrukturierungskosten bereinigten Zahlen heraus.

Und in dieser Betrachtung hat sich Lonza noch besser geschlagen. Der "Kern-EBITDA" stieg um 16% auf 918 Mio CHF bei einer Marge von 22,2%. Angesichts der sehr guten Entwicklung verlegt Lonza das Ziel von einer Milliarde EBITDA von 2018 auf 2017 vor. Der "Kern-EBIT" nahm um 24% auf 651 Mio zu, versprochen hatte Lonza ein Wachstum von "mindestens" 15%.

Der "Kern-Reingewinn" schliesslich lag mit 443 Mio CHF um 24% über dem Vorjahreswert. Profitieren vom guten 2016 sollen nun auch die Aktionäre, denen eine Erhöhung der Dividende von 2,50 auf 2,75 CHF pro Aktie beantragt wird.

WEITERER MEILENSTEIN

Das fünfte Jahr in Folge habe man bei allen wichtigen Kennzahlen die Ziele erreicht. 2016 sei operativ "ein weiterer Meilenstein" gewesen, sagte Ridinger. Er sei "extrem zufrieden" mit der Entwicklung.

Im Segment Pharma&Biotech, also der Geschäftsbereich, der sich auf die Produktion von Pharmawirkstoffen konzentriert, steigerte Lonza die Verkäufe um 16% auf 1,85 Mrd CHF und den Kern-EBIT gar um satte 41% auf 400 Mio. "So etwas erlebt man nur einmal im Leben", sagte Ridinger und führte den Erfolg auf eine starke Dynamik im Säugetierzellgeschäft zurück.

Beim zweiten Segment Spezialchemie stieg der Umsatz um 3,8% auf 2,25 Mrd CHF und der Kern-EBIT um 8,1% auf 322 Mio. Wie erwartet geschwächelt habe dabei einzig der Agrobereich, der laut Ridinger ab 2018 wieder zulegen soll. Gute Ergebnisse hätten derweil die Bereiche Wood Protection, Consumer Care und Water Treatment erzielt.

Devestitionen seien daher in den kommenden drei bis vier Jahren nicht vorgesehen. "Wir sind derzeit sehr glücklich mit unserem Portfolio", sagte Finanzchef Rodolfo Savitzky im Gespräch mit AWP. Dazu gehörten auch die Bereiche Holzbehandlung und Wasserschutz, die vor zwei Jahren noch zu den Problemfeldern der Basler gehört hatten. "Mit dem Portfolio werden wir uns erst 2020 oder 2021 wieder auseinandersetzen", so Savitzky.

ZUVERSICHT VOR MEGA-EINKAUF

Der Konzern steht nun mit dem Kauf des US-Kapselherstellers Capsugel für 5,5 Mrd USD vor einer grossen Übernahme. Der hohe Preis ist gemäss Ridinger aber verkraftbar dank sehr guter Cash-Flow-Generierung aus dem Geschäft der beiden Firmen. Auch der US-Regierungswechsel macht ihm dank breiter Aufstellung kaum Sorgen.

Für das angelaufene Jahr 2017 erwartet Lonza - ohne Berücksichtigung des Capsugel-Deals - ein zweistelliges Wachstum des Kern-EBIT und ein Umsatzwachstum im mittleren einstelligen Bereich. "Mit 'zweistellig' meinen wir, dass eine 'eins' an der ersten Stelle stehen wird", präzisierte der Finanzchef gegenüber AWP mit Blick auf den operativen Gewinn.

Die Guidance 2017 gilt aber ohnehin nur bis auf Weiteres. Denn so bald die Grossakquisition Capsugel abgeschlossen ist, wird Lonza eine neue Guidance ausgeben. Dies ist im Rahmen der Halbjahresergebnisse oder bei Vorlage der Geschäftsergebnisse für das dritte Quartal zu erwarten.

LONZA HOLT VR-PRÄSIDENT VON GEBERIT

Derweil stellt sich Verwaltungsratspräsident Rolf Soiron nun doch für ein weiteres Jahr bis zur Generalversammlung 2018 zur Wiederwahl. Diese erneute Verlängerung wurde diesmal mit der Umsetzung der Capsugel-Übernahme und mit Einarbeitungszeit für seinen Nachfolger erklärt. Neu in den Verwaltungsrat gewählt werden soll im April Albert Baehny, seit 2011 Verwaltungsratspräsident von Geberit. Baehny soll dann 2018 das Lonza-Präsidium übertragen werden.

An der Börse gab es mässigen Applaus: Zum Handelsschluss standen Lonza Namen 1,3% höher, der am SPI gemessene breite Gesamtmarkt rückte allerdings 1,62% vor.

ra/cp

(AWP)