Lonza trennt sich von Peptidgeschäft - Abschreiber im zweiten Halbjahr

(Zusammenfassung)
07.12.2016 10:15

Zürich (awp) - Der Basler Feinchemikalienhersteller und Pharmazulieferer Lonza trennt sich von seinem Geschäft mit Peptiden. Das Kernstück des Geschäfts, ein Werk im belgischen Braine-l'Alleud mit rund 280 Mitarbeitern, wird an die schwedische PolyPeptide Group verkauft. Daher kommt es zu einem Abschreiber noch in diesem Jahr. Weitere Wertminderungen aufgrund der Transaktion sind aber nicht angesagt. An der Börse wirft die Neuigkeit kaum Wellen.

Peptide sind wie Proteine natürlich vorkommende Ketten aus Aminosäuren. Sie helfen bei der Regulierung von Körperfunktionen wie etwa der Ausschüttung von Hormonen und der Regulierung des Blutzuckerspiegels.

Peptide seien für Lonza ein Nischengeschäft, das nur begrenzte Synergien mit anderen kleinmolekularen Technologien des Konzerns aufweise, wird Marc Funk, operativer Chef des Segments Pharma&Biotech von Lonza, in einer Mitteilung vom Mittwoch zitiert. "Dank dieses Schritts werden wir uns ganz auf unsere zahlreichen verbleibenden Technologien fokussieren und so deren Weiterentwicklung vorantreiben können", so Funk.

KEIN WEITERER ABSCHREIBER

Nach Abschluss der Transaktion wird Lonza eine nicht cash-wirksame Abschreibung von 44 Mio CHF verbuchen, heisst es weiter. Diese werde noch in der zweiten Jahreshälfte 2016 anfallen. Zudem werde ein nicht cash-wirksamer Währungsumrechnungseffekt bei Abschluss verbucht. Lonza hatte das Peptidgeschäft in Braine von zehn Jahren für 120 Mio EUR von UCB gekauft.

Weitere Wertminderungen aufgrund der Transaktion sind aber nicht angesagt, versicherte ein Lonza-Sprecher gegenüber AWP. "Das Peptidgeschäft war in den letzten Jahren immer profitabel", versicherte der Sprecher. Den Umsatzbeitrag der Peptide zur gesamten Lonza mochte er indes nicht beziffern.

SCHRITT WIRD BEGRÜSST

Das tun dafür die Analysten. So schätze etwa Vontobel-Expertin Carla Bänziger den Umsatz der verkauften Geschäfte auf rund 75 Mio CHF bei einer EBIT-Marge von 10%. Daher dürfte PolyPeptide zwischen 75 und 100 Mio CHF auf den Tisch gelegt haben, so Bänziger.

Demgegenüber bewege sich die Kern-EBITDA-Marge des gesamten Geschäftsbereiches Pharma&Biotech bei etwa 26%, ergänzt ZKB-Analyst Philipp Gamper. Und der Unterbereich Biotech komme gar auf Margen von über 30%. Gamper begrüsst daher die Trennung vom nicht strategischen Peptidgeschäft und sieht diese als weiteren Schritt auf dem Weg zur Konzentration auf höher-margiges Geschäft, das starke Synergien innerhalb des Konzerns aufweise.

Im Rückblick sei die Akquisition des Peptidgeschäfts durch Lonza im Jahr 2006 also ein Fehlschlag gewesen, resümiert Bänziger. Es habe sich nicht in der Art und Weise entwickelt, wie es sich das Management zum Zeitpunkt des Erwerbs wohl vorgestellt habe. Auch aus ihrer Sicht ist die Devestition daher sinnvoll.

Auch an der Börse werfen die Neuigkeiten keine grossen Wellen. Um 10 Uhr notieren die Lonza-Aktien 0,3% höher bei 179 CHF, während der am SPI gemessene Gesamtmarkt um 0,35% zulegt.

ra/tp

(AWP)