Lufthansa bietet nicht für Langstrecke der Air Berlin

Die Lufthansa bietet nicht für die Langstreckenjets ihrer insolventen Konkurrentin Air Berlin . Sein Unternehmen habe ein Angebot über die 38 bereits angemieteten Mittelstrecken-Maschinen und 20 bis 40 weitere Flugzeuge abgegeben, nicht aber für die Langstrecke, sagte Lufthansa-Chef Carsten Spohr am Mittwochabend vor Journalisten in Frankfurt. Damit würden viele Arbeitsplätze gerettet, die bei der Tochter Eurowings weiterbestehen sollen. "Wir glauben, bald bis zu 3000 neue Mitarbeiter begrüssen zu können."
21.09.2017 09:04

An diesem Donnerstag will der Gläubigerausschuss der Air Berlin über die Zukunft der Fluggesellschaft beraten. Neben Lufthansa haben weitere Fluggesellschaften und Geschäftsleute für Teile oder die ganze Firma Angebote abgegeben. Insgesamt verfügt Air Berlin mit rund 8000 Mitarbeitern über eine Flotte von 144 Flugzeugen. Davon sind 38 aber bereits samt Besatzungen an Eurowings vermietet, und 14 werden vom Ferienflieger Tuifly für die Air-Berlin-Tochter Niki betrieben.

KEINE MONOPOLSTELLUNG

Spohr wandte sich erneut gegen die Auffassung, dass sein Konzern mit der Teilübernahme von Air Berlin eine Monopolstellung gewinne. Der Marktanteil würde sogar bei einer Komplettübernahme unter 50 Prozent bleiben, sagte der Airline-Chef. Gleichwohl habe Lufthansa nicht für weitere Flugzeuge geboten, um die kartellrechtliche Genehmigung nicht zu gefährden. "Viel mehr glauben wir kartellrechtlich nicht machen zu können."

Der Lufthansa-Chef kündigte an, dass Eurowings "aus eigener Kraft" Langstreckenflüge auch aus Berlin anbieten werde. Bislang betreibt die Gesellschaft ihre Überseeflüge ausschliesslich aus Köln. Allerdings hat sie auch schon Starts ab Düsseldorf und München angekündigt.

STARKE WIRTSCHAFTLICHE POSITION

Lufthansa agiert Spohr zufolge aus einer starken wirtschaftlichen Position. Das Geschäftsjahr 2017 laufe "noch deutlich besser" als die beiden vorangegangenen Rekordjahre, sagte der Vorstandschef. Bisher peilte der Manager ein operatives Ergebnis oberhalb der 1,75 Milliarden Euro von 2016 an. Im ersten Halbjahr hatte die Lufthansa bereits so gut abgeschnitten wie nie zuvor und ihr operatives Ergebnis im Jahresvergleich verdoppelt.

Dennoch arbeitet das Management an weiteren Kostensenkungen, und Spohr erwartet bei den Einnahmen in Zukunft weiteren Druck: "Der Abwärtstrend bei den Ticketpreisen ist im Moment gebrochen, aber langfristig gehen wir weiter von fallenden Ticketpreisen aus." Positives erwartet er allerdings im Dauer-Tarifstreit mit den Piloten. Dieser werde voraussichtlich noch im September endgültig mit der Vertragsunterzeichnung beigelegt.

FUSIONSWELLE DÜRFTE WEITER GEHEN

Die Fusionswelle unter den Fluggesellschaften in Europa dürfte nach Spohrs Ansicht weitergehen. "Die Konsolidierung wird kommen, und Lufthansa will dabei eine Rolle spielen. Und Air Berlin wird dabei nicht der letzte Schritt sein." So steht derzeit auch die ehemalige italienische Staatsfluglinie Alitalia zum Verkauf. Die seit langem defizitäre Gesellschaft hatte schon vor Air Berlin Insolvenz angemeldet, nachdem die gemeinsame Haupteignerin Etihad die finanzielle Unterstützung entzogen hatte - ähnlich wie bei Air Berlin./ceb/stw/jha/

(AWP)