Lufthansa-Chef kritisiert Fraport wegen Kapazitätserweiterung

In der kriselnden Partnerschaft zwischen der Fluggesellschaft Deutsche Lufthansa (LH) und dem Frankfurter Flughafenbetreiber Fraport deutet sich keine Entspannung an. Nun kritisierte Lufthansa-Chef Carsten Spohr in einem Interview mit der "Börsen-Zeitung" (Dienstag) die vor gut einer Woche genehmigte Kapazitätserweiterung des Frankfurter Flughafens. "Der aktuelle offensichtliche Strategieschwenk der Fraport zeigt, dass der Flughafen noch unabhängiger von Lufthansa werden will", sagte der Manager und sieht in der Fraport-Planung "in der Tat ein Problem".
22.05.2017 22:39

Fraport und Lufthansa hätten sich in den vergangenen Jahren eher auseinandergelebt als zusammengefunden. "Wir reden zwar viel miteinander, aber anscheinend nicht über die richtigen Themen", stellte Spohr selbstkritisch fest. "Das beunruhigt mich, denn es gefährdet unser gemeinsames Geschäftsmodell." Lufthansa habe in Frankfurt in den vergangenen 15 Jahren kontinuierlich Marktanteile gewonnen. "Wir standen mal für die Hälfte aller Flugbewegungen am Frankfurter Flughafen, heute sind es knapp zwei Drittel." Aber früher seien zwei Drittel der LH-Maschinen in Frankfurt stationiert gewesen, aktuell sei es nur noch ein Drittel.

Vor allem die Praxis von Fraport, mit Rabatten neue Kunden aus dem Billigfliegerbereich - wie Ryanair - nach Frankfurt zu locken, nervt Spohr. Der Manager sieht die Drehkreuzfunktion von Frankfurt mit dem Hineinquetschen von Billig-Airlines und dadurch noch schlechterer Pünktlichkeitsquote gefährdet und bekräftigt, "dass wir Wachstum zu anderen Drehkreuzen umsteuern müssen. Dabei werden wir natürlich trotzdem hier keine Slots aufgeben." Spohr setzt auf Einsicht bei Fraport und auf die Hilfe der hessischen Landespolitik, "die nach Kräften unterstützt, dass die aktuellen Differenzen überwunden werden können".

Der Lufthansa-Chef bekräftigte das grundsätzliche Interesse an einer Übernahme des angeschlagenen Wettbewerbers Air Berlin . Allerdings müssten die Kosten bei Air Berlin runter, die Schulden müsse der Grossaktionär Etihad übernehmen, und die Kartellbehörden müssten zustimmen. "Es bleibt (...) bei den genannten drei Bedingungen, und es reicht nicht aus, nur für eine oder zwei Fragen Lösungen zu finden."

Für Lufthansa sei auch noch nicht entschieden, ob der eigene Low-Cost-Ableger Eurowings tatsächlich, wie bisher für das nächste Jahr erwartet, nach Frankfurt komme. "Denn auch eine Eurowings könnte genauso wie Ryanair dafür sorgen, dass eine Zubringerstrecke für die Lufthansa Passage nicht mehr profitabel ist." Von dem eigenen Low-Cost-Konzept ist Spohr überzeugt: "Wenn man sich anschaut, wie weit wir mit Eurowings in unter drei Jahren gekommen sind, dann sind meine Erwartungen übertroffen." In Europa habe Eurowings in dem Segment bereits Rang 3 erreicht, "und wir werden mit Eurowings ab 2018 schwarze Zahlen schreiben". Eurowings werde perspektivisch die zweitgrösste Airline im Konzern sein. Nach Umsatz sei Eurowings schon grösser als AUA und betreibe mehr Flugzeuge als Swiss.

Für das Premiumprodukt Lufthansa zahlten sich die hohen Investitionen in einer deutlichen Besserung bei der Kundenzufriedenheit und Auslastung aus. Auch die Tarifeinigungen mit allen drei Berufsgruppen im Konzern hülfen. "Deswegen bin ich viel optimistischer als noch vor einigen Jahren, dass wir auch in unserem Kerngeschäft wieder wachsen können", so Spohr./he

(AWP)