M&A-Volumen in Pharmabranche steigt weltweit um 14% - Herausforderungen in USA

Durch die weltweite Pharmabranche rollt eine Übernahmewelle. Im vergangenen Jahr stieg der Wert der Fusionen und Übernahmen - kurz M&A - um 14% auf 201 Mrd USD, wie das Beratungs- und Prüfungsunternehmens EY in ihrer am Dienstag veröffentlichten "Firepower-Studie" berechnet hat. Ein Ende des Booms scheint nicht angezeigt.
24.01.2017 09:30

Zum einen dürften die Unternehmen weiter versuchen, durch Akquisitionen zu wachsen, wie es heisst. Zum anderen würden die jüngsten Verwerfungen des geopolitischen Umfelds, insbesondere nach der Präsidentenwahl in den USA, weitere Impulse für den Transaktionsmarkt geben.

EY rechnet damit, dass das globale Transaktionsvolumen auch 2017 die Grenze von 200 Mrd USD übersteigen wird und sich in den kommenden Jahren auf diesem Niveau einpendelt. Zum Vergleich: Bis 2013 war ein Volumen von etwa 100 Mrd USD normal, wie es heisst.

MAGERE UMSATZAUSSICHTEN, GÜNSTIGE KREDITE

Der Hauptgrund für das anhaltende Fusionsfieber seien die mageren Umsatzaussichten. Kostenträger wie Krankenkassen oder der Staat würden weiter keine Preiserhöhungen bei älteren Produkten zulassen und auch die Wachstumsaussichten bei neuen Therapien bremsen.

"Die Neuordnung der Pharmabranche ist weiter in vollem Gang", so Gerd Stürz, Life Sciences Leader bei EY Schweiz. "Die Konzerne seien bestrebt, ihr Portfolio zu bereinigen, sich fokussierter aufzustellen und ihre Attraktivität für Investoren zu erhöhen. Gleichzeitig stünden sie unter erheblichem Innovationsdruck. "Wer in einem nur leicht wachsenden Markt ambitionierte Wachstumsziele erreichen und neue Wirkstoffe ins Portfolio aufnehmen will, kommt um Zukäufe nicht herum."

Zudem seien Kredite weiter günstig, die Bereitschaft zur Abspaltung ganzer Unternehmensteile bleibe gross und die Investoren würden ein aktives Portfoliomanagement honorieren. "Bis dieser Prozess abgeschlossen ist, werden noch einige Jahre vergehen. Die M&A-Aktivität wird sich über die kommenden Jahre auf einem hohen Niveau halten ", ergänzt Jürg Zürcher, langjähriger Life Sciences Partner bei EY Schweiz.

FINANZKRAFT BRANCHENWEIT GESCHRUMPFT

Sinkende Aktienkurse und Fremdkapitalaufnahmen zur Finanzierung der M&A-Aktivitäten der letzten Jahre hätten branchenweit allerdings zu einem Rückgang der Finanzkraft um rund 20% auf aktuell etwa 900 Mrd USD geführt. Spezialpharma- und grosse Biotech-Unternehmen hatten mit 62 bzw. 24% das grösste Minus zu verzeichnen, während Big Pharma mit 17% die geringsten Einbussen erlitten.

Trotz der insgesamt gesunkenen Finanzkraft seien viele Unternehmen weiterhin in der Lage, umfangreiche Transaktionen durchzuführen. Vor allem grosse Pharma- und Biotech-Konzerne hätten in den vergangenen Jahren nur etwa 10% ihrer Mittel für M&A's verwendet.

NEUE HERAUSFORDERUNGEN IN DEN USA

Das politische Klima in den USA könnte in diesem Jahr die Transaktionsneigung verstärken, wie es weiter heisst. Mögliche Aufsichts- und Steuerrechtsreformen in den USA könnten dem Transaktionsmarkt den Angaben zufolge weltweit zusätzlichen Schub verleihen. Von besonderer Bedeutung sei die potenzielle Repatriierung von Gewinnen in die USA. Damit könnten laut Studie Barmittel in Höhe von etwa 100 Mrd USD ins Land fliessen, was US-Unternehmen einen deutlich grösseren Finanzierungsspielraum für Transaktionen bescheren würde.

"Ein neuer steuerpolitischer Kurs der USA könnte zur Einschränkung oder vollständigen Aufhebung der Steuervorteile für US-Firmen bei M&A-Transaktionen führen", so Stürz. "Globale Pharmakonzerne, die ein Wachstum auf dem US-Markt anstreben, könnten hingegen ihre M&A-Pläne in den USA schneller umsetzen als geplant."

LONZA/CAPSUGEL-DEAL UNTER TOP TEN

Grösster Deal des Jahres war mit Abstand der Kauf des US-Saatgutherstellers Monsanto durch den deutschen Life-Sciences-Konzern Bayer mit rund 64 Mrd USD. Den Erwerb des Kapselproduzenten Capsugel durch den Pharmazulieferer Lonza für 5,5 Mrd USD zählt EY zu den zehn grössten Deals.

cp/

(AWP)