Maersk übernimmt Reederei-Geschäft von Oetker-Gruppe

(Ausführliche Fassung)
01.12.2016 12:11

HAMBURG/BIELEFELD (awp international) - Die Oetker-Gruppe trennt sich von ihrer Schifffahrtssparte und verkauft die Reederei Hamburg Süd an den dänischen Reederei-Riesen A.P. Møller-Maersk. Das teilte das Familienunternehmen am Donnerstag in Bielefeld mit. Zuvor hatte Maersk über den geplanten Kauf berichtet. Oetker verliert damit rund die Hälfte seines Umsatzes von rund 12 Milliarden Euro. Details zu dem geplanten Kauf nannten beiden Seiten noch nicht. Bislang sei ein Vorvertrag unterzeichnet worden. Wenn die Kartellbehörden zustimmen, soll der Verkauf bis Ende 2017 umgesetzt werden.

Nach Gesprächen mit mehreren Interessenten habe sich Oetker für den weltweiten Marktführer aus Dänemark entschieden, heisst es in einer Mitteilung. Zum Kaufpreis sei Stillschweigen vereinbart worden, sagte Oetker-Sprecher Jörg Schillinger der Deutschen Presse-Agentur. 2015 hatte der Konzern 12,2 Milliarden Euro umgesetzt, Hamburg Süd steuerte rund die Hälfte der Erlöse zu, die Nahrungsmittelsparte mit Tiefkühlpizzen, Backmischungen und Puddingpulver erzielte im vergangenen Jahr knapp ein Viertel des Konzernumsatzes. Bereits in der vergangenen Woche hatten Medien über einen Verkauf der Seefahrtslinie spekuliert.

Zu den Gründen verweist das Oetker-Management auf den seit Jahren laufenden Konsolidierungsprozess in der Branche. Zuletzt hatten die drei grossen japanischen Containerreedereien Nippon Yusen Kaisha (NYK), Mitsui OSK Lines (MOL) und Kawasaki Kisen Kaisha (K-Lines) überraschend einen Zusammenschluss ab April 2018 vermeldet, ihr koreanischer Konkurrent Hanjin steht kurz vor der Pleite. Seit rund acht Jahren leidet die Branche unter Überkapazitäten auf den Weltmeeren. Um mithalten zu können, so Oetker laut Mitteilung, sei ein höherer Kapitalbedarf notwendig.

Auch Møller-Maersk leidet unter den niedrigen Frachtraten. Im dritten Quartal waren sowohl Umsatz als auch Gewinn im Vergleich zum Vorjahr rückläufig gewesen. Für 2016 erwarten die Dänen ein Ergebnis deutlich unter dem von 2015. Das Transportgeschäft und die Energiesparte des Mischkonzerns sollen künftig als eigenständige Unternehmen arbeiten. Die Transport- und Logistiksparte soll unter dem Namen Maersk erhalten bleiben. Im Herbst hatte Maerk angekündigt, hier durch Investitionen und Aufkäufe wachsen zu wollen.

Die Belegschaft von Hamburg Süd ist am Donnerstagvormittag von der Geschäftsführung über den Verkauf informiert worden. Maersk wolle die Marke Hamburg Süd erhalten, weil sie einen "sehr persönlichen Touch" habe, berichtete eine Sprecherin von Hamburg Süd in Hamburg. Sie verwies darauf, dass Maersk die Mitarbeiter mit "all ihren Rechten und Pflichten aus ihren Verträgen" übernehme werde. Hamburg Süd beschäftigt weltweit rund 6000 Mitarbeiter. Für das Unternehmen fahren 189 Schiffe, davon 48 eigene. Die Flottenkapazität liegt bei 625 000 TEU (Standardcontainern). Nach Angaben von Oetker zählt Hamburg Süd damit zu den zehn grössten Containerlinienreedereien der Welt./lic/DP/fbr

(AWP)