Markt: Bankenwerte stürzen nach "Brexit"-Entscheid ab - Versicherungen schwach

Zürich (awp) - Die Kurse der Schweizer Bankenwerte stürzen am Freitag nach dem Entscheid Grossbritanniens zum Austritt aus der EU am Schweizer Markt ab. Beide Grossbankenwerte liegen zweistellig im Minus und auch die Titel der Bank Julius Bär gehören im frühen Handel klar zu den stärksten Verlierern unter den Bluechip-Werten. Die grossen Versicherungswerte Zurich und Swiss Re verlieren auch etwas stärker als der Gesamtmarkt.
24.06.2016 09:52

Die Titel der Grossbank CS liegen gegen 9.35 Uhr um 11,9% im Minus auf 11,50 CHF und UBS geben 10,2% nach auf 13,75 CHF. Die Grossbankenwerte, die bereits das ganze Jahr über unter starkem Kursdruck gestanden sind, haben damit am Morgen neue Jahrestiefstwerte erreicht. Julius Bär liegen um 9,1% im Minus auf 10,53 CHF. Bei den Versicherungswerten geben Zurich um 5,7% nach und Swiss Re verlieren um 4,8%. Der Leitindex SMI liegt derweil um 4,1% im Minus.

Die Schweizer Banken dürften von den sich abzeichnenden hohen Marktvolatilitäten stark betroffen sein, kommentieren die Analysten der IG Bank. Sie seien bereits von den scharfen Marktschwankungen zu Jahresbeginn stark negativ betroffen gewesen, erinnern sie. Zudem dürfte der "Brexit" für die Banken auch bedeuten, dass das sehr tiefe Zinsniveau noch länger anhalten dürfte - mit den entsprechenden negativen Auswirkungen für die Erträge im "Fixed Income"-Geschäft.

Auch die ZKB-Analysten sind von den zweistelligen Kursverlusten der Finanzwerte nicht überrascht. Die Bankenwerte seien von dem Umfeld von unverändert tiefen Zinsen der Notenbanken, steigenden Risikoprämien vor allem an Märkten mit schlechter Bonität - wie etwa den Anleihen der "Peripherieländer" - sowie von den konjunkturellen Unsicherheiten wohl stark betroffen. Neue Einstufungen für die Bankenwerte wollen die ZKB-Experten vorläufig noch nicht vornehmen und erst die weitere Marktentwicklung und die Auswirkungen verfolgen.

Auf Seite der Versicherungen sieht die ZKB vor allem die Zurich Insurance sowie die Swiss Re vom "Brexit" betroffen. Beide Gesellschaften würden rund 11% ihrer Versicherungseinnahmen in Grossbritannien generieren und seien somit massgeblich in diesem Markt verankert. Auch anlageseitig bestünden beträchtliche Exponierungen: Bei Zurich Insurance entfallen danach 11% der gesamten Bonds auf Anlagen in Grossbritannien, bei Swiss Re seien es 10,5%.

Auch für die Versicherer dürften die Entwicklungen auf der Zinsseite mit der anhaltende Tiefzinsphase oder gar einer weiteren Abschwächung der Zinsen negativ sein, ebenso wie eine generelle Abschwächung der Wirtschaftsentwicklung und die Ausweitung der Kredit-Spreads an den Finanzmärkten. Allerdings sei die Eigenmittelsituation der Schweizer Versicherer derzeit sehr solid, so die ZKB-Analysten weiter; damit könnten die durch den Brexit ausgelösten negativen Entwicklungen auf der Makroseite gut abgefedert werden.

tp/ra

(AWP)