Merck KGaA profitiert von Übernahme - Vorsichtige Prognose für 2017

(Ausführliche Fassung) - Der Pharma- und Chemiekonzern Merck KGaA blickt zunächst wie erwartet vorsichtig auf das laufende Geschäftsjahr. Mit den Zahlen zum abgelaufenen Jahr lag Merck im eigenen Erwartungshorizont. Im November hatte Konzernchef Stefan Oschman zum zweiten Mal für das abgelaufene Jahr die Jahresprognose erhöht. Treiber war die Übernahme des US-Laborausrüsters Sigma-Aldrich. Das Wachstum aus eigener Kraft wurde dagegen fast vollständig von Wechselkurseffekten zunichte gemacht.
09.03.2017 08:47

Für das laufende Jahr 2017 werde ein leichtes bis moderates organisches Umsatzwachstum und ein stabiles Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) vor Sondereinflüssen erwartet, teilte der Konzern am Donnerstag in Darmstadt mit.

AKTIE VORBÖRSLICH UNTER DUCK

Analysten sehen sich bestätigt, sie hatten von Merck eine eher zurückhaltende Prognose erwartet. Die Jahreszahlen sind nach Meinung der DZ Bank im Rahmen der Erwartungen ausgefallen. Die Aktie lag vorbörslich über ein Prozent im Minus. Die Merck-Titel hatten sich seit Jahresanfang in etwa wie der Dax entwickelt und rund vier Prozent zugelegt.

Traditionell wird sich Merck im Mai mit den Zahlen zum ersten Quartal ausführlicher zum Ausblick äussern. In der aktuell vorgelegten Analystenpräsentation nennt Merck als Treiber für den operativen Gewinn im Jahr 2017 das organische Wachstum in allen drei Geschäftssparten sowie weitere positive Effekte aus der Übernahme von Sigma-Aldrich. Zudem ist beim Multiple-Sklerose-Mittel Rebif, dem umsatzstärksten Mittel, der Preis in den USA erhöht worden. Belastet werde das Wachstum des operativen Gewinns durch die steigenden Entwicklungs- und Forschungskosten, schwächelnde Margen im Pharmageschäft (Healthcare) sowie der Wettbewerbssituation bei Fruchtbarkeitsmedikamenten.

NEUE HOFFNUNGSTRÄGER

Im neuen Jahr steht vor allem der grösste Hoffnungsträger im Pharmabereich, der Medikamentenkandidat Avelumab, im Fokus. Eine erste Markteinführung erwartet der Konzern in diesem Jahr. Im Herbst hatte Merck bei der US-Gesundheitsbehörde FDA und beim europäischen Pendant EMA Zulassungsanträge eingereicht. Bei der ersten angestrebten Zulassung geht es um die Behandlung eines aggressiven und seltenen Hautkrebstyps (Merkelzellkarzinom). Mit Neuigkeiten aus den USA rechnet Merck im ersten Halbjahr, in Europa dann in der zweiten Jahreshälfte. Die Darmstädter entwickeln das Mittel gemeinsam mit dem US-Pharmakonzern Pfizer . Ein weiterer Umsatztreiber soll die Tablette Cladribin bei Multipler Sklerose sein, deren Zulassung die Behörden in Europa aktuell prüfen. Derzeit rechnet Merck im zweiten Halbjahr mit Neuigkeiten.

Die Erlöse legten im abgelaufenen Jahr um 17 Prozent auf 15 Milliarden Euro zu. Der Zukauf von Sigma-Aldrich sorgte hier für einen Sprung von über 16 Prozent. Aus eigener Kraft wuchsen die Darmstädter um 3,2 Prozent, während negative Währungseffekte einen Grossteil davon wieder zunichtemachten. Die Darmstädter hatten Sigma-Aldrich für rund 13 Milliarden Euro übernommen und im November 2015 ihre bislang grösste Übernahme in der Firmengeschichte abgeschlossen.

HÖHERE DIVIDENDE

Der um Sonderposten bereinigte operative Gewinn (operatives Ebitda) kletterte um fast ein Viertel auf 4,5 Milliarden Euro. Unter dem Strich verdiente Merck 1,6 Milliarden Euro, das waren gut 46 Prozent mehr als vor einem Jahr. Merck traf mit seinen Zahlen im Wesentlichen die Schätzungen der Analysten. Die Aktionäre sollen in Form einer gestiegenen Dividende teilhaben: Die Ausschüttung soll um 15 Cent auf 1,20 Euro je Aktie erhöht werden.

Bei Rebif, dem umsatzstärksten Medikament, machte sich der Preis- und der Wettbewerbsdruck nicht so stark bemerkbar wie erwartet, organisch fielen die Erlöse nur um 1,7 Prozent. Beim Krebsmedikament Erbitux, dem zweitlukrativsten Mittel, gingen die Einnahmen am Ende wegen negativer Währungseffekte minimal zurück, die das kleine Wachstum aus eigener Kraft aufzehrten. Früheren Aussagen zufolge erwartet Merck bei diesem Mittel eine Stagnation in diesem Jahr. Das drittlukrativste Medikament, das Fruchtbarkeitsmittel Gonal-F, steigerte die Erlöse zweistellig, wobei auch hier die Währungseffekte belasteten./stk/ees/jha/

(AWP)