Merck KGaA profitiert von Übernahme - Vorsichtige Prognose für 2017

(Zusammenfassun; neu Aussagen aus der Pressekonferenz, mehr Details) - Der Pharma- und Chemiekonzern Merck KGaA blickt zunächst wie erwartet vorsichtig auf das laufende Geschäftsjahr. Auch wenn Analysten damit gerechnet haben, bemängelten dies die Anleger und schickten die Aktie zunächst auf Talfahrt.
09.03.2017 14:14

Mit den Zahlen zum abgelaufenen Jahr lag Merck im eigenen Erwartungshorizont. Im November hatte Konzernchef Stefan Oschmann zum zweiten Mal für das abgelaufene Jahr die Jahresprognose erhöht. Im Jahr 2017 liegt der Fokus auf den zukünftigen Hoffnungsträgern, vor allem auf dem Medikamentenkandidat Avelumab. Für die neuen Wachstumsimpulse im Pharmabereich werden die Forschungskosten auch deutlich ansteigen, sagte Oschmann. Bis 2022 will das Darmstädter Unternehmen laut Planung aus dem vergangenen Oktober mit neuen Produkten Umsätze in Höhe von vier Milliarden Euro erzielen, davon soll die Pharmasparte mit neuen Medikamenten zwei Milliarden Euro beitragen.

AKTIE UNTER DRUCK

Für das laufende Jahr 2017 werde ein leichtes bis moderates organisches Umsatzwachstum und ein stabiles Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) vor Sondereinflüssen erwartet, teilte der Konzern am Donnerstag in Darmstadt mit.

Analysten sehen sich bestätigt, sie hatten von Merck eine eher zurückhaltende Prognose erwartet. Die Jahreszahlen sind nach Meinung der DZ Bank im Rahmen der Erwartungen ausgefallen. "Der Ausblick ist wie erwartet vorsichtig", meinte Experte Daniel Wendorff von der Commerzbank. Anleger dürften auf etwas bessere Unternehmensprognosen gehofft haben, schrieb Analystin Marietta Miemietz von der Equinet Bank in einer Studie. Daher dürften einige nun erst einmal Kasse machen. Die Aktien knickten denn auch als einer der schwächsten Werte im deutschen Leitindex Dax ein, verringerten ihr Minus aber bis zum frühen Nachmittag immerhin ein Stück weit. Zuletzt notierten sie noch 1,45 Prozent im Minus bei 101,60 Euro.

NEUE HOFFNUNGSTRÄGER

Traditionell wird sich Merck im Mai mit den Zahlen zum ersten Quartal ausführlicher zum Ausblick äussern. In der aktuell vorgelegten Analystenpräsentation nennt Merck als Treiber für den operativen Gewinn im Jahr 2017 das organische Wachstum in allen drei Geschäftssparten sowie weitere positive Effekte aus der Übernahme von Sigma-Aldrich. Zudem ist beim Multiple-Sklerose-Mittel Rebif, dem umsatzstärksten Mittel, der Preis in den USA erhöht worden. Belastet werde das Wachstum des operativen Gewinns durch die steigenden Entwicklungs- und Forschungskosten, schwächelnde Margen im Pharmageschäft (Healthcare) sowie der Wettbewerbssituation bei Fruchtbarkeitsmedikamenten.

Im neuen Jahr dreht es sich vor allem um den grössten Hoffnungsträger Avelumab. Eine erste Markteinführung erwartet der Konzern in diesem Jahr. "Die Zulassung wird in einem vorhersehbaren Zeitraum kommen", sagte Oschmann. Auch wenn die anstehende Zulassung zur Behandlung eines aggressiven und seltenen Hautkrebstyps (Merkelzellkarzinom) ein kleiner Markt sei, "ist dies ein sehr wichtiger Schritt" für Merck, wenn nicht sogar ein "historischer", sagte der Unternehmenschef. Im Herbst hatte Merck bei der US-Gesundheitsbehörde FDA und beim europäischen Pendant EMA Zulassungsanträge eingereicht. Mit Neuigkeiten aus den USA rechnet Merck im ersten Halbjahr, in Europa dann in der zweiten Jahreshälfte. Die Darmstädter entwickeln das Mittel gemeinsam mit dem US-Pharmakonzern Pfizer . Ein weiterer Umsatztreiber soll die Tablette Cladribin bei Multipler Sklerose sein, deren Zulassung die Behörden in Europa aktuell prüfen. Derzeit rechnet Merck im zweiten Halbjahr mit Neuigkeiten.

HÖHERE DIVIDENDE

Die Erlöse legten im abgelaufenen Jahr um 17 Prozent auf 15 Milliarden Euro zu. Der Zukauf von Sigma-Aldrich sorgte hier für einen Sprung von über 16 Prozent. Aus eigener Kraft wuchsen die Darmstädter um 3,2 Prozent, während negative Währungseffekte einen Grossteil davon wieder zunichtemachten. Die Darmstädter hatten Sigma-Aldrich für rund 13 Milliarden Euro übernommen und im November 2015 ihre bislang grösste Übernahme in der Firmengeschichte abgeschlossen.

Der um Sonderposten bereinigte operative Gewinn (operatives Ebitda) kletterte um fast ein Viertel auf 4,5 Milliarden Euro. Unter dem Strich verdiente Merck 1,6 Milliarden Euro, das waren gut 46 Prozent mehr als vor einem Jahr. Merck traf mit seinen Zahlen im Wesentlichen die Schätzungen der Analysten. Die Aktionäre sollen in Form einer gestiegenen Dividende teilhaben: Die Ausschüttung soll um 15 Cent auf 1,20 Euro je Aktie erhöht werden.

VERKAUF DES BIOSIMILARS-GESCHÄFTS GEPLANT

Bei Rebif, dem umsatzstärksten Medikament, machte sich der Preis- und der Wettbewerbsdruck nicht so stark bemerkbar wie erwartet, organisch fielen die Erlöse nur um 1,7 Prozent. Beim Krebsmedikament Erbitux, dem zweitlukrativsten Mittel, gingen die Einnahmen am Ende wegen negativer Währungseffekte minimal zurück, die das kleine Wachstum aus eigener Kraft aufzehrten. Früheren Aussagen zufolge erwartet Merck bei diesem Mittel eine Stagnation in diesem Jahr. Das drittlukrativste Medikament, das Fruchtbarkeitsmittel Gonal-F, steigerte die Erlöse zweistellig, wobei auch hier die Währungseffekte belasteten.

Unterdessen bestätigte der Konzern Gespräche zum Verkauf des Biosimilars-Geschäfts. "Merck befindet sich in fortgeschrittenen Verhandlungen, ein Vollzug wird noch im Geschäftsjahr 2017 erwartet", sagte Oschmann. Zuletzt wurde darüber in Medienberichten spekuliert. Umsätze hatte Merck bisher in dieser Sparte, die 2012 gegründet wurde, noch nicht erzielt. Es gebe hier Forschungsprojekte, so Oschmann. Biosimilars sind Nachahmerprodukte für biotechnologisch hergestellte Arzneien./stk/mis/jha/

(AWP)