Merck stimmt auf schwieriges Jahr ein - Vorsichtige Prognose

(Neu: Aussagen des Finanzvorstand aus der Telefonkonferenz, Aktienkurs) - Der Pharma- und Chemiekonzern Merck kämpft in China mit zunehmender Konkurrenz in seinem Flüssigkristallgeschäft. Dies sowie die Kosten für den Anlauf des neuen Medikaments Avelumab lassen die Darmstädter weiterhin vorsichtig auf das laufende Jahr blicken. Es werde kein leichtes Jahr für den Konzern werden, erklärte Finanzchef Marcus Kuhnert am Donnerstag während einer Telefonkonferenz. In der Gesundheits- und der Laborsparte lief es hingegen im ersten Quartal rund. Auch die Integration des Laborausrüsters Sigma-Aldrich kommt voran.
18.05.2017 13:15

Für das Gesamtjahr peilt der Dax-Konzern moderate Umsatzsteigerungen und ein in etwa stabiles Ergebnis an. Das um Sondereinflüsse bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) soll bei 4,4 bis 4,6 Milliarden Euro herauskommen, der Vorjahreswert lag bei knapp 4,5 Milliarden Euro. Der Umsatz soll auf 15,5 bis 16,0 Milliarden Euro steigen.

An der Börse wurden die Zahlen zum ersten Quartal zwar gelobt, doch machten die Anleger nach dem vorsichtigen Ausblick zunächst einmal Kasse. Die Papiere gehörten am Mittag mit einem Verlust von 1 Prozent zum Mittelfeld im Dax.

MARKTANTEILSVERLUSTE BEI FLÜSSIGKRISTALLEN

In der Spezialchemie sind die Aussichten derzeit gedämpfter als gedacht. Tatsächlich liefen die Geschäfte mit Pigmenten, Materialien für integrierte Schaltkreise und mit organischen Leuchtdioden im ersten Quartal zwar gut, doch brummte es bei den Flüssigkristallen nicht mehr ganz so wie bisher.

Dem Marktführer Merck machen in China bei Flüssigkristallen zunehmend lokale Hersteller Konkurrenz. Kamen die Darmstädter laut Finanzvorstand in den vergangenen Jahren auf einen weltweiten Marktanteil von "deutlich über 60 Prozent", rechnen sie nun mit einem schrittweisen Rückgang auf 50 bis 60 Prozent. Für das laufende Jahr zeigte sich Merck für die Sparte pessimistischer. und rechnet mit lediglich stabilen Ergebnissen.

HOFFNUNGSTRÄGER AVELUMAB

Vor grossen Herausforderungen steht auch die Gesundheitssparte, die durch jährlich ein neues Produkt künftig zum grossen Wachstumstreiber werden soll. Zum Jahresauftakt machten Merck noch die Erlösrückgänge bei wichtigen Umsatzbringern wie dem Multiple-Sklerose-Medikament Rebif und dem Fruchtbarkeitsmittel Gonal-F zu schaffen. Beide Mittel leiden unter Konkurrenzdruck.

Der Konzern setzt daher seine Hoffnungen vor allem auf das Krebsmittel Avelumab, das aus einer Kooperation mit Pfizer hervorgegangen ist. Analysten trauen dem Mittel Milliardenumsätze zu. Der erste Durchbruch kam im Frühjahr: In den USA wurde Avelumab, das dort als Bavencio vermarktet wird, für die Behandlung bei zwei Tumorarten (Merkelzellkarzinom, Urothelkarzinom) zugelassen. Merck hofft auf weitere Zulassungen. Aktuell wird der Einsatz des Mittels noch an mehr als 15 weiteren Tumorvarianten untersucht.

Merck hat daher steigende Forschungskosten in Aussicht gestellt. Hinzu kommen Anlaufkosten für die Vermarktung und Produktion, weshalb in der Sparte für dieses Jahr zunächst noch ein Ergebnisrückgang erwartet wird. Bavencio selbst soll 2017 erste Umsatzbeiträge im niedrigen zweistelligen Euro-Millionen-Bereich bringen.

SIGMA-ALDRICH-INTEGRATION KOMMT VORAN

In der Laborsparte läuft die Integration des 2015 für rund 13 Milliarden Euro übernommenen US-Ausrüsters Sigma-Aldrich unterdessen auf Hochtouren. Der Konzern kam im ersten Quartal weiter voran und konnte seine Profitabilität in der Sparte weiter steigern. Im Januar hatte sich Merck im Laborbereich mit dem Zukauf des Experten für Lebensmitteltests, Biocontrol, weiter verstärkt.

Konzernweit stiegen die Erlöse von Januar bis März um rund 5 Prozent auf 3,86 Milliarden Euro. Das bereinigte operative Ergebnis (Ebitda) zog mit einem Plus von knapp 15 Prozent auf 1,24 Milliarden Euro noch stärker an. Ausschlaggebend waren Sondereffekte im Zusammenhang mit Lizenzzahlungen und einer ersten Meilensteinzahlung für Bavencio. Der Überschuss schmolz hingegen auf 521 Millionen Euro zusammen. Im Vorjahr hatte ein Sondereffekt aus einem Rechteverkauf den Gewinn unter dem Strich aufgebläht.

CFO: KEIN SPÄTERER 'SPIN-OFF' VON KONZERNEINHEITEN GEPLANT

Wenig Neues gab es zu den am Dienstag veröffentlichten Überlegungen zu einem Konzernumbau. Merck hat die Prüfung einer Ausgliederung seiner drei Konzernsparten in eigene Tochtergesellschaften angekündigt. Nicht geplant sei jedoch eine spätere Abspaltung einzelner Geschäftseinheiten nach dem Vorbild etwa von Bayer und Covestro, betonte Kuhnert erneut. Der Umbau solle am Standort Darmstadt aber ermöglichen, Wachstumschancen besser zu realisieren. /tav/nas/stb

(AWP)