Merkel und Li setzen auf Lösung bei Roboterhersteller Kuka

Peking (awp/sda/reu) - In der Debatte über eine Übernahme des Roboterherstellers Kuka im süddeutschen Augsburg hat die deutsche Kanzlerin Angela Merkel Offenheit für chinesische Investitionen betont - aber gleichzeitig das Engagement weiterer deutscher Firmen ins Spiel gebracht.
13.06.2016 09:45

"Ich sehe nach wie vor die Möglichkeit, dass man zu einer guten Lösung kommt. Es ist im übrigen auch niemandem in Deutschland verboten, sich bei Kuka zu engagieren", sagte Merkel am Montag an einer Pressekonferenz mit dem chinesischen Ministerpräsidenten Li Keqiang. "Und jetzt muss man schauen, welche Lösungen man dabei findet."

Li sagte seinerseits, es handle sich um eine privatwirtschaftliche Angelegenheit, die nach internationalen Gepflogenheiten abgewickelt werden sollte.

OFFENHEIT GEGENÜBER INVESTITIONEN

Merkel betonte eine generelle Offenheit gegenüber Investitionen aus China. Man erwarte aber im Gegenzug, dass auch China sich öffne und gleiche Investitionsbedingungen biete. "Deutschland hat sich immer angeboten als ein offener Investitionsmarkt für die Wirtschaft, auch für chinesische Unternehmen", sagte sie.

Der chinesische Konzern Midea hatte Ende Mai ein Angebot von bis zu 4,5 Milliarden Euro angekündigt - das wäre die grösste Übernahme von Chinesen in Deutschland. Midea hält bereits 13,5 Prozent an Kuka und strebt einen Anteil von mindestens 30 Prozent an.

Auch der Technologiekonzern Voith im süddeutschen Heidenheim ist mit 25,1 Prozent beteiligt. Siemens-Chef Joe Kaeser betonte, dass sein Unternehmen kein Interesse an einem Einstieg habe. Gegenüber dem Sender "n-tv" sagte er am Sonntag, das Interesse der Chinesen zeige, Deutschlands Stärke im Technologiebereich.

Im Gespräch als mögliche Investoren bei Kuka war auch der Schweizer Industriekonzern ABB. Doch auf Anfrage hiess es dort, man beteilige sich nicht an Spekulationen.

Der deutsche Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel hatte bereits kurz nach Bekanntgabe der Übernahmepläne gesagt, er fände es gut, wenn es eine deutsche oder europäische Alternative zur chinesischen Midea aus der Wirtschaft heraus gäbe. Das High-Tech-Unternehmen Kuka gilt als eine der Schlüsselfirmen für die Modernisierung der deutschen Wirtschaft.

In der Politik sorgt man sich, dass über Verkäufe solcher Unternehmen technologisches Wissen aus Deutschland etwa an den weltwirtschaftlichen Konkurrenten China abfliessen könnte. Eingriffsmöglichkeiten aber hat die deutsche Politik kaum, wie Gabriel eingestand.

CHINAS STATUS ALS MARKTWIRTSCHAFT

Bei dem Besuch von Merkel in China geht es zudem um den wirtschaftspolitischen Konflikt um die Einstufung Chinas als Marktwirtschaft. Merkel versprach, zwischen Brüssel und Peking vermitteln zu wollen. Sie werde nach ihrer China-Reise mit EU-Kommissionspräsident Jean Claude Juncker sprechen, kündigte sie in Peking an.

Bei der Aufnahme in die Welthandelsorganisation (WTO) 2001 war China bis Ende dieses Jahres der Marktwirtschaftsstatus in Aussicht gestellt worden. Die EU möchte aber weiter Schutzmechanismen gegen Billigprodukte aus China schaffen können.

(AWP)