Meyer Burger stellt sich gegen Zuwahl eines Sentis-Vertreters

(Um Stellungnahme von Sentis ergänzt) - Der Verwaltungsrat der Solarindustriezulieferers Meyer Burger empfiehlt seinen Aktionären, keinen Vertreter des aktivistischen Aktionärs Sentis in den Verwaltungsrat zu wählen. Als Gründe für die Ablehnung werden mögliche Interessenkonflikte genannt. In einer Stellungnahme wies Sentis die vorgebrachten Argumente entschieden zurück.
23.09.2019 19:01

Meyer-Burger-Verwaltungsratspräsident Remo Lütolf ist der Ansicht, dass nach einer Zuwahl Kerekes' im obersten Führungs- und Aufsichtsgremium von Meyer Burger nicht mehr offen und konstruktiv gearbeitet werden könnte, wie er an einer Telefonkonferenz am Montag sagte. Hauptgrund für die ablehnende Haltung zu Kerekes' Kandidatur seien - neben den offenbar fehlenden Qualifikationen für den Posten - denn auch Interessenskonflikte.

Für den Fall, dass Sentis-Kandidat Mark Kerekes an der ausserordentlichen Generalversammlung Ende Oktober dennoch gewählt würde, hat Meyer-Burger-CEO Hans Brändle seinen Rücktritt angekündigt.

Als Mitglied des Gremiums bekäme Kerekes Zugang zu intimen Informationen der Gesellschaft, was zu unlösbaren Interessenskonflikten führen würde, hiess es in der Medienmitteilung von Meyer Burger vom Montag. Gegenüber Medienvertretern sprach Lütolf insbesondere von derivativen Geschäften mit Meyer-Burger-Wertpapieren, die von Sentis respektive der Gesellschaft nahestehenden Personen getätigt worden seien.

Der Meyer-Burger-Verwaltungsrat verwies in der Begründung, weshalb kein Sentis-Mann in den Verwaltungsrat gewählt werden solle, im Weiteren auf das Aktienrecht: Mit der Zuwahl eines erklärten Interessensvertreters eines aktivistischen Aktionärs würde dieses verletzt, weil es vorsehe, dass jeder Verwaltungsrat sich allein für die Interessen des Unternehmens und nicht für Partikularinteressen einzusetzen habe.

Kondrashev auf Putin-Liste des US-Finanzministeriums

Zweifel gegenüber einer Zuwahl von Kerekes bestehen aber auch aus einem weiteren Grund: So gehört die Sentis-Gruppe, deren Co-Geschäftsführer Kerekes ist, dem russischen Investor Petr Kondrashev. Dieser steht gemäss Angaben von Meyer Burger auf der sogenannten Putin-Liste des US-Finanzministeriums. Diese Liste von russischen Regierungsmitgliedern und Oligarchen wurde nach den angeblichen russischen Manipulationen der US-Wahl und der Annexion der Krim von den US-Behörden zur Vorbereitung von Sanktionen erstellt.

Kerekes selbst steht laut Lütolf nicht auf der Liste, er werde jedoch dem "identifizierbaren Kandidatenkreis" jener zugeordnet, die darauf landen könnten. Aus Risikoabwägungen ist es gemäss des Meyer-Burger-Verwaltungsrats daher klüger, kein Vertreter von Sentis im Verwaltungsrat zu haben.

Sentis wehrt sich gegen Vorwürfe

Den Ausführungen von Lütolf tritt Sentis entschieden entgegen. "Mark Kerekes wird als Vertreter wichtiger Aktionäre in den Verwaltungsrat vorgeschlagen, wie das in vielen Unternehmen üblich ist," schrieb Anton Karl, Co-Geschäftsführer und Verwaltungsratsmitglied von Sentis, am Montagabend in einer Stellungnahme. "Ein Interessenkonflikt liegt nicht vor, da sowohl für Verwaltungsrat wie die Aktionäre das Wohl und der Erfolg der Firma zuoberst stehen."

Was die Geheimhaltung von internen Informationen der MBT anbelangt, werde sich Herr Kerekes an Gesetz und Aktienrecht halten. "Die von MBT gestreuten Zweifel kommen einer grundlosen Vorverurteilung gleich", so Karl weiter.

Auch das von Remo Lütolf beschworene Sanktions-Risiko existiere nicht. "Petr Kondrashev steht auf keiner Sanktionsliste; noch war er je von Sanktionen betroffen. Dementsprechend figuriert Herr Kerekes auf keiner Kandidatenliste", so die Stellungnahme weiter.

Die Aktionäre hätten ihr Geld in die Firma investiert, weil sie an der Zukunft des Unternehmens glaubten und seinen Wert steigern wollten. Sentis sei kein aktivistischer Aktionär, sondern habe 2016 mitgeholfen, Meyer Burger vor dem Konkurs zu retten.

Mit 8 Prozent grösster Aktionär

Sentis ist mit 8 Prozent Aktienanteil Meyer Burgers grösster Aktionär. Ihm haben sich weitere Aktionäre angeschlossen, die zusammen nach aktuell vorliegenden Informationen rund 11 Prozent des Meyer-Burger-Kapitals auf sich vereinen.

Meyer Burger will sich aus dem margenschwachen Massengeschäft zurückziehen und seine Technologieführerschaft mit der Beschränkung auf exklusive Partnerschaftsvereinbarungen schützen. In der Vergangenheit sind technologische Errungenschaften von Meyer Burger oft kopiert worden.

Die Aktien von Meyer Burger gaben am Berichtstag in einem schwächeren Gesamtmarkt um 5,6 Prozent auf knapp 40 Rappen ab.

jr/yr

(AWP)

 
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