Mobilfunkanbieter vereinbaren tiefere Gebühren - Umsatzrückgang erwartet

(Durchgehend umgeschrieben und mit Analystenkommentar und Aktienkurs ergänzt)
20.10.2016 10:06

Zürich (awp) - Die drei Mobilfunkanbieter Swisscom, Sunrise und Salt haben sich auf eine Senkung der Mobilterminierungsgebühren (MTR) geeinigt. Dies wird bei Swisscom und Sunrise ab 2017 einen Effekt auf den Umsatz haben, wie die beiden Anbieter am Donnerstag mitteilten. An der Börse werden die Titel der beiden Telekomunternehmen mit leichten Abschlägen gehandelt.

Für Mobilfunkkunden hat die Einigung keinen Einfluss, da durch die Reduzierung der MTR laut Sunrise zwar die Einnahmen, aber auch die Kosten sinken. Die Mindereinnahmen werden den Angaben nach weitestgehend durch eine Senkung beim Produkteinkauf kompensiert. Umsatzseitig entstehe dennoch ein "isolierter Effekt" von -2% bis -3%, den man in der Finanzprognose 2017 berücksichtigen werde, so Sunrise.

Swisscom rechnet in Folge der Anpassungen mit einem rund 50 Mio CHF tieferen Umsatz, der jedoch auch mit reduzierten Kosten in ähnlicher Höhe einhergehe. Damit sei die Senkung beim operativen Ertrag "weitgehend EBITDA-neutral", wie das Unternehmen schreibt. Die MTR sind Durchleitungsgebühren, die einem Mobilfunkanbieter zu Gute kommen, wenn dieser einen Anruf eines netzfremden Fest- oder Mobilfunknetz in das eigene Mobilfunknetz weitervermittelt.

SCHRITTWEISE ANPASSUNG DER VERMITTLUNGSGEBÜHREN

Bisher betragen die MTR-Gebühren bei Swisscom 5,95 Rappen pro Minute, bei Sunrise und Salt 7,35. Ab 2017 sind es bei Swisscom mit 3,10 Rappen pro Minute noch knapp die Hälfte (-48%). Bei Sunrise und Salt reduziert sich der Ansatz um 41% auf 4,30 Rappen pro Minute. Ab dem Jahr 2018 erhebt Swisscom noch 2,95 Rappen pro Minute und ab 2019 2,80. Sunrise und Salt verrechnen ab 2018 3,90 Rappen pro Minute und ab 2019 3,50 Rappen an Gebühren. Damit beträgt der Abschlag bei Swisscom ab dem Jahr 2019 rund 53% und bei Sunrise bzw. Salt rund 52%.

Die Bank Vontobel schreibt in einem ersten Kommentar, dass die MTR-Gebührensenkungen den Erwartungen entspreche und zwar einen negativen Einfluss auf die Umsätze hätten, in ihrer Auswirkungen aber auf Stufe EBITDA vernachlässigbar seien. Weit wichtiger für die Schweizer Telekomanbieter sei der Trend zu Flatrates, die auch weiterhin die negativen Effekte von fallenden Roaming-Tarifen begrenzen sollen. Diese haben einen weitaus unmittelbareren Negativeffekt die operativen Erträge. Vorerst bestätigt die Bank ihr "Hold"-Rating für beide Unternehmen bei einem Kursziel von 510 CHF für Swisscom und 85 CHF für Sunrise.

Die Kurse der beiden Mobilfunkanbieter müssen im frühen Handel Abschläge hinnehmen und notieren gegen 10.05 Uhr dem breiten Markt entsprechend (SPI: -0,42%) bei 452,20 CHF für einen Swisscom-Titel (-0,3%) und 67,40 CHF für einen Sunrise-Titel (-0,9%).

sta/rw

(AWP)