Mögliche Thyssenkrupp-Stahlfusion: Betriebsrat auf Konfrontationskurs

Vor dem Hintergrund einer möglichen Stahlfusion zwischen Thyssenkrupp und dem indischen Konkurrenten Tata geht der Betriebsrat auf Konfrontationskurs. "Eine Fusion mit Tata ist keine Lösung. Sie dient nur dazu, ausserhalb der Thyssenkrupp-Bilanz Schulden abzukippen. Das machen wir nicht mit", heisst es in einer am Dienstag veröffentlichten Stellungnahme des Konzernbetriebsratsvorsitzenden Wilhelm Segerath.
12.09.2017 16:11

Der Vorstand stehe derzeit unter "grossem Druck" von Investoren und Anteilseignern, beklagte der Betriebsrat. Während diese den Zwängen des Finanzmarkts folgten, stehe die Sicherheit der Arbeitsplätze im Zentrum der Überlegungen der Arbeitnehmerseite. Dabei gehe es um die Wurzel des Unternehmens und den Erhalt aller Standorte.

Mit einer Demonstration wollen Betriebsrat und IG Metall am 22. September gegen die mögliche Stahlfusion protestieren. Sollte die Entscheidung über eine Grundsatzeinigung bei der nächsten Sitzung des Thyssenkrupp-Aufsichtsrats am 24. September auf der Tagesordnung stehen, rechne er mit einer geschlossenen Ablehnung durch die Arbeitnehmervertreter, sagte der Betriebsratschef der Stahlsparte, Günter Back. Aufsichtsratschef Ulrich Lehner müsste dann von seinem doppelten Stimmrecht Gebrauch machen, um die Entscheidung im Kontrollgremium für eine mögliche Fusion durchzusetzen.

Am Vortag hatte das Unternehmen bestätigt, dass die Verhandlungen über eine mögliche Stahlfusion zwischen dem Europa-Geschäft des Essener Konzerns und seinem indischen Konkurrenten Tata kurz vor dem Abschluss stünden. Man sei auf der "Zielgeraden", eine Einigung sei noch in diesem Monat möglich, hatte eine Konzernsprecherin gesagt. Eine zunächst für diesen Dienstag geplante Sitzung des Aufsichtsrats war daraufhin verschoben worden.

Stahl-Betriebsratschef Back fordert hingegen eine alternative Lösung für die europäische Stahlsparte des Konzerns. Durch einen Zusammenschluss mit Tata würden nicht nur Arbeitsplätze und Standorte in Deutschland in Gefahr geraten, auch der Bestand des Gesamtkonzerns werde bedroht. "Wir merken, dass es Druck in den Belegschaften gibt", sagte Back./uta/DP/she

(AWP)