Molecular Partners setzt auf Forschungspipeline - Steigende Kosten im Blick

(Zusammenfassung)
27.10.2016 13:19

Schlieren (awp) - Das Biotechnologie-Unternehmen Molecular Partners will in den kommenden Monaten vor allem seine Onkologie-Projekte weiter vorantreiben. Verschiedene Studien sind für das kommende Jahr geplant. Sie werden zwar die Kosten weiter nach oben treiben, erklärt der CFO Andreas Emmenegger im Gespräch mit AWP. Aber die habe man sehr genau im Blick und zudem reichten die liquiden Mittel erst mal noch. An der Börse bleibt die Reaktion zurückhaltend.

Die höheren Kosten haben bereits im dritten Quartal ihre Spuren in den Zahlen hinterlassen. Für die Monate Juli bis September weist das Biotechunternehmen einen Gesamtertrag in Höhe von 5,7 Mio CHF aus. Gegenüber dem Vorjahreszeitraum entspricht dies einem Minus von etwas mehr als 40%. Allerdings seien die Vorjahresahlen durch eine Meilensteinzahlung in Höhe von 15 Mio CHF positiv verzerrt gewesen.

STEIGENDE KOSTEN SPIEGELN GRÖSSERE PIPELINE

Dem Ertrag stehen Kosten für Forschung und Entwicklung in Höhe von 8,7 Mio gegenüber, nach 5,9 Mio CHF im Vorjahreszeitraum. Die administrativen Aufwendungen beliefen sich auf 1,6 nach 1,8 Mio CHF.

Daraus ergibt sich ein betrieblicher Verlust in Höhe von 4,6 Mio, nach einem Gewinn von 2,2 Mio im Vorjahr. Unter dem Strich blieb ein Verlust von 5,1 Mio CHF übrig, verglichen mit einem Gewinn von 5,5 Mio im Vorjahr. Die Barmittelabflüsse lagen im Berichtszeitraum bei 10 Mio CHF. Sie reflektierten die steigenden Forschungsaktivitäten und die grösser werdende Pipeline.

"Wir gehen davon aus, dass die Kosten zunächst noch weiter steigen werden", kündigt Emmenegger in dem Gespräch an. Für das laufende Geschäftsjahr stellt Molecular Partners Ausgaben in Höhe von insgesamt etwa 50 Mio CHF in Aussicht. Das ist eine leichte Anpassung nach unten, denn im Sommer noch lautete die Prognose 50 bis 60 Mio CHF.

Der Grund für die gestiegenen Kosten sind vor allem die diversen Pipeline-Projekte, die Molecular Partners zuletzt weiter vorangetrieben hat. Dazu zählt vor allem auch der Produktkandidat MP0250. Mit ihm seien für das kommende Jahr zwei Phase-II-Studien im Bereich Onkologie geplant.

Für eine erste Phase-I-Studie mit dem Produktkandidaten MP0274 wiederum werde Molecular Partners erste regulatorische Anträge im Verlauf des ersten Quartals 2017 einreichen. Dieser Kandidat soll in der Behandlung von HER2-positiven soliden Tumoren getestet werden.

GUTE PARTNERSCHAFT MIT ALLERGAN

Klinische Studien sind nicht nur zeit- sondern auch kostenintensiv. "Wir stehen finanziell so gut da, dass wir diese Studien zunächst selbst initiieren können", heisst es gleichermassen von den beiden Managern. "Wir werden diese Projekte zunächst auch im Alleingang weiter vorantreiben", kündigt Amstutz an. Damit schliesse er Partnerschaften nicht aus. "Aber wenn, dann muss es für uns strategisch Sinn machen."

Die Berechnung dahinter ist einfach: Je weiter ein Produktkandidat entwickelt ist, desto wertvoller wird es für andere Unternehmen, eine Partnerschaft mit Molecular Partners einzugehen und umso mehr Mittel fliessen dann wiederum an das Biotechunternehmen.

Über die Zusammenarbeit mit dem Partner Allergan erklärt der COO Patrick Amstutz gegenüber AWP, sie laufe sehr gut. So rekrutiert Allergan derzeit noch Patienten für eine Phase-III-Studie zu Behandlung von feuchter AMD (Makuladegeneration) mit dem Produktkandidaten Abicipar.

Ausserdem seien Daten einer Phase-II-Studie mit Abicipar in der Behandlung des diabetischen Makulaödems (DME) so gut ausgefallen, dass sie eine Überleitung in eine Phase-III-Studie unterstützten. "Das ist aber eine Entscheidung, die bei unserem Partner Allergan liegt", betont CFO Emmenegger. "Allerdings sind wir in diesem Punkt derzeit sehr zuversichtlich."

An der Börse schlagen die Zahlen allerdings keine grossen Wellen: Die Aktie verliert gegen 13 Uhr 0,2%. Der am SPI gemessene Gesamtmarkt steht mit -0,03% praktisch unverändert.

hr/cp

(AWP)