Morphosys braucht viel Geld auf Weg zu mehr Eigenständigkeit

Das Biotechnologie-Unternehmen Morphosys setzt weiter voll auf die Entwicklung eigener Medikamente - auch wenn dies viel Geld verschlingt. Mit eigenen zur Zulassung gebrachten Wirkstoffen soll die Abhängigkeit vom Erfolg der Kooperationen mit grossen Konzernen sinken. Um das Ziel zu erreichen sollen die Ausgaben für Forschung und Entwicklung weiter hochgefahren werden, wie das Unternehmen am Donnerstag in Martinsried mitteilte.
09.03.2017 14:05

Geld genug dafür hat Morphosys nach einer Kapitalerhöhung im vergangenen Herbst genug. Der Verlust wird jedoch im laufenden Jahr erst einmal steigen. An der Börse kam die Ankündigung eines steigenden Verlusts sowie Details über das eigentlich schon bekannte Ende einer Entwicklungspartnerschaft mit dem Schweizer Pharmakonzern Novartis gar nicht gut an. Die im TecDax notierte Aktie gab in den ersten Handelsstunden bis zu 7,7 Prozent nach, konnte sich aber bis zum frühen Nachmittag wieder kräftig erholen.

Neben dem Ausblick und den Kooperationsaussagen waren Gewinnmitnahmen ein Grund für die Verluste am Donnerstag. Trotz des Abschlags nach den Zahlen und dem Ausblick verteuerte sich die Aktie seit dem Zwischentief Mitte 2016 um rund 75 Prozent. Für Verwirrung sorgten Aussagen zu der Kooperation mit dem Pharmakonzern Novartis. Diese läuft nach Unternehmensangaben wie bereits angekündigt Ende November 2017 aus und die Schweizer wollen wohl die Option zur Verlängerung des Vertrags nicht ausüben.

Laut einer Sprecherin bedeutet dies jedoch nicht das Aus für die laufenden 14 Programme, die sich in klinischer Entwicklung befinden. Es würden lediglich keine neuen Projekte mehr ins Leben gerufen. Analyst James Gordon von der US-Bank JPMorgan hatte das Ende zwar bereits einkalkuliert. Der Markt habe einer Verlängerung durch die Schweizer aber wohl noch eine knappe 50-Prozent-Chance eingeräumt, so der Experte.

Er sieht daher möglichen Anpassungsbedarf anderer Analysehäuser bei den Umsatzprognosen bis 2019. Auch Commerzbank-Kollege Daniel Wendorff sah diese Nachricht mit Blick auf den Jahresbericht als einziges Haar in der Suppe. Gordon hob zudem hervor, dass der Ausblick für 2017 höhere Forschungskosten und einen entsprechend grösseren Fehlbetrag nahe lege.

2017 will Morphosys zwischen 85 und 95 Millionen Euro für die Entwicklung firmeneigener Arzneimittel ausgeben. Im vergangenen Jahr seien die Ausgaben um 39 Prozent auf 78,5 Millionen Euro gestiegen. Die höheren Ausgaben führen im laufenden Jahr zu einem Verlust vor Zinsen und Steuern (Ebit) von 75 bis 85 Millionen Euro. 2016 hatte das Ebit-Minus knapp 60 Millionen Euro betragen. Beim Umsatz wartet das Unternehmen 2017 einen Wert von 46 bis 51 (2016: 49,7) Millionen Euro.

Morphosys versucht derzeit, mit selbst vermarkteten Mitteln unabhängiger vom Erfolg von Partnerprogrammen zu werden. Bislang erlöst Morphosys sein Geld vor allem damit, dass es in Partnerschaft mit grossen Pharmakonzernen Antikörper entwickelt und für die darauf bezogenen Medikamenten-Entwicklungen sogenannte Meilensteinzahlungen und Forschungsgelder bezieht./zb/ag/jha/

(AWP)