Munich Re warnt vor Rechtsänderung zu Pandemie-Risiken - Quartalsgewinn

Munich-Re-Chef Joachim Wenning warnt die Politik davor, Versicherer trotz anderslautender Verträge zur Deckung von Pandemie-Schäden zu verpflichten. Es gebe derzeit weltweit eine Diskussion zu der Frage, ob Versicherer für pandemiebedingte Kosten von Unternehmen und Privatpersonen haften müssen, selbst wenn sie dies in den Policen ausgeschlossen hätten, sagte der Chef des Rückversicherers am Mittwoch bei der Hauptversammlung in München. Ein rückwirkender Eingriff in Verträge sei mit rechtsstaatlichen Prinzipien jedoch unvereinbar.
29.04.2020 12:20

Wenning nannte keinen Adressaten seiner Kritik. Die Versicherer stehen jedoch international unter Druck, dass die von vielen Firmenkunden abgeschlossenen Betriebsausfallpolicen auch für die behördlich angeordneten Firmenschliessungen zahlen sollen - obwohl Pandemien in vielen Policen nicht inbegriffen sind. Mit dieser Forderung hat unter anderem US-Präsident Donald Trump die Branche beunruhigt, die Debatte läuft aber auch in Deutschland. So macht der Hotel- und Gaststättenverband Dehoga Druck auf die Versicherer, zu spüren bekommen haben das unter anderem die Allianz und die Versicherungskammer Bayern.

Wenning versicherte den Aktionären, dass der Munich Re das Geld nicht ausgehen wird. "Die voraussichtlichen kurz- und längerfristigen Kosten der Pandemie sind erheblich, sie werden für Munich Re aber wirtschaftlich gut verkraftbar bleiben", sagte er. "Munich Re bleibt sehr solide kapitalisiert."

An der Börse kamen die Nachrichten gut an. Der Kurs der Munich-Re-Aktie legte bis zum späten Vormittag um 1,93 Prozent auf 216,10 Euro zu und gehörte damit zu den stärkeren Werten im Dax .

Der Konzern hat zwar sein Gewinnziel von 2,8 Milliarden Euro für dieses Jahr gestrichen und das Aktienrückkaufprogramm gestoppt, will aber seine angekündigte, erhöhte Dividende von 9,80 Euro je Aktie zahlen. Wie die Allianz und andere Versicherer hat die Munich Re ihren Dividendenvorschlag wegen der Corona-Krise nicht geändert oder gar gestrichen, so wie es zuletzt viele Konzerne aus anderen Branchen taten.

Für das erste Quartal rechnet Finanzvorstand Christoph Jurecka für die Munich Re zwar noch mit einem Gewinn, dieser liege aber niedriger als ein Jahr zuvor. Der Kursrutsch an den Aktienmärkten, die Zinsentwicklung und die höheren Risikoaufschläge bei Anleihen seien an dem Rückversicherer nicht spurlos vorbeigegangen. Für eine neue Gewinnprognose für 2020 sei es noch zu früh. Genaue Zahlen soll es erst am 7. Mai geben.

So rechnet der Konzern mit hohen Schadenleistungen im Zusammenhang mit dem Ausfall von Veranstaltungen wie den Olympischen Spielen sowie in der Reiseversicherung. Hinzu kommen mögliche Schäden in der Todesfall-Lebensversicherung mit Schwerpunkt in den USA. Sollte das Unternehmen für von der Pandemie ausgelöste Betriebsunterbrechungen bei Unternehmen ebenfalls geradestehen müssen, könnten weitere hohe Belastungen drohen.

Auch Unternehmen wie Hannover Rück , Allianz und Talanx hatten früh klargestellt, dass in Versicherungsverträgen gegen Betriebsunterbrechungen in aller Regel ein Sachschaden als Auslöser vorgesehen ist. Sollten Unternehmen ihren Betrieb aufgrund einer Pandemie schliessen müssen, sei dies in den meisten Verträgen als versicherte Ursache ausgeschlossen./stw/cho/men

(AWP)

 
Aktuell+/-%
Allianz N183.78-0.43%
Muenchener Rueckv N234.90+1.08%
Hannover Rueck N141.30+1.15%
Talanx N31.76+2.92%

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