Nach gescheiterter Übernahme: Stada tauscht Führungsspitze aus

(NEU: Austausch der Führungsspitze, Hintergrund) - Nach dem jüngst gescheiterten Verkauf an Finanzinvestoren tauscht der Arzneimittelhersteller Stada die Führungsspitze aus. Sowohl Vorstandschef Matthias Wiedenfels als auch Helmut Kraft, Vorstand für Finanzen, Marketing und Vertrieb, legen mit sofortiger Wirkung ihrer Ämter nieder. Das teilte der im MDax notierte Konzern am Dienstag nach einer Aufsichtsratssitzung mit. Zugleich erwägen die Investoren Bain und Cinven einen neuen Anlauf, Stada zu übernehmen.
04.07.2017 13:36

Die Aktie tangierte diese Personalrochade offenbar wenig. Es ist eher die wiederaufgekeimte Hoffnung einer Übernahme, die die Stada-Papiere am Dienstag nach oben treiben. Die Aktie blieb nach einem Kurssprung am Morgen auch am Mittag mit noch über 2 Prozent im Plus und notierte bei knapp 64 Euro.

NEUE FÜHRUNG NUR ÜBERGANGSWEISE

Wiedenfels und Kraft hätten ihre Ämter aus "persönlichen Gründen" niedergelegt, erklärte Stada. Nachfolger von Wiedenfels werde Engelbert Coster Tjeenk Willink, der bis 2012 Mitglied der Geschäftsführung beim rheinland-pfälzischen Pharmakonzern Boehringer Ingelheim war. Er übernehme auch die Verantwortung für Marketing und Vertrieb. Auf Kraft soll Bernhard Düttmann folgen, der bis 2015 Finanzchef beim Chemiekonzern Lanxess war. Beide sollen die Posten übergangsweise bis Jahresende besetzen. Zuletzt sassen die Manager in mehreren Aufsichtsräten, hiess es.

Die Nachfolger Willink und Düttmann seien "erfahrene und bewährte Topmanager", sagte Aufsichtsratschef Ferdinand Oetker. Das Kontrollgremium beschäftige sich "seit vielen Monaten damit, den Vorstand zu komplettieren", erklärte er weiter. Daher sei es möglich gewesen, kurzfristig zwei Nachfolger zu gewinnen. Die Geschäftsziele von Stada bis 2019 wie auch mögliche neue Übernahmeangebote würden von dem Chefwechsel nicht berührt.

UMSTÄNDE FÜR PERSONALROCHADE UNKLAR

Dessen Umstände bleiben indes unklar. So hatte Wiedenfels zuletzt keinerlei Rücktrittsabsichten geäussert - auch nicht nach dem gescheiterten Verkauf. Er hatte betont, Stada werde an seinen Geschäftszielen festhalten und die begonnene Strategie umsetzen. Das Verhältnis von Wiedenfels zu Oetker galt aber schon länger als angespannt. Oetker wurde nachgesagt, Vorbehalte gegen den Verkauf zu haben - was der Aufsichtsratschef abgestritten hatte.

Zugleich verkündete Stada am Dienstag, dass Bain und Cinven einen neuen Anlauf für eine Übernahme erwögen. Ihre Offerte für den Hersteller von Nachahmermedikamenten und rezeptfreien Markenprodukten wie Grippostad war vergangene Woche knapp gescheitert, da nicht genügend Stada-Aktionäre das Angebot angenommen hatten. Oetker erklärte nun, sollte es weitere Übernahmeofferten geben, werde Stada diese "unvoreingenommen prüfen". Ähnlich äusserte sich Willink.

NEUE OFFERTE NOCH DIESE WOCHE?

Laut Gesetz dürfen Bain und Cinven nach ihrer Niederlage erst 2018 ein neues Übernahmeangebot für Stada vorlegen - es sei denn, das Unternehmen und die Finanzaufsicht Bafin stimmen zu. Dann wäre eine neue Offerte schon früher möglich. Stada prüfe nun, ob man dem Antrag zustimmen werde, hiess es.

Die Zustimmung des Konzerns und der Bafin sei binnen 48 Stunden möglich, berichtetet die "Financial Times" am Dienstag. Dabei berichtet die Zeitung unter Berufung auf informierte Kreise, dass der Preis bei 66 Euro je Aktie bleibe, jedoch die Mindestannahmeschwelle auf 65 Prozent oder darunter gesenkt werden könnte. Zudem wäre eine verkürzte Andienungsfrist möglich. /als/DP/nas

(AWP)