Nach Produktionsausfällen: BMW und Bosch sprechen über Schadenersatz

Bosch muss seinen Grosskunden BMW nach den Produktionsausfällen wegen fehlender Lenkgetriebe voraussichtlich mit einer mittleren zweistelligen Millionensumme entschädigen. Diese Grössenordnung nannte BMW am Freitag - nähere Angaben seien aufgrund der derzeit laufenden Verhandlungen aber noch nicht möglich. Zuvor hatte das "Handelsblatt" darüber berichtet.
07.07.2017 12:41

"Der im Raum stehende Betrag ist direktes Ergebnis unserer Schadensanalyse", hiess es bei dem Münchner Autobauer. Die Gespräche über den genauen Umfang einer finanziellen Erstattung dauerten an. Bosch erklärte, beide Seiten seien "in einer langfristigen Beziehung". Man werde sich auch deswegen bemühen, eine konstruktive Lösung für den geforderten Schadenersatz zu finden.

Ende Mai hatten Lieferschwierigkeiten von Bosch, die ihrerseits auf Probleme bei der italienischen Firma Albertini Cesare zurückgingen, empfindliche Produktionseinbussen bei BMW hervorgerufen. Bänder standen still, viele Wagen der kleineren Baureihen konnten nicht pünktlich fertiggestellt und ausgeliefert werden. Bosch bezog von Albertini Cesare Aluminium-Gussteile und übernahm das Unternehmen mit 400 Mitarbeitern aus dem norditalienischen Villasanta anschliessend.

BMW-Einkaufsvorstand Markus Duesmann sagte der Zeitung, er hoffe, dass die Engpässe vom Mai "ein einmaliger Ausreisser" bleiben. Die eigenen Lieferketten würden detailliert überprüft. Ein Sprecher des Konzerns stellte klar, dass man aber weiter Vertrauen zu Bosch habe. Der Technologiekonzern gehöre "zu unseren Top-3-Zulieferern". Bosch erklärte, der Kauf der italienischen Firma sei beschlossen worden, weil "diese Massnahme tragfähig ist und am schnellsten greift".

Die Autoindustrie ist angesichts eng getakteter Produktionspläne ("just-in-time") auf reibungslose Zulieferungen angewiesen. Zuletzt kam es auch in anderen Unternehmen zu Engpässen. Bei Volkswagen etwa hatte die ausbleibende Versorgung des Lieferanten Prevent im vergangenen Jahr ebenfalls die Bänder angehalten und einen erheblichen Schaden unter anderem in der Golf-Fertigung verursacht.

Das Risiko von Abhängigkeiten werde laufend bewertet, hiess es bei BMW. Man gehe davon aus, dass nun auch Bosch ein ausgeklügelteres Risikomanagement- und Alarmsystem bei stockenden Prozessen betreibe./jap/DP/stw

(AWP)