Nestlé-Aktien nach Einstieg von Hedgefund stark im Plus

Die Aktien von Nestlé sind mit starken Gewinnen in den Handel vom Montag gestartet. Grund ist der Einstieg von Third Point, dem Hedgefonds des US-Milliardärs Dan Loeb, beim Nahrungsmittelkonzern aus Vevey. In einem offenen Brief kritisiert der für seine aktive Einflussnahme bei Unternehmen bekannte Loeb die unterdurchschnittliche Kursentwicklung der letzten Jahre und fordert einen aktionärsfreundlicheren Kurs.
26.06.2017 09:59

Die Nestlé-Aktie steht um 09.55 Uhr 3,8% höher bei 85,25 CHF, das neue Jahres- bzw. Allzeithoch - erreicht ganz kurz nach Eröffnung - steht nun bei 85,95 CHF. Auch die gehandelten Volumen sind sehr hoch, sind doch bereits knapp 3,9 Mio Aktien gehandelt, dies bei einem Tagesdurchschnitt in den letzten Wochen von 5,8 Mio. Der Gesamtmarkt (SMI) legt angetrieben von Nestlé ebenfalls deutlich zu, und zwar um 0,92%.

Neben einem Verkauf der L'Oréal-Beteiligung fordert Third Point weitere Massnahmen zur Schaffung von Aktionärswerten, etwa ein mit Fremdkapital finanziertes Aktienrückkaufprogramm, ein formelles Gewinn-Margenziel (18-20%) oder den Verkauf von Nichtkern-Produktkategorien.

Allerdings ist Third Point auf die Unterstützung anderer grosser Investoren angewiesen, um die geforderten Massnahmen durchsetzen zu können. Den eigenen Angaben zufolge hält Third Point 40 Mio Aktien sowie einige Derivate. Das entspräche einem Stimmenanteil von rund 1,3%. Grösster Einzelaktionär ist Blackrock. Der führende Vermögensverwalter hält 3,7% der Stimmen.

DONNERSCHLAG IN VEVEY

Analysten zeigen sich zum Teil überrascht vom fulminanten Einstieg des Hedgefunds. Die Bank Vontobel spricht in einem Kommentar von einem "Donnerschlag in Vevey". Die Diagnose von Third Point sei jedenfalls ohne Konzessionen. Der Hedgefund sehe aber auch das Potential von Nestlé. Angesichts des Managementwechsels und nun des aggressiven Einstiegs von Third Point werde 2017 mit Sicherheit ein entscheidendes Jahr für den Konzern, folgert der zuständige Analyst.

Er gibt sich aber überzeugt, dass der neue Nestlé-CEO Mark Schneider hochgesteckte Ziele verfolge, darunter auch einige, wenn nicht sogar alle von Third Point vorgeschlagenen Massnahmen. Es sei daher möglich, dass Schneider hier einen wichtigen Verbündeten und Wegbereiter gefunden habe und den Einstieg des Hedgefund nicht als feindlich betrachte.

Bei der ZKB sieht man das etwas weniger optimistisch. Eine Erhöhung der Verschuldung, nur um Aktien zurückzukaufen, sei nicht nach dem bisherigen konservativen Gusto von Nestlé. Auch das Setzen eines aggressiven Margenziels von 18% bis 20% für 2020 (EBIT-Marge 2016: 15,3%) wäre sehr überraschend, meint der zuständige Analyst.

Es wäre zwar ein Leichtes, ein solches Ziel zu erreichen mit dem Kürzen des Marketing-und Forschungs-Budgets, aber dies würde der langfristig denkenden Nestlé widersprechen. Wenn es ein grosses Nahrungsmittelunternehmen auf der Welt gebe, welches sich kurzfristigem Profitdenken widersetzen können, dann sei dies wohl Nestlé, so die ZKB weiter.

STEIGERUNG DER MARGE MÖGLICH

Gemäss den Analysten der UBS verfügt Nestlé über ein bei weitem nicht ausgeschöpftes Kostenoptimierungspotenzial. Alleine in diesem Zusammenhang hält der zuständige Analysten innerhalb der nächsten drei Jahre eine Steigerung der EBIT-Marge um 80 Basispunkte für möglich. Nach einem Verkauf des L'Oréal-Pakets gebe es Raum für ein 10 Mrd CHF schweres Aktienrückkaufprogramm.

Nestlé kündigte bekanntlich letzte Woche die strategische Überprüfung des US-Süsswarengeschäfts an, welche in einem Verkauf enden könnte. Der Wert dieser Geschäftsaktivitäten wird auf 2 bis 2,5 Mrd CHF geschätzt. Der UBS-Analyst stellt derweil das Süsswarengeschäft als Ganzes in Frage. Sollte sich Nestlé vom gesamten Bereich trennen, könnten dem Unternehmen bis zu 26 Mrd CHF zufliessen. Mit dem Verkaufserlös liessen sich entweder eigene Aktien zurückkaufen oder die Kernbereiche mittels ergänzender Übernahmen verstärken, meint er.

Die Analysten von Bernstein sehen beim Vorgehen des Investors gewisse Parallelen zum Angriff von Kraft auf Unilever im letzten März. Nestlé müsse zwar nicht wie Unilever um seine Eigenständigkeit kämpfen, spüre aber vielleicht doch ein gewisses Feuer unter seinen Füssen brennen.

uh/ra

(AWP)