Nestlé-Aktien nach enttäuschenden Halbjahreszahlen deutlich im Minus

Die Aktien von Nestlé stehen am Donnerstag klar unter Druck. Der Nahrungsmittelriese hat mit seinem Halbjahresabschluss die Erwartungen nicht erreicht. Insbesondere das deutlich unter den Prognosen ausgefallene organische Wachstum wie auch die leicht nach unten präzisierte Guidance für das Gesamtjahr belasten das Sentiment. Analysten erwarten auch, dass der Druck auf das Management nun noch weiter steigen wird.
27.07.2017 09:39

Nestlé notieren um 09.30 Uhr bei hohen Volumen 1,0% tiefer bei 81,55 CHF, wobei die Verluste anfänglich noch deutlich höher waren (Tagestief bisher 80,30). Die schwergewichtigen Titel beinträchtigen damit auch den SMI, der trotz vieler Gewinneraktien nur leicht über dem Vortagsschluss notiert.

Am Markt zeigen sich die Akteure in ihren ersten Reaktionen mehrheitlich sehr enttäuscht von der Leistung im ersten Halbjahr. "Ein Semester zum Vergessen" heisst es etwa in einem Kommentar der Bank Vontobel. Alle Schlüsselzahlen seien unter den Erwartungen ausgefallen und zeigten eine Verschlechterung. Gemäss einer ersten Analyse hätten vor allem die Divisionen Health Science und Skin Health enttäuscht.

Von einem Kaffee, der auch schon besser schmeckte, spricht die ZKB. Nestlé sei die erhoffte Verbesserung beim organischen Wachstum im zweiten Quartal jedenfalls nicht gelungen, weshalb auch die Guidance beim organischen Wachstum leicht gesenkt worden sei (neu: "wahrscheinlich" in der unteren Hälfte von 2-4%). Enttäuschend sind für den zuständigen Analysten vor allem die Bereiche Nutrition und Schokolade/Süsswaren. Und obwohl die Restrukturierungskosten im ersten Halbjahr noch nicht allzu stark angestiegen seien, liege auch die Margenentwicklung unter den Erwartungen.

Die Nestlé-Zahlen seien auf der ganzen Ebene schwach, meint man auch bei Baader Helvea. Obwohl man dies zu einem gewissen Grad antizipiert habe, sei das Ausmass der Schwäche grösser als gedacht. Und auch die UBS übertitelt ihre Ersteinschätzung mit "Nestlé enttäuscht". Enttäuscht habe unter anderem die Entwicklung der Preise. Während Nestlé in Bezug auf die Menge (RIG) sich am oberen Ende der Industrie befinde, sei die Preissetzung enttäuschend ausgefallen. Hinter den Erwartungen zurück blieb aber laut der Bank auch die Profitabilität. Höhere Restrukturierungskosten sowie Kostendruck bei den Rohstoffpreisen hätten die positiven Effekte der Effizienzprojekte zunichte gemacht.

Nicht wie gewünscht oder erhofft ist es nicht zuletzt in Europa gelaufen. RBC verweist auf das heisse Wetter im Juni sowie die nur selektiv vorgenommenen Preisanpassungen. Ebenfalls hinter den Erwartungen geblieben sei der Bereich Nutrition, ergänzt Jefferies. Stärker als im Konsens prognostiziert präsentierte sich dagegen das organische Wachstum in Nord- und Südamerika (Zone AMS) sowie in Asien (Zone AOA).

KONSENSSCHÄTZUNGEN DÜRFTEN SINKEN

Goldman Sachs geht davon aus, dass es auf Basis des schwachen zweiten Quartals und der etwas gesenkten Guidance zu einer Rücknahme der Konsensschätzungen kommen könnte. Allerdings dürfte die schwache operative Leistung die Notwendigkeit für weitergehende Änderungen beschleunigen, was wiederum den Aktionären zugutekommen könnte, so die Hoffnung.

Ähnlich sieht man das auch bei anderen Banken. Die heutigen Zahlen dürften den Druck auf das Management für strategische Veränderungen signifikant erhöhen, so Baader Helvea. Zusätzliche Massnahmen könnten bereits am Capital Markets Day im September angekündigt werden, glaubt der zuständige Analyst. Auch Vontobel glaubt, dass Nestlé die Investoren im September überzeugen müsse, dass man fähig sei, das Wachstum zu erhöhen und die Profitabilitäts-Erwartungen zu erfüllen. Der zuständige Analyst spricht von einer gewissen Dringlichkeit und erwartet weitere Firmenverkäufe von Nestlé.

uh/cp

(AWP)