Nestlé-Aktien unter Druck - Wachstum und Ausblick enttäuschen

Die Nestlé-Aktien haben im frühen Donnerstagshandel einen schweren Stand und zieren das Ende des SMI. Der Nahrungsmittelriese ist 2016 organisch weniger stark gewachsen als vom Markt erhofft, wobei vor allem die Preisanpassungen unter den Erwartungen ausfielen. Belastend dürfte zudem auch der vorsichtige Ausblick auf das laufende Jahr sein.
16.02.2017 09:56

Nestlé notieren um 9.45 Uhr 1,2% tiefer auf 72,30 CHF und haben sich damit etwas von den zum Handelsbeginn gesehenen Tiefstständen gelöst. Der schwergewichtige Titel beeinträchtigt auch den SMI, der mit 0,2% im Minus steht.

Der Grossteil der Analysten gibt sich in den ersten Kommentaren eher enttäuscht von den Nestlé-Neuigkeiten. So blieb das für Nestlé zentrale organische Wachstum mit 3,2% im Gesamtjahr klar unter den durchschnittlichen Markterwartungen. Das Tempo hat zudem im Schlussquartal nochmals etwas abgenommen, betrug die Kennziffer nach 9 Monaten doch noch 3,3%.

Den Hauptgrund für das Verfehlen orten die Experten wie schon in früheren Quartalen bei den Preisanpassungen. Diese beschränkten sich im Gesamtjahr auf 0,8%, was einen Mehrjahrestiefpunkt darstelle, kommentiert Société Generale. Gemäss Nestlé hat sich die Situation in der zweiten Jahreshälfte etwas verbessert, die Analysten gingen in ihren Schätzungen aber von deutlich stärken Preiserhöhungen im vierten Quartal aus.

Positiv vermerkt wird von vielen Experten dagegen das von Nestlé erzielte Volumenwachstum. Mit 2,4% gehöre der Konzern diesbezüglich zu Spitzenreitern in der Industrie, schreibt die UBS.

Die ZKB relativiert angesichts dieser Zahl denn auch die Enttäuschung über das Gesamtergebnis etwas: "Für Nestlé-Verhältnisse schwach, aber im Branchenvergleich macht Nestlé weiterhin eine gute Figur", heisst es in einem Kommentar des Zürcher Kantonsinstituts.

Mit Blick auf die Regionen werden verschiedentlich insbesondere die weiterhin bestehenden Probleme bei Yinlu in China hervorgehoben. Dies belaste das Wachstum in China, so Liberum.

Für etwelche Enttäuschung am Markt sorgt zudem der vorsichtige Ausblick des Managements unter dem neuen CEO Mark Schneider. Der Konzern will 2017 organisch um 2% bis 4% wachsen und "nur" eine stabile operative Ergebnismarge erzielen. Damit liege die Guidance unter dem bisherigen Markt-Konsens, sind sich die Analysten einig.

Die möge wohl auf den ersten Blick für einige Marktteilnehmer eine Enttäuschung darstellen. Aufgrund der jüngsten Branchenentwicklung erscheine der Ausblick jedoch vernünftig, relativiert die ZKB auch hier.

Für Baader Helvea zeigt sich das Management mit dem Forecast etwas zu zurückhaltend. Man wolle im ersten Jahr des neuen CEO wohl eine konservative Basis legen, so die Einschätzung.

Bernstein mutmasst zudem, ob mit der Guidance für 2017 sowie den kommunizierten Ambitionen für 2020 - organisches Wachstum im mittleren einstelligen Bereich - das langjährige Nestlé-Modell zu Grabe getragen wird.

Vermisst werden von verschiedenen Analysten weitergehende strategische Aussagen des neuen CEO sowie Details zu den für 2017 geplanten Restrukturierungsmassnahmen bzw. -kosten. Für die weitere Entwicklung sei wichtig, wie der neue CEO Mark Schneider bei den Analysten und Investoren ankommen wird, macht die ZKB deutlich.

gab/rw

(AWP)