Nestlé bleibt im Halbjahr mit organischem Wachstum von 3,5% unter Schätzungen

(Ausführliche Fassung, ergänzt v.a. mit Regionen, Produktkategorien)
18.08.2016 08:29

Vevey (awp) - Nestlé ist im ersten Halbjahr 2016 langsamer gewachsen als von Analysten erwartet. Der weltgrösste Nahrungsmittel-Hersteller leidet unter dem deflationären und rezessiven Umfeld in diversen Ländern und Regionen sowie tieferen Rohstoffpreisen. Entsprechend ist das Wachstum auch gegenüber dem ersten Quartal deutlich zurückgekommen. Der Ausblick für das Gesamtjahr wird aber bestätigt.

Organisch wurde laut Mitteilung vom Donnerstag ein Wachstum von 3,5% erzielt, wobei 2,8% auf internes Realwachstum (RIG) und 0,7% auf Preisanpassungen zurückzuführen waren. Nestlé hat erstmals detaillierte Zahlen für die Quartale bekannt gegeben. Demnach lag das organische Wachstum im zweiten Quartal nur noch bei 3,1% nach 3,9% im ersten Jahresviertel. Dabei fiel allerdings nicht nur die Preiskomponente auf einen historischen Tiefststand zurück, auch die Mengenkomponente war im Vergleich zum ersten Quartal klar rückläufig.

Der Gesamtumsatz betrug 43,2 Mrd CHF (+0,7%), wobei der Wechselkurseffekt mit -2,0% und die Akquisitions-Komponente (per Saldo) mit -0,8% angegeben wird. Die ausgewiesene operative Ergebnismarge der Gruppe betrug 15,3% (+30 Basispunkte), der EBIT selbst wird mit 6,61 Mrd CHF (VJ 6,44) und damit leicht höher als im Vorjahr beziffert. Unter dem Strich sank der Reingewinn um rund 0,4 Mrd auf 4,10 Mrd CHF, was vor allem mit einer einmaligen Anpassungen der latenten Steuern begründet wird.

Mit den vorgelegten Zahlen wurden die Schätzungen der Analysten (AWP-Konsens) bei organ. und internem Wachstum sowie dem Reingewinn relativ klar verfehlt.

CEO Bulcke kommentiert das Ergebnis in der Mitteilung relativ nüchtern: "Die erste Jahreshälfte 2016 entsprach unseren Erwartungen mit einem Wachstum, das fast vollständig durch Volumen und den richtigen Produktmix getrieben wurde und uns weiter Marktanteile gewinnen liess."

"BREIT ABGESTÜTZT"

Das organische Wachstum war den Angabe zufolge breit abgestützt in allen Regionen und Kategorien. Es lag bei 4,7% in Nord- und Südamerika (AMS), bei 2,5% in der Region Europa, Naher Osten und Nordafrika (EMENA) und bei 2,3% in Asien, Ozeanien und Subsahara-Afrika (AOA). Die Industrieländer wuchsen derweil um 1,9% und die aufstrebenden Märkte um 5,4%.

Für die Zone Nordamerika spricht Nestlé von einem "guten Wachstum" dank starkem Mengenwachstum, während deflationärer Druck auf Preisanpassungen gelastet habe. Das erfolgreiche Wachstum des Tiefkühlkostgeschäfts habe sich fortgesetzt, heisst es. Dies ist insofern relevant, als Nestlé mit diesem Geschäft in den letzten Jahren einige Mühe gehabt hatte und den Turnaround erst vor kurzem geschafft hat. In Lateinamerika habe man derweil trotz unbeständigem Umfeld "gute Leistungen in vielen Ländern" mit positivem internen Realwachstum und Preisanpassungen erzielt.

In EMENA habe "gutes" internes Realwachstum zu Marktanteilsgewinnen in der gesamten Zone geführt, während Preisanpassungen (-0,4%) einen negativen Einfluss gehabt hätten. Für Westeuropa spricht Nestlé von "starken Leistungen", für Zentral- und Osteuropa von "solidem Wachstum" und für den Nahen Osten/Afrika von einer "robusten" Leistung.

CHINA WEITER SCHWIERIG

In der Zone AOA waren die Höhepunkte laut Nestlé Südostasien, Subsahara-Afrika und Japan. Indien habe zudem ein Jahr nach dem Beginn der Rücknahme von Maggi-Nudeln weiter an Dynamik gewonnen. "Wir haben eine führende Position bei den Marktanteilen zurückerlangt", heisst es in der Mitteilung.

Weniger gut läuft das Geschäft derweil weiterhin in China. Der Markt für Nahrungsmittel und Getränke habe sich beträchtlich verlangsamt, heisst es. Während man im Kerngeschäft mit Nahrungsmitteln und Getränken den Markt übertroffen habe, laste Yinlu (Reisbrei, Sojamilchdrinks etc.) nach wie vor auf der Gesamtleistung. Man arbeite hier aber weiter am Turnaround.

AUSBLICK BESTÄTIGT

Für die weitere Zukunft gibt sich der Konzern vorsichtig optimistisch und bestätigt wie erwartet den bisherigen Ausblick auf das Gesamtjahr. So wird weiterhin ein organisches Wachstum ähnlich dem Vorjahr (4,2%) sowie eine Verbesserung der Margen und des nachhaltigen Gewinns pro Aktie bei konstanten Wechselkursen sowie eine erhöhte Kapitaleffizienz angestrebt.

In diesen Zeiten schnellen Wandels richte man den Fokus weiterhin auf profitables Wachstum und investiere fortwährend in Innovation, Forschung und Entwicklung, Markenunterstützung und Digitalisierung, heisst es weiter. Der Konzern geht ausserdem davon aus, dass sich die Preisanpassungen in den kommenden Monaten "ein wenig erholen" werden.

Die Nestlé-Aktien verlieren vorbörslich in einem leicht festeren Gesamtmarkt 0,4%.

uh/gab

(AWP)