Nestlé-Investoren begrüssen milliardenschwere Aktienrückkäufe - Aktie im Plus

(Zusammenfassung nach Börsenschluss) - Der Nahrungsmittelkonzern Nestlé hat mit einem milliardenschweren Aktienrückkaufprogramm und einer neuen Strategie den Nerv der Investoren getroffen. Mit einem Plus von 1,3% auf 85,40 CHF waren die Nestlé-Aktien nach den UBS-Papieren am Mittwoch der zweitbeste Wert im Leitindex SMI.
28.06.2017 18:20

Der weltgrösste Lebensmittelhersteller hatte am Dienstag - einen Tag nach dem Einstieg des aktivistischen Investors Daniel Loeb - eigene Pläne für die künftige Ausrichtung vorgestellt. Darunter ist ein Aktienrückkaufprogramm von bis zu 20 Mrd CHF (bis Ende Juni 2020).

Nestlé kündigte eine ausgewogene Strategie zwischen dem Wachstum beim Gewinn je Aktie, wettbewerbsfähigen Aktionärsrenditen und der Flexibilität für Übernahmen an. Künftig sollten Investitionen auf den Ausbau wachstumsstarker Nahrungs- und Getränkekategorien konzentriert werden. Zugleich liege der Fokus auf Regionen mit hohen Zuwächsen.

Loeb fordert unter anderem den Verkauf der Beteiligung am französischen Konsumgüterkonzern L'Oréal und grossangelegte Aktienrückkäufe. Der von Loeb geführte Hedgefonds Third Point hält knapp 13% an Nestlé. Aktivistische Investoren wie er sind dafür bekannt, öffentlich Druck auf die Unternehmen auszuüben, um mehr Wert für die Aktionäre zu schaffen.

Alleine die Aktienrückkäufe dürften den Gewinn pro Aktie bei Nestlé deutlich steigern, kommentierten Analysten. Auch der künftig stärkere Fokus auf wachstums- und margenstarke Bereiche werde die Profitabilität zusätzlich schärfen.

UNGLÜCKLICHER ZEITPUNKT

Beobachter zeigten sich aber überrascht über den Zeitpunkt der Bekanntgabe des Aktienrückkaufprogramms. Dass der Eindruck erweckt wird, Nestlé reagiere auf die Forderungen des US-Hedgefonds Third Point, ist gemäss Händlern eher unglücklich. Die Massnahmen könnten als eine Reaktion auf den Einstieg von Loeb fehlinterpretiert werden, schrieb die Deutsche Bank.

"Das Timing vermittelt den Eindruck, dass das Management von einem aktivistischen Investor, der 1,3% des Unternehmens besitzt, eingeschüchtert wurde", schreibt auch Bernstein. Experten verwiesen aber darauf, dass es eine Bewilligung der Schweizer Börse für einen Aktienrückkauf in dieser Grössenordnung nicht in nur 48 Stunden gebe.

Zudem habe das Unternehmen in seiner Mitteilung hervorgehoben, die Überprüfung der Kapitalstruktur und Prioritäten des Unternehmens sei bereits Anfang 2017 initiiert worden.

Nestlé hatte also offenbar einfach wenig Glück mit dem Timing. Der für die Zürcher Kantonalbank tätige Analyst etwa denkt, dass sich Nestlé die Ankündigung des Aktienrückkaufs lieber für die Publikation der kommenden Quartalszahlen von Ende Juli aufgespart hätte. Andere Analysten tippten gar auf den im September stattfindenden Investorentag in London.

SIGNAL AN MÄRKTE

Der neue Konzernchef Mark Schneider hätte an der Veranstaltung wohl lieber erst seine Vision für Nestlé dargelegt, um dann erst mit den harten Tatsachen rauszurücken, denkt etwa Bernstein. Daher sei am diesjährigen Investorentag vom 26. September wohl nicht mehr mit grösseren Überraschungen zu rechnen. Neben zusätzlichen Kosteneinsparmassnahmen könnte sich Nestlé nun höchstens noch einem nicht sonderlich ambitionierten Margenziel verschreiben, heisst es hier.

Etwas zuversichtlicher zeigt sich die UBS. Nestlé habe ein starkes Signal an die Märkte ausgesandt mit der wichtigsten Botschaft: Da kommt noch mehr.

uh

(AWP)