Nestlé leidet unter schwierigem Umfeld und senkt Ausblick - Aktie schwach

(Zusammenfassung)
20.10.2016 11:54

Vevey (awp) - Nestlé ist in der Periode von Januar bis September etwas unter den der Erwartungen gewachsen. Das deflationäre Umfeld in vielen Ländern sowie die weiterhin tiefen Rohstoffpreise lasten auf dem organischen Wachstum, der wichtigsten Umsatz-Kenngrösse. Entsprechend hat der weltgrösste Nahrungsmittel-Hersteller seinen Ausblick für das Wachstum im Gesamtjahr 2016 gesenkt. Die Aktie verliert daher.

Organisch legte Nestlé in der Berichtsperiode um 3,3% zu (H1: +3,5%), wobei 2,5% auf internes Realwachstum (RIG) und 0,8% auf Preisanpassungen zurückzuführen waren. Der Gesamtumsatz betrug 65,5 Mrd CHF und fiel damit rund 1% höher aus, wie Nestlé am Donnerstag mitteilte. Gewinnzahlen werden bei den ungeraden Quartalen keine publiziert. Mit den vorgelegten Zahlen hat Nestlé die Markterwartungen (AWP-Konsens) nicht ganz erreicht.

Die Wachstumszahlen im dritten Quartal zeigen, dass sich die Dynamik des Geschäftes nicht wieder verbessert hat. Nach einem Plus von 3,9% im ersten Quartal war Nestlé im zweiten Jahresabschnitt auf den sehr tiefen Wert von 3,1% zurückgefallen, für das dritte Quartal waren es nun 3,2%. Konzernchef Paul Bulcke sprach von einem "schwächeren Handelsumfeld" geprägt von Deflation und niedrigen Rohstoffpreisen. Dabei habe man auf Volumenwachstum gesetzt, was zu internem Realwachstum am oberen Ende der Branche sowohl in Industrieländern als auch in aufstrebenden Märkten geführt habe. Das interne Realwachstum sei zudem laut Bulcke breit über alle Kategorien und Regionen hinweg, zudem hat Nestlé in "nahezu 60%" der Geschäftsbereiche die Marktanteile verbessert oder gehalten.

KEINE VERBESSERUNG DES UMFELDES

Am schwierigen Umfeld dürfte sich vorläufig nicht allzu viel ändern. Kurzfristig sieht der Konzern bezüglich organisches Wachstum denn auch keine grossen Verbesserungen. "Das Pricing bleibt tief, auch wenn wir einige Verbesserungen gesehen haben", so Finanzchef Francois-Xavier Roger. Entsprechend hat der Konzern auch seinen Ausblick für das Gesamtjahr 2016 gesenkt. Er erwartet nun noch ein organisches Wachstum von 3,5%, nachdem bis dahin von einem Wachstum im Rahmen des Vorjahrs (4,2%) die Rede gewesen war. Analysten waren allerdings bereits seit einiger Zeit davon ausgegangen, dass dieser Wert nicht erreicht werden würde. Er hätte nämlich ein Wachstum von gegen 5% in der zweiten Jahreshälfte impliziert.

Konzernchef Bulcke sieht Potenzial für Wachstum vor allem bei den Innovationen: "Sie sind der Schlüssel für unser Wachstum." Derzeit spiegelten sich die ganzen laufenden Innovationen bei Produkten und Prozessen aber noch nicht ausreichend im Ergebnis wider. Er bleibt aber auch für die Emerging Markets optimistisch. In Ländern wie Mexiko, Indien, Philippinen oder auch Vietnam, um nur einige der Emerging Markets zu nennen, wachse man gut. Und auch in China gebe es Produktkategorien, die sehr gut liefen.

Neben dem organischen Wachstum strebt der Konzern wie üblich auch eine Verbesserung der Margen und des nachhaltigen Gewinns je Aktie (bei konstanten Wechselkursen) sowie der Kapitaleffizienz an. Wie gross diese Margenverbesserung sein soll, darüber wollte das Management allerdings keine genauen Angaben machen. "Operative und strukturelle Effizienzgewinne" sollen dazu beitragen, hiess es lediglich.

WEITERE EFFIZIENZGEWINNE ANGESTREBT

Einmal mehr betonte Konzernchef Bulcke auch, dass das sogenannte Nestlé-Modell (org. Wachstum von 5-6%) eine "Ambition" bleibe, auch wenn der Wert dieses Jahr zum vierten Mal in Folge nicht erreicht werden wird. Wichtig in diesem Umfeld sei aber, dass man mindestens so stark wachse wie die Konkurrenz und das tue man mit den aktuellen Werten. Gewisse Marktbeobachter gehen allerdings davon aus, dass der neue designierte Konzernchef Ulf Mark Schneider, der vom deutschen Gesundheitskonzern Fresenius kommt und der den CEO-Posten per Anfang 2017 übernehmen wird, neue Ziele setzen könnte.

Die Zahlen wurden bei Analysten nicht gut aufgenommen, obwohl viele mit einer Anpassung der Guidance gerechnet hatten. Die Bank Vontobel etwa sprach von einem "alles in allem enttäuschenden" Abschluss. Nach den Resultaten der Konkurrenten Unilever und Danone sei dies indes keine grosse Überraschung mehr. Ähnlich heisst es bei Baader Helvea: Die Erwartungen seien zwar bereits im Vorfeld hinunter geschraubt worden, die Zahlen seien aber trotzdem tiefer als erwartet ausgefallen.

Die Aktie eröffnete rund 1,5% tiefer, erholte sich aber im Laufe des Morgens etwas und verliert gegen 11.50 Uhr noch 0,7% auf 74,10 CHF (SMI -0,4%).

uh/rw

(AWP)