Nestlé und Roche geben der Schweizer Börse Halt

Die Schweizer Börse hat am Mittwoch ihren zaghaften Vormarsch fortgesetzt. Vor allem die als krisensichere Anlage geltenden Index-Schwergewichte verliehen dem Markt eine Stütze.
12.04.2017 17:45

Grundsätzlich seien viele Anleger wegen der weltpolitischen Spannungen weiterhin auf der Hut, sagen Marktteilnehmer. "Es wäre zu früh, von Krisenherden zu sprechen, aber die geopolitischen Entwicklungen rund um Syrien und Nordkorea sowie die Präsidentschaftswahlen in Frankreich können in jedem Fall als Sorgenherde bezeichnet werden", erklärt ein Börsianer. Der Leitindex SMI notiert zum Handelsschluss mit 8664 Punkten um 0,3 Prozent über dem Vorabend.

Viele Anleger setzten angesichts der Unsicherheiten auf Sicherheit und kauften die Krisenwährung Gold: Eine Feinunze des Edelmetalls kostet mit 1275 Dollar so viel wie seit fünf Monaten nicht mehr. In Fernost flüchteten die Investoren in den "sicheren Hafen" Yen. Die japanische Währung stieg zum Dollar auf den höchsten Stand seit Mitte November.

Die Suche nach Sicherheit dominierte auch die Schweizer Börse. Die Aktien des Nahrungsmittelkonzerns Nestlé, die gemeinhin als krisenresistent gelten, legen 1,1 Prozent zu. Die Roche-Titel liegen 0,3 Prozent im Plus. Die Anteile des Arzneimittelherstellers Novartis verlieren dagegen 0,3 Prozent.

Finanztitel unter Druck

Zu den Kursverlierern gehören auch Finanzwerte. Die Aktien der Credit Suisse verlieren 0,6 Prozent, diejenigen der UBS geben gar 1,0 Prozent nach. Die Titel von Julius Bär liegen 0,6 Prozent im Minus. Die Aktionäre der Privatbank hiessen bei der Generalversammlung alle Tagesordnungspunkte gut. Versicherungswerte geben ebenfalls nach.

Uneinheitlich zeigten sich konjunktursensible Titel. Der Personalvermittler Adecco und die Sanitärtechnikfirma Geberit gewinnen an Wert. Auch zu den beiden Luxusgüterwerten Richemont und Swatch griffen die Anleger, ermutigt von dem starken Auftaktquartal des französischen Branchenprimus LVMH. Dagegen sinken die ABB-Aktien am Tag vor der Generalversammlung des Elektrotechnikkonzerns um 0,2 Prozent. UBS hatte am Dienstag eine Verkaufsempfehlung für ABB abgegeben. Auch die Anteile des Zementproduzenten Lafarge-Holcim standen auf den Verkaufszetteln.

Die Syngenta-Aktien schnellten 2,2 Prozent hoch, nachdem die chinesischen Kartellwächter die 43 Milliarden Dollar schwere Übernahme des Agrarchemiekonzerns durch Chem China genehmigt hatten. Damit müssen nur noch die Behörden in Indien grünes Licht geben.

Baryy Callebaut geben nach Quartalszahlen nach

Am breiten Markt geben die Aktien des Schokolade- und Kakao-Herstellers Barry Callebaut 0,7 Prozent nach. Der Gewinn der Firma stieg im ersten Geschäftshalbjahr um knapp ein Drittel auf 142,1 Millionen Franken. Konzernchef Antoine de Saint-Affrique sieht das Unternehmen auf Kurs zum angepeilten Volumen-Wachstum. Skeptischer sind manche Analysten: Um das Wachstumsziel zu erreichen, müsse Barry Callebaut noch zulegen, erklären die Vontobel-Experten.

Die Aktien von Kühne+Nagel legen 1,7 Prozent auf 146,60 Franken zu. Sie profitierten zum einen von einer Absichtserklärung für eine Dienstleistungsvereinbarung mit dem chinesischen Internet-Händler Alibaba. Zum anderen empfahlen die Analysten von Helvea Baader die Titel zum Kauf und erhöhten das Kursziel auf 165 von 137 Franken. Die Anteile von Rivale Panalpina steigen trotz eine Kurszielsenkung des Brokers um 0,6 Prozent.

Die Titel des Baustoffkonzerns Sika, die am Dienstag wegen der Generalversammlung vom Handel suspendiert waren, ziehen 1,3 Prozent an. Auf der Aktionärsversammlung hatte sich Sika erneut mit einer Beschränkung der Stimmrechte der Gründerfamilie Burkard gegen einen Verkauf der Firma an den französischen Konkurrenten Saint-Gobain gewehrt. Nach Einschätzung von Sika-Verwaltungsratschef Paul Hälg könnte sich der Streit bis 2018 hinziehen.

Gefragt bleibt Von Roll nach den starken Quartalszahlen vom Vortag. Die Aktien des Isolatoren-Herstellers schnellen 19,3 Prozent hoch.

Implenia gewinnen 0,6 Prozent an Wert. Der Baukonzern hat in Schweden einen Grossauftrag an Land gezogen. Für 100 Millionen Franken wird ein Nadelöhr der Bahninfrastruktur in Stockholm saniert.

(Reuters)