Neue Offerte für Stada? - Bain und Cinven prüfen neuen Anlauf

(Ausführliche Fassung) - Der Übernahmekampf um den Pharmakonzern Stada könnte bald in eine neue Runde gehen. Nur wenige Tage nach der gescheiterten ersten Offerte bringen sich Bain Capital und Cinven wieder in Stellung. Die beiden Finanzinvestoren erwägen, bei der Finanzaufsicht einen Antrag auf Befreiung von der einjährigen Sperrfrist zur Abgabe eines erneuten Übernahmeangebots zu stellen, teilte Stada am Dienstag mit.
04.07.2017 09:52

Die Stada-Aktie beflügelte die mögliche Wendung. Das Papier gewann am Morgen zu Handelsbeginn fast 3 Prozent dazu. Analysten der DZ Bank zeigten sich über einen möglichen zweiten Übernahmeversuch nicht überrascht.

ÜBERNAHMEANGEBOT WAR KNAPP GESCHEITERT

Der Arzneimittelhersteller prüft jetzt, ob er dem Antrag zustimmen würde und will dann die Öffentlichkeit weiter informieren. Laut Gesetz können Bain und Cinven eigentlich erst 2018 ein neues Angebot vorlegen. Wenn Stada einen neuen Anlauf unterstützt und die Finanzaufsicht Bafin zustimmt, ist dies aber auch früher möglich.

Falls Stada und die Finanzaufsichtsbehörde dem Antrag zustimmen würden, wäre der Weg für eine neue Offerte von Bain und Cinven frei. Beide waren erst vor wenigen Tagen mit dem ersten Gebot über 66 Euro je Aktie, das Stada inklusive Schulden mit etwas mehr als 5,3 Milliarden Euro bewertet hatte, knapp gescheitert. Das Investorenduo verfehlte die erforderliche Annahmequote von 67,5 Prozent allerdings nur um rund 2 Prozentpunkte, so dass schnell die Gerüchte über eine neue Offerte die Runde machten. Stada selbst, die bis zuletzt für die Übernahme geworben hatte, hatte sich Ende Juni offen dafür gezeigt.

SENKUNG DER MINDESTANNAHMESCHWELLE MÖGLICH

Dabei könnte ein neues Angebot schnell kommen, womöglich noch diese Woche, wie die "Financial Times" auf ihrer Webseite schreibt. So sei eine Zustimmung von Stada und Bafin innerhalb von 48 Stunden möglich. Dabei berichtet die Zeitung unter Berufung auf informierte Kreise, dass der Preis bei 66 Euro je Aktie bleibe, jedoch die Mindestannahmeschwelle auf 65 Prozent oder darunter gesenkt werden könnte. Zudem wäre eine verkürzte Andienungsfrist möglich. Sprecher von Cinven und Stada wollten dies nicht kommentieren, Bain Capital war für eine Stellungnahme kurzfristig nicht erreichbar.

Das Angebot von 66 Euro galt als hoch. Doch gerade viele Privatanleger hatten den Finanzinvestoren ihre Anteile nicht angeboten. Zudem konnten Indexfonds, die den MDax abbilden, ihre Papiere nicht andienen, da kurz vor Ablauf der Frist bestimmte Schwellen nicht erreicht wurden. Zünglein an der Waage könnten jedoch die Hedgefonds gewesen sein. Sie hatten ihre Aktien nicht angedient, da sie nach einem erfolgreichen Deal mit einem noch höheren Abfindungsangebot für die verbliebenen Minderheitsaktionäre gerechnet hatten. Dem "FT"-Bericht zufolge sollen Bain und Cinven in Kontakt mit diesen Fonds stehen./nas/kro/stb

(AWP)