Neuer Thyssenkrupp-Chef sieht Gefahr der Zerschlagung gebannt

Der neue Thyssenkrupp -Chef Guido Kerkhoff sieht die Gefahr einer Zerschlagung mit der Vorlage der neuen Strategie gebannt. "Ein Ausverkauf ist damit vom Tisch und wäre mit mir auch nicht zu machen gewesen", sagte Kerkhoff dem Handelsblatt (Montag). Der langjährige Finanzvorstand des Essener Konzerns schloss auch Fusionen oder Zukäufe bei dem neuen Unternehmen Thyssenkrupp-Industrials nicht aus. "Da gibt es sicher Möglichkeiten, sagte er.
01.10.2018 13:27

Der Aufsichtsrat des Konzerns hatte den bislang als Interimschef eingesetzten Manager am vergangenen Sonntag zum regulären Vorstandsvorsitzenden bestellt und den von Kerkhoff vorgelegten Plänen für eine Aufspaltung des Konzerns zugestimmt. Durch den Umbau soll Thyssenkrupp in zwei selbstständige börsennotierte Unternehmen aufgespalten werden. Während unter dem Namen Thyssenkrupp Industrials unter anderem die Aufzüge, der Anlagenbau und die Automobilzulieferung gebündelt werden, soll das Werkstoffgeschäft mit dem Marineschiffbau und dem Stahl in der Gesellschaft Thyssenkrupp Materials zusammengefasst werden.

In einem Interview mit der Rheinischen Post (Montag) kritisierte der Neffe des letzten Alleininhabers Alfried Krupp, Friedrich von Bohlen, die geplante Aufspaltung des Konzerns in zwei Unternehmen. "Zweiheit ist nicht Einheit. Hier wird der testamentarische Stiftungsauftrag, die Einheit des Unternehmens zu wahren, erkennbar definitiv verletzt", sagte er. Wenn Kapitalerhöhungen durchgeführt würden, sei mit einem sinkenden Einfluss der Krupp-Stiftung zu rechnen, sagte er. Die Krupp-Stiftung, die mit einem Anteil von rund 21 Prozent derzeit wichtigste Grossaktionärin des Konzerns ist, hatte das Vorhaben gebilligt. Vertreter der Familie haben keine Mitsprache bei den Entscheidungen der Stiftung.

Der nordrhein-westfälische Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP) begrüsste die geplante Neuausrichtung, über die allerdings noch eine Hauptversammlung voraussichtlich im Jahr 2020 abschliessend entscheiden muss. "Das Ziel der langfristigen Sicherung von Beschäftigung und Standorten steht auf der Agenda ganz oben - das ist für die Arbeitnehmer und das Land von grossem Wert", sagte Pinkwart. Die mit dem Unternehmenskonzept verbundene Langfristperspektive sei ein ermutigendes Signal./uta/DP/nas

(AWP)