Neun von zehn Euro-6-Dieseln auf der Strasse laut ICCT-Studie zu schmutzig

Neun von zehn modernen Diesel-Modellen halten einer neuen Studie zufolge nur im Labor Schadstoff-Grenzwerte ein und blasen dann im normalen Strassenverkehr viel zu viel Dreck in die Luft. Dies geht aus einer Messdaten-Auswertung der Umweltorganisation ICCT hervor, die den Abgasskandal 2015 mit ins Rollen brachte. Im Schnitt stiessen Diesel mit Abgasnorm Euro 6 demnach 4,5 Mal mehr gesundheitsschädliches Stickoxid aus als vorgegeben.
04.09.2017 16:59

Illegal ist das nicht. Erst seit 1. September ist in der EU für Neuzulassungen die Abgasnorm auch für den Ausstoss auf der Strasse massgeblich. Und auch jetzt dürfen die Stickoxid-Werte zunächst weiter über den Grenzwerten liegen. Doch gelten die teils drastischen Überschreitungen im Alltag als Grund dafür, dass die Luft in vielen Städten trotz immer strengerer Grenzwerte schmutziger ist, als die EU erlaubt. Gerichte könnten deswegen die Politik zu Fahrverboten zwingen.

Die EU-Kommission kritisierte am Montag erneut die grosse Kluft zwischen Labor-Tests und tatsächlichem Schadstoffausstoss im Alltag. "In dieser Sache sind die Mitgliedstaaten zum Handeln aufgerufen", sagte eine Sprecherin. Man benötige nicht nur realistischere Tests, auch die Zulassungsverfahren für Autos müssten neu aufgestellt werden. Die Kommission habe schon 2016 einen Vorschlag gemacht, über den sich die Mitgliedstaaten und das EU-Parlament schnell einigen müssten. Zu der neuen ICCT-Studie äusserte sich die Sprecherin nicht im Detail.

Dafür hatte die Umweltorganisation Messdaten von Behörden und anderen Organisationen in Europa für insgesamt 541 Diesel-Pkw von 145 verschiedenen Modellen ausgewertet, die auf dem Papier die EU-Normen Euro 5 und 6 einhalten. Bei einigen Euro-6-Fahrzeugen lagen die Messwerte auch tatsächlich unterhalb der Vorgaben. Andere Autos überschreiten diese dagegen im normalen Strassenverkehr um das Zwölffache.

"Die Ergebnisse bestätigen frühere Erkenntnisse, basieren nun aber auf einer sehr grossen Anzahl an Fahrzeugtests und erlauben damit auch Rückschlüsse auf das durchschnittliche Emissionsverhalten einzelner Hersteller", sagte ICCT-Geschäftsführer Peter Mock.

Die ICCT-Forscher fordern für die Zukunft weitere unabhängige Tests unter realen Fahrbedingungen, die nicht nur den Ausstoss von Stickoxiden, sondern auch von Kohlendioxid unter die Lupe nehmen - und zwar von Autos, die Kunden oder Mietwagen-Firmen bereitstellen, nicht die Autobauer selbst./ted/DP/jsl

(AWP)