Neuwagenmarkt in guter Verfassung - Dieselabsatz unter Druck

(Ausführliche Fassung) - Nach einem kräftigen Rückgang im April hat der europäische Automarkt im Mai wieder Fahrt aufgenommen. Auch ausserhalb des Kontinents legte die Zahl der Neuzulassungen zum Teil kräftig zu. Vom Wachstum ausgenommen war der Markt für Diesel-Fahrzeuge. Hier setzte sich der bisherige Abwärtstrend wegen der anhaltenden Diskussion um zu hohe Abgaswerte fort.
16.06.2017 11:51

Mit rund 1,4 Millionen neu zugelassenen Pkws kletterte der EU-weite Absatz auf den höchsten Stand seit zehn Jahren und erreichte somit fast sein Vorkrisenniveau, wie der Verband der Automobilindustrie (VDA) am Freitag in Berlin mitteilte. Vor allem in den Niederlanden legten die Verkäufe mit einem Plus von fast 30 Prozent deutlich zu. In Polen zogen die Neuzulassungen um rund 20 Prozent und in Deutschland um knapp 13 Prozent an. Lediglich in Grossbritannien ging der Absatz zurück, was laut der Unternehmensberatung EY auf eine zunehmende Verunsicherung der Konsumenten im Vorfeld der Wahlen und angesichts der Terroranschläge hindeutete.

Zum insgesamt positiven Bild hätten zunächst Kalendereffekte mit beigetragen: Da Pfingsten in diesem Jahr erst im Juni gefeiert wurde, stand in den meisten Märkten ein Verkaufstag mehr zu Verfügung als im Vorjahr. Andererseits sei der Neuwagenmarkt aber auch an sich in guter Verfassung: "Die Rahmenbedingungen bleiben positiv", sagte Peter Fuss, Autoexperte bei EY. "Zum einen beflügeln die guten Konjunkturaussichten und die sinkende Arbeitslosigkeit den Neuwagenabsatz, zum anderen können die Händler dank niedriger Zinsen sehr attraktive Finanzierungskonditionen anbieten."

Auch auf globaler Ebene konnten die Autobauer zum Teil deutliche Zuwächse verzeichnen. So legte der Markt für Pkw inklusive SUVs und Pick-Ups in Brasilien um 17 Prozent, in Russland um 15 Prozent und in Japan um 13 Prozent zu. Dem Verband der Automobilindustrie zufolge ist das internationale Ergebnis dennoch differenziert zu betrachten. Während in den USA im Vergleich zum Vormonat nur ein Prozent weniger Autos verkauft wurden, war das Minus auf dem chinesischen Markt schon doppelt so hoch.

Mit Blick auf die einzelnen deutschen Produzenten hatte Daimler im Mai mit einem Absatzplus von rund 13 Prozent die Nase vorn. Beim Wolfsburger Autokonzern Volkswagen stiegen die Verkäufe um etwas über 8 Prozent, bei BMW lediglich um 2 Prozent.

Nach wie vor unter Druck steht der Absatz von Dieselfahrzeugen. Allein in den fünf grössten EU-Märkten - Deutschland, Grossbritannien, Frankreich, Italien und Spanien - sanken die Neuzulassungen von Selbstzündern um insgesamt 4,3 Prozent.

In den kommenden Monaten und Jahren werde sich dieser Abwärtstrend nach Einschätzung von Fuss fortsetzen. "Die Diskussion um zu hohe Stickoxid- und Feinstaubemissionen von Diesel-Pkw und die Forderungen nach Fahrverboten verunsichert potenzielle Diesel-Käufer", so der Experte. Zudem würden sich Dieselfahrzeuge aufgrund aufwändiger technischer Massnahmen zur Abgasreinigung sowie strengerer Grenzwerte und neuer Messmethoden zukünftig vermutlich spürbar verteuern. "Zumindest im Kleinwagen- und Kompaktsegment hat der Dieselantrieb somit einen schweren Stand"./kro/ag/men

(AWP)