Niedrigere Preise im US-Medizingeschäft belasten Linde-Bilanz

MÜNCHEN (awp international) - Beim Industriegase-Spezialist Linde hat im dritten Quartal der Preisdruck im US-Medizingeschäft Spuren in der Bilanz hinterlassen. Die Auftragslage im Anlagenbau stabilisierte sich hingegen auf niedrigem Niveau. Der kleinsten Linde-Sparte machen der niedrige Ölpreis, Überkapazitäten und die daraus resultierende Zurückhaltung von Kunden zu schaffen. Der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) ging von Juli bis Ende September um 2,2 Prozent auf 1,01 Milliarden Euro zurück, wie die im Dax notierte Gesellschaft am Freitag in München mitteilte. Zudem machten dem Unternehmen negative Währungseffekte zu schaffen. Noch vor einem Jahr hatte Linde von einem schwächeren Euro profitiert.
28.10.2016 07:59

Unter dem Strich blieben bei dem auf die Aktionäre entfallenden Gewinn mit 313 Millionen Euro aber 11,4 Prozent mehr hängen. Der Umsatz schrumpfte um 2,4 Prozent auf 4,4 Milliarden Euro. Mit seinen Kennzahlen übertraf das Unternehmen leicht die Erwartungen der Analysten. Linde hat ein turbulentes Quartal hinter sich: Erst platzten die Fusionsgespräche mit dem US-Konkurrenten Praxair, dann folgte der Verlust von gleich zwei Vorständen.

Finanzvorstand Georg Denoke, der als Gegner der Fusion galt, musste mit sofortiger Wirkung gehen. Aber auch Vorstandschef Wolfgang Büchele verlässt den Konzern im kommenden Jahr. Der damalige Unternehmenschef und heutige Aufsichtsratschef Wolfgang Reitzle muss nun schnell einen Nachfolger für den Posten finden.

Beim Ausblick lässt sich Linde immer noch alle Optionen offen. Für 2016 peile die Gesellschaft weiter einen währungsbereinigten Zuwachs bei Umsatz und operativem Ergebnis (Ebitda) von bis zu vier Prozent an. Sollte es aber schlecht laufen, dann könnten Umsatz und Ebitda auch um bis zu drei Prozent schrumpfen.

Zudem wird der Sparkurs deutlich verschärft. Das Unternehmen will mit einem weiteren Programm ab 2019 zusätzlich 370 Millionen Euro jährlich einsparen. Mit dem bereits laufenden Sparprogramm erhöhe sich das jährliche Einsparziel damit auf rund 550 Millionen Euro. Für den geplanten Umbau erwartet das Management im laufenden und kommenden Jahr insgesamt 400 Millionen Euro an Umbaukosten.

Geplant sei eine Vielzahl von zusätzlichen Massnahmen, sagte Unternehmenschef Wolfgang Büchele laut Mitteilung. Damit solle die Effizienz erhöht werden. Eine Überprüfung der strategischen Ausrichtung und der Strukturen habe ergeben, dass das Unternehmen insgesamt auf dem richtigen Weg sei. Laut einem Pressebericht der "Wirtschaftswoche" plant Linde auch einen Stellenabbau./mne/stb

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(AWP)