Nord Stream 2 bereitet fertigen ersten Strang auf Gasbefüllung vor

Die Nord Stream 2 AG bereitet den fertigstellten ersten Strang der umstrittenen Ostseepipeline von diesem Freitag an für die Gasbefüllung vor. Es seien dafür mehrmonatige vorbereitende Arbeiten notwendig, teilte das Unternehmen im schweizerischen Zug am Donnerstag mit. Russlands Präsident Wladimir Putin hatte vor einer Woche die fertige Verlegung der Rohre des ersten Stranges verkündet. Nötig war noch eine Verschweissung von zwei Enden im Meer. Damit sei jetzt die Leitung von Lubmin in Mecklenburg-Vorpommern nach Russland durchgängig, hiess es.
10.06.2021 20:18

Bis tatsächlich Gas durch den ersten von zwei Strängen fliesst, sollen noch mehrere Monate Arbeit nötig sein. Auch an Land seien noch Schweissarbeiten nötig, sagte ein Sprecher von Nord Stream 2. Die Arbeiten am zweiten Strang dauerten an, hiess es. Putin hatte gesagt, dass sie in zwei Monaten abgeschlossen sein könnten. Die russische Regierung hat zuletzt mehrfach erklärt, dass die Leitung bis Ende des Jahres komplett fertig sein soll.

Russische Medien wiesen darauf hin, dass es auch nach Fertigstellung des ersten Stranges von Nord Stream 1 noch sechs Monate gedauert habe, bis der Betrieb - inklusive aller Genehmigungen - wirklich startete. Kritiker der Pipeline, darunter einige EU-Staaten und die USA, warnen vor einer zu hohen Abhängigkeit von russischem Gas. Nord Stream 2 soll 55 Milliarden Kubikmeter Gas von Russland durch die Ostsee nach Deutschland liefern.

Das Milliardenprojekt dürfte auch zu den Hauptthemen des ersten persönlichen Gesprächs von US-Präsident Joe Biden und Bundeskanzlerin Angela Merkel gehören, das am Rande des an diesem Freitag beginnenden G7-Gipfels erwartet wird. Die US-Regierung hatte vor drei Wochen ihren jahrelangen Widerstand gegen die Pipeline teilweise aufgegeben und auf Sanktionen gegen die Betreibergesellschaft verzichtet - auch aus Rücksicht auf die Beziehungen zu Deutschland.

Anschliessend reiste eine Delegation der Bundesregierung nach Washington, um über das weitere Vorgehen zu beraten. In den Gesprächen geht es darum, wie verhindert werden kann, dass der Ukraine als bisher wichtigstes Transitland für russisches Gas auf dem Weg nach Westeuropa Nachteile aus dem Pipeline-Projekt entstehen. Konkret soll der russische Gastransit durch die Ukraine, an dem Milliardeneinnahmen für die Regierung in Kiew hängen, langfristig gesichert werden./mau/DP/he

(AWP)