Novartis erreicht mit Produktkandidat BAF312 gegen MS positive Studienergebnisse

(Meldung vom Wochenende um weitere Details, Analystenkommentare und Aktienkurs ergänzt)
19.09.2016 10:45

Basel (awp) - Novartis hat mit seinem Produktkandidaten BAF312 unerwartet positive Ergebnisse erzielt. Der Wirkstoff hat in einer internationalen Studie in der Behandlung von Patienten, die an der sekundär progressiven multiplen Sklerose (SPMS) leiden, die primären und sekundären Endpunkte erreicht. Analysten reagieren unter dem Strich positiv und auch an der Börse fällt die Resonanz freundlich aus.

Die Phase-III-Studie EXPAND habe ergeben, dass bei einer einmal täglichen oralen Einnahme von BAF312 (siponimod) das Risiko einer Verschlimmerung der Krankheit deutlich reduziert werde, teilte Novartis am Wochenende mit. Im Vergleich zur Abgabe von Placebo habe sich das Risiko einer Verschlimmerung der Krankheit auf Sicht von drei Monaten um 21% verringert, auf Sicht von sechs Monaten sei die Wirksamkeit gar noch grösser gewesen. Die Ergebnisse wurden auf der ECTRIMS-Fachärztekonferenz über MS in London vorgestellt.

KEINE GEZIELT ZUGELASSENE BEHANDLUNG BISLANG

Getestet wurden Patienten mit SPMS. Diese Form von MS wird oft als zweites Krankheitsstadium der schubförmigen MS (RRMS) betrachtet. Bei etwa 40% bis 50% der Patienten, die an RRMS leiden, geht diese nach etwa 10 Jahren in eine sekundär progrediente MS über. Hierbei treten einzelne Schübe auf wie bei RRMS, aber die Rückbildung ist unvollständig und zwischen den Schüben schreitet die Behinderung fort. Mit der Zeit nimmt die Anzahl der Schübe ab, während die Behinderung mehr und mehr zunimmt.

Neben diesen beiden Formen gibt es noch die primär progrediente MS (PPMS). An ihr erkranken etwa 15% der MS-Patienten, während RRMS mit geschätzten 85% den deutlich grösseren Anteil ausmacht.

Bislang gibt es für SPMS keine gezielten Behandlungsmöglichkeiten. Entsprechend hoch sei der bislang nicht erfüllte medizinische Behandlungsbedarf auf Patientenseite, so der globale Pharmachef von Novartis, Vasant Narasimhan, in der Mitteilung. Man werde mit den entsprechenden Behörden über die weiteren Schritte verhandeln.

ANALYST SIEHT IN BAF312 BLOCKBUSTERPOTENZIAL

Auf Analystenseite fallen die Reaktionen positiv bis nahezu euphorisch aus. Besonders angetan zeigen sich die Experten von Kepler Cheuvreux und Jefferies. Kepler-Analyst David Evans siieht in dem Produktkandidaten BAF312 Blockbusterpotenzial. Er rechne damit, dass das Mittel gegen Ende 2017 zugelassen werde. Den Markt für SPMS schätzt er auf 6-9 MRD USD; ein Markt notabene, für den es bislang noch kein zugelassenes Medikament gebe.

Jeffrey Holford von Jefferies rückt in seinem Kommentar das Thema Zulassung in den Fokus. Da EXPAND eine sehr grosse und umfangreiche Studie gewesen sei, könnte Novartis womöglich die Zulassung erhalten, ohne weitere Tests durchführen zu müssen. Immerhin ziele Novartis mit BAF312 auf einen Markt ab, der sich durch bisher nicht erfüllte medizinische Bedürfnisse auszeichne. Bislang sei Novartis davon ausgegangen, 2019 einen Zulassungsantrag für das Mittel zu stellen.

NOVARTIS KANN GEGEN AUSLAUFENDES PATENT VORBEUGEN

Für ZKB-Analyst Michael Nawrath ist das "Hochrisikoprojekt BAF312" derweil unerwartet positiv verlaufen. Bei dem Kandidaten handele es sich um die zweite Generation des S1P-Modulators Gilenya. Gilenya werde seit 2010 gegen RRMS eingesetzt und spüle jährlich rund 2,5 Mrd USD Umsatz in die Novartis-Kassen. Da viele RRMS-Patienten eine SPMS entwickeln, sei der Markt ohne Konkurrenz bisher entsprechend gross. "BAF312 wird zur Kompensation beitragen, wenn ab 2019 das Patent von Gilenya ausläuft", ergänzt der Experte.

An der Börse werden die Studiendaten ebenfalls freundlich aufgenommen. Mit einem Kursplus von etwas mehr als 1% auf 78,30 CHF gehören die Aktien am Montag gegen 10.30 Uhr zu den grössten Gewinnern unter den Blue Chips im SMI. Dieser legt zeitgleich um 0,71% zu.

hr/uh

(AWP)