Novartis halten sich besser als Gesamtmarkt - Neuer CEO weckt Hoffnungen

Die Aktien des Pharmakonzerns Novartis können sich zum Wochenauftakt dem schwachen Gesamtmarkt nicht entziehen und tendieren etwas tiefer. Sie halten sich aber besser als der Grossteil der Blue Chips. Am Morgen hatten die Basler für viele überraschend einen baldigen Wechsel an der Konzernspitze angekündigt. Händlern zufolge könnte der Wechsel an der Konzernspitze auf bevorstehende grössere Veränderungen hindeuten. Davon gehe Fantasie für die Aktien aus.
04.09.2017 09:35

Die Novartis-Aktien geben am Montag bis um 9.30 Uhr um 0,3% auf 80,60 CHF nach. Gehandelt wurde ein Zehntel eines durchschnittlichen Tagesvolumens. Der Gesamtmarkt SMI steht derweil, der Nordkorea-Krise geschuldet, mit minus 0,50% noch tiefer.

Auf Wunsch des amtierenden CEO Joe Jimenez wird Novartis ab Februar 2018 neu vom derzeit die Rolle des Global Drug Development (GDD) innehabenden Heads, Vas Narasimhan, geführt werden. Ein interner Wechsel also, konstatiert ZKB-Analyst Michael Nawrath.

Narasimhan habe aber im Gegensatz zu Jimenez eine zur Pharmaindustrie sehr passende Ausbildung vorzuweisen; er sei eine "exzellente" Wahl. Was Novartis etwa in der Immunonkologie oder bei der Targeted Therapie verpasst habe, verantwortet durch den US-Ableger in Boston, werde er wettmachen, ist sich Nawrath sicher.

Die Leistung von Jimenez in den vergangenen acht Jahren umschreibt der ZKB-Analyst mit "mehr als passabel". Zwar habe er die Probleme bei der Augenheilsparte Alcon "eher mitzuverantworten", doch die Probleme beim Launch des Herzmittels Entresto seien eher dem ehemaligen Pharmachef David Epstein zuzuschreiben.

Einige Experten machen jedoch kein Geheimnis daraus, dass sie sich angesichts der hausgemachten Probleme bei den Tochtergesellschaften Alcon und Sandoz doch lieber einen Nachfolger von ausserhalb des Unternehmens gewünscht hätten.

Wie die Credit Suisse schreibt, ist mit Narasimhan ein würdiger Nachfolger gefunden worden. Denn der bisherige Forschungs- und Entwicklungschef könne mit Medikamenten wie Entresto, Cosentyx oder Kisqali grössere Erfolge für sich verbuchen.

Auch für seinen Berufskollegen Stefan Schneider von der Bank Vontobel ist Narasimhan der logische Nachfolger von Joe Jimenez. Seines Erachtens verfügt Narasimhan über einen sehr starken Hintergrund im Pharmabereich. Ausserdem habe Novartis das Pharmageschäft durch die kürzlich erfolgte Reduktion von sechs auf drei Geschäftseinheiten erheblich gestärkt.

Im hiesigen Berufshandel wird nicht ausgeschlossen, dass sich Novartis im Tagesverlauf weiter von den Kursverlusten erholen könnten. Vom Wechsel an der Konzernspitze gehe nämlich durchaus Fantasie aus, sollte sich der Pharmakonzern sich zu grösseren Veränderungen durchringen, so lautet der Tenor.

Denn Jimenez sei den Forderungen aus dem Aktionariat nach einem Verkauf des an Roche gehaltenen Aktienpakets oder einer Abspaltung des Sorgenkinds Alcon nicht nachgekommen.

ra/rw

(AWP)