Novartis kann mit Quartalszahlen überzeugen - Alcon im Fokus

(Meldung um weitere Details und Aktienkurs ergänzt) - Der Pharmakonzern Novartis hat im zweiten Quartal 2017 in etwa wie erwartet abgeschnitten. Gerade beim Blick auf die einzelnen Sparten sind ihm sogar positive Überraschungen gelungen. Das trifft insbesondere auf die bisherige Problem-Sparte Alcon zu, für die nun sogar die Umsatzprognose leicht erhöht wurde. Für den Gesamtkonzern hat das Management die bisherigen Ziele bestätigt.
18.07.2017 09:35

Für das zweite Quartal weist Novartis am Dienstag laut Mitteilung einen Nettoumsatz von 12,24 Mrd USD aus, ein Minus von 2% gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Zu konstanten Wechselkursen (kWk) ergab sich ein unveränderter Umsatz.

GEWINNE DURCH VERÄUSSERUNGEN GESTÜTZT

Auf Gewinnseite profitierte der Konzern von Veräusserungsgewinnen und geringeren Abschreibungen, so dass Novartis ein operatives Ergebnis von 2,28 Mrd USD vermeldet, das um 9% (13% kWk) über den Werten vom zweiten Quartal 2016 liegt. Der Reingewinn des fortgeführten Geschäftes nahm um 10% (14% kWk) auf 1,98 Mrd zu.

Das operative Kern-Ergebnis hat sich im Berichtszeitraum auf 3,24 Mrd (-3%; 0% kWk) verringert und beim Kern-Reingewinn stehen 2,87 Mrd (-2%; +1% kWk) zu Buche. Die "Kern"-Zahlen sind bereinigt um Akquisitions- und weitere bedeutende Sondereffekte.

Mit den vorgelegten Zahlen hat Novartis die durchschnittlichen Schätzungen der von AWP befragten Analysten zum überwiegend leicht übertroffen. Diese hatten im Schnitt einen Umsatz in Höhe von gut 12,23 Mrd USD und einen Kern-EBIT von gut 3,1 Mrd erwartet.

WACHSTUMSTRÄGER WIEGEN PATENT-ABLAUF AUF

"Die Umsatzentwicklung unserer Wachstumsträger Entresto und Cosentyx haben im zweiten Quartal die Einbussen durch das abgelaufene Glivec-Patent aufgefangen", erklärt Novartis-Chef Joseph Jimenez vor Journalisten in einer Telefonkonferenz.

Aber auch mit dem bisherigen Verlauf des neuen Krebsmittels Kisqali zeigt er sich zufrieden. Die Umsatzentwicklung seit der US-Lancierung des Mittels im Mai verliefen im Rahmen der Analystenerwartungen. Ab der zweiten Jahreshälfte dürften sie sich auch etwas beschleunigen, kündigt Jimenez an.

Gegenüber den Journalisten betont der Manager aber vor allem die jüngsten Pipeline-Erfolge seines Konzerns. "Novartis befindet sich derzeit in einer Innovationsphase, wie sie das Unternehmen bisher noch nicht gesehen hat". Es sind denn auch die Pipeline-Projekte, die dem Konzern in Zukunft zu Umsatzwachstum verhelfen sollen.

Immerhin rechnet Novartis für seine personalisierte Zelltherapie CTL019 in Richtung Oktober mit einer Zulassung durch die US-Gesundheitsbehörde FDA. Damit wäre Novartis das erste Unternehmen, das ein solches Produkt auf dem Markt habe. CAR-Technologie ist ein weiterer Ansatz im Bereich der Immun-Onkologie.

Aber auch die zuletzt positiven Studiendaten zu den verschiedenen Kandidaten stimmen den CEO merklich zuversichtlich. Im Fall der CANTOS-Studie stellt er für den Herbst genauere Daten in Aussicht.

ERHOLUNG VON ALCON ERWEITERT DIE STRATEGISCHEN MÖGLICHKEITEN

Neben der Entwicklung des Herzmittels Entresto, das wegen der schleppender als erwartet angelaufenen Markteinführung in den USA immer wieder für Schlagzeilen gesorgt hatte, sticht bei der aktuellen Zahlenvorlage vor allem aber die Augensparte Alcon positiv hervor. So hat sie beim Umsatz etwas besser als von Analysten erwartet abgeschnitten. Wichtiger aber noch, für das Gesamtjahr hat der Konzern seine Projektionen leicht erhöht und rechnet nun mit einem Umsatzwachstum im niedrigen einstelligen Prozentbereich.

"Die bessere Entwicklung bei Alcon erweitert auch unsere Möglichkeiten mit Blick auf die strategische Überprüfung", kündigt Jimenez vor den Journalisten an. Dazu zähle auch weiterhin eine mögliche Kapitalmarkttransaktion.

GESAMT-AUSBLICK BESTÄTIGT

Für den Gesamtkonzern bestätigt Novartis seinen bisherigen Ausblick, wonach zu konstanten Wechselkursen weiter ein Nettoumsatz weitgehend auf dem Niveau des Vorjahres erwartet wird. Das operative Kernergebnis dürfte weitgehend auf Vorjahresniveau liegen oder um einen niedrigen einstelligen Prozentsatz (kWk) zurückgehen.

Die Auswirkungen der Wechselkurse schätzt Novartis besser als zuvor ein. Demnach rechnet der Konzern mit einem negativen Währungseffekt von 1% (zuvor: 2%) auf den Umsatz beziehungsweise von -2% (alt:-3%) auf das operative Kernergebnis des Gesamtjahres.

Bei Investoren und Analysten kann Novartis mit der Bilanz punkten. Analysten zeigen sich vor allem von der Augensparte Alcon angetan. Die Aktien verteuern sich gegen 9.25 Uhr um 1,9%, während der Leitindex SMI um 0,31% hinzugewinnt.

hr/gab

(AWP)