Novartis meldet positive Phase-III Resultate für MS-Medikament Siponimod

(Meldung ausgebaut u.a. mit Analystenstimmen und Aktienkurs)
25.08.2016 12:52

Basel (awp) - Der Pharmakonzern Novartis hat aus der Phase-III-Studie zum MS-Medikament Siponimod gute Daten vorgestellt und nimmt nun die Gespräche mit den regulatorischen Behörden auf, um die Zulassungsbedingungen zu klären. Trotz der guten Nachrichten sind die Aktien von Novartis an der Börse unter Druck gekommen. Händler begründen den Kursrückgang allerdings mit Aussagen der US-amerikanischen Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton.

Das MS-Medikament Siponimod (BAF312) hat in der zulassungsrelevanten Phase III-Studie EXPAND mit 1'651 Patienten den primären Endpunkt erreicht. Untersucht wurde eine Reduktion des Krankheitsfortschrittes bei Menschen mit sekundär-progressiver MS (SPMS) im Vergleich zu Placebo, teilte Novartis am Donnerstag mit.

Die vollständigen Daten zur Studie würden am 17. September am Kongress ECTRIMS in London vorgestellt, heisst es weiter. Novartis werde nun die vollständige Analyse der Daten abschliessen und die nächsten Schritte in Abstimmung mit den Gesundheitsbehörden abwägen.

Siponimod ist die Weiterentwicklung des Novartis-Kassenschlagers Gilenya, das in Europa 2011 zur verlaufsmodifizierenden Therapie der hoch aktiven schubförmigen MS zugelassen wurde. SPMS führt zu einer Verschlechterung der Mobilität der Patienten bis hin zur Notwendigkeit eines Rollstuhls.

Derzeit gebe es gegen diese Krankheit nur wenige Behandlungsformen, so die Mitteilung. "Die positiven EXPAND-Daten sind ermutigend, vor allem wenn es um eine Krankheit geht mit einer derart grossen ungedeckten Nachfrage nach Behandlungsmethoden", wird Vasant Narasimhan, Global Head of Drug Development und Chief Medical Officer bei Novartis, zitiert.

ANALYSTEN SEHEN GROSSES POTENTIAL

Auch Analysten sehen für das Medikament ein grosses Marktpotential. Bei SPMS habe es bisher keine Behandlungsmöglichkeiten gegeben, ganz anders als bei der MS, bei der Beta-Interferone, Copaxone und orale S1P-Immunmodulatoren wie Gilenya von Novartis und Tecfidera von Biogen zum Einsatz kommen, schreibt Michael Nawrath von der ZKB. Bei weltweit 2,3 Mio MS-Patienten würde sich für BAF312 ein grosser Markt eröffnen.

Der ZKB-Analyst glaubt mit Blick auf die positiven Daten, dass BAF312 die Zulassung im Jahr 2018 erhalten könnte. Das wäre genau zur rechten Zeit, wenn die ersten Patente vom Vorgänger Gilenya mit einem Jahresumsatz von 2,5 Mrd CHF auslaufen. Sollte BAF312 bei SPMS wirksam sein, dürfte das Produkt auch bei der weit verbreiteten Form RRMS (Relapsed-Remitting-MS) einsetzbar sein.

Bei vielen der MS-Patienten, die an der verbreitesten MS-Form RRMS leiden, könne sich nach rund zehn bis zwanzig Jahren SPMS entwickeln, erklärt Stefan Schneider von der Bank Vontobel. Derzeit machten SMPS-Fälle rund 20-25% des 20 Mrd USD-schweren US-Markts aus.

Während Roche mit dem Produktkandidaten Ocrevus im MS-Markt aktiv werde, müsse man zu Siponimod nun auf die detaillierten Studiendaten warten. Bis dahin behält Schneider das Kursziel für die Novartis-Titel noch bei 85 CHF. Er schätzt den Spitzenumsatz für BAF312 derzeit auf 1,5 Mrd USD.

AKTIE WEGEN CLINTON UNTER DRUCK

Trotz guter Nachrichten verlieren die Novartis-Aktien bis um 12.40 Uhr in einem schwachen Gesamtmarkt (SMI: -0,88%) 1,8% auf 77,05 CHF. Am Markt wird auf Aussagen der US-amerikanischen Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton verwiesen, die sich am Vorabend sehr kritisch über die Preispolitik eines Biotech-Unternehmens geäussert hatte. Clinton hatte bereits früher erklärt, gegen hohe Medikamentenpreise in den USA vorgehen zu wollen.

mk/ra

(AWP)