Novartis rückt wegen kolumbianischer Zwangslizenz in Fokus von Aktivisten

Die Organisation Public Eye, ehemals bekannt als "Erklärung von Bern", erhebt Vorwürfe gegen Novartis. Demnach soll der Pharmakonzern mit "aggressivem Lobbying" gegen eine Zwangslizenz (Preissenkung) für sein Krebsmittel Glivec in Kolumbien vorgehen. Public Eye beruft sich dabei auf der Organisation vorliegende Geheimdokumente. Bei Novartis war zunächst niemand für eine Stellungnahme zu erreichen.
12.04.2017 11:00

Konkret wirft der unabhängige Verein Novartis vor, mit "Drohungen und Falschbehauptungen gegen die Erteilung einer staatlichen Zwangslizenz" zu lobbyieren. Dabei "droht" das Unternehmen laut Public Eye mit der Aufrufung eines privaten internationalen Schlichtungstribunals.

Zuletzt hatte Novartis in einer Stellungnahme im vergangenen Dezember erklärt, sich einer Entscheidung der kolumbianischen Regierung zur Wehr setzen zu wollen. Diese hatte seinerzeit den Preis für das Krebsmittel Glivec (Imatinib) von Novartis nahezu halbiert. Der Pharmakonzern erklärte daraufhin, er wolle die verordnete Preissenkung durch das Gesundheitsministeriums aufheben lassen.

Weiter hatte Novartis in der Stellungnahme im Dezember erklärt, man habe sich zu einer Anfechtung dieses Entscheids durchgerungen. Man sei sich der finanziellen Herausforderungen des kolumbianischen Gesundheitssystems bewusst und habe dafür Verständnis. Der Schritt erfolge nicht aufgrund von finanziellen Gesichtspunkten, sondern aufgrund von grundlegenden Standpunkten in Bezug auf Patente und geistiges Eigentum. Die Massnahme der Regierung könnte einen Präzedenzfall für andere Medikamente und andere Länder liefern, so die Erklärung im Dezember.

hr/ys

(AWP)