Novartis schneidet im zweiten Quartal besser ab als befürchtet - Plant Offensive

(Meldung ausgebaut und um CEO-Kommentare und Aktienkurs ergänzt)
19.07.2016 09:16

Basel (awp) - Novartis ist das gelungen, was viele Marktteilnehmer nicht zu hoffen gewagt hatten: Der Pharmakonzern hat mit seinen Zahlen zum zweiten Quartal für eine unter dem Strich positive Überraschung gesorgt. Selbst die Tatsache, dass die Kommentare über die weitere Gewinnentwicklung vorsichtiger formuliert werden, wird dabei nebensächlich. Denn der mögliche Rückgang wäre nur temporär und dient dem künftigen Wachstum.

Wie Analyst Michael Nawrath von der ZKB in seinem Ausblick auf die Novartis-Zahlen geschrieben hatte: Angesichts der deutlich reduzierten Erwartungen könne der Pharmakonzern eigentlich nur noch positiv überraschen. Und das ist auch eingetreten. "Wir haben ein solides zweites Quartal hinter uns und dabei die Erwartungen einiger Marktteilnehmer sogar übertroffen", fasst CEO Joseph Jimenez die Geschäftsentwicklung in einer Telefonkonferenz am Dienstag zusammen.

UMSATZ ZU KONSTANTEN WECHSELKURSEN STABIL

Novartis hat im zweiten Quartal einen Umsatz von 12,47 Mrd USD erzielt, ein Minus von 2%. Zu konstanten Wechselkursen (kWk) ergab sich eine unveränderte Entwicklung. Dabei gehen 8,39 Mrd USD (-3%; -1% kWk) auf das Konto der grössten Sparte, Innovative Medicines. Diesen Namen trägt die ehemalige Pharmasparte offiziell seit dem 1. Juli. Sie ist in zwei neue Geschäftseinheiten aufgeteilt, Novartis Pharmaceuticals und Novartis Oncology. Diesen Umbau hatte der Konzern überraschend Mitte Mai angekündigt.

Die Generika-Tochter Sandoz liegt mit ihren Erlösen von 2,58 Mrd USD leicht über dem Vorjahreswert und die Augensparte Alcon schneidet mit einem Umsatz von 1,51 Mrd USD in etwa wie erwartet leicht unter Vorjahr ab.

ANALYSTENERWARTUNGEN LEICHT ÜBERTROFFEN

Das operative Kern-Ergebnis beziffert Novartis auf 3,33 Mrd (-7%; -4% kWk) und den Kern-Reingewinn auf 2,93 Mrd (-5%; -2% kWk). Die "Kern"-Zahlen sind bereinigt um Akquisitions- und weitere bedeutende Sondereffekte. Die von AWP befragten Analysten hatten sowohl beim Umsatz als auch Ergebnis mit etwas weniger gerechnet.

Mit Blick auf das Gesamtjahr bestätigt Novartis den bisherigen Ausblick für den Umsatz, den der Konzern zu konstanten Wechselkursen weiterhin weitgehend auf dem Niveau des Vorjahres erwartet.

MÖGLICHE ERGEBNISSCHWÄCHE NUR TEMPORÄR

Bezüglich Kernergebnis äussert sich das Management aufgrund neu vorgesehener zusätzlicher Investitionen für Entresto im zweiten Halbjahr etwas vorsichtiger als bisher: Infolge dieser zusätzlichen Investitionen und in Abhängigkeit von der weiteren Entwicklung von Gleevec erwartet Novartis das operative Kernergebnis zu konstanten Wechselkursen voraussichtlich weitgehend auf Vorjahresniveau oder um einen niedrigen einstelligen Prozentsatz tiefer. Bislang war die Erwartung auch hier, weitgehend auf dem Niveau des Vorjahres abzuschliessen.

"Diese Investitionen werden sich auszahlen", kommentiert Jimenez die höheren Ausgaben kurz und knapp. Das Unternehmen plant, die Umsätze mit dem Hoffnungsträger Entresto in der zweiten Jahreshälfte über signifikant höhere Investitionen anzukurbeln. So soll in den USA ein allgemeinmedizinischer Aussendienst aufgebaut und die medizinischen Investitionen sollen erhöht werden.

COSENTYX: 'DIE WOMÖGLICH ERFOLGREICHSTE MARKTEINFÜHRUNG'

Positiv überrascht hat einmal mehr das ebenfalls noch recht neue Mittel Cosentyx. Das Medikament zur Behandlung verschiedener Autoimmunerkrankungen ist laut Jimenez "die womöglich erfolgreichste Markteinführung in der Unternehmensgeschichte". Die Umsatzentwicklung des Mittels habe bisher die eigenen Erwartungen übertroffen und sei auf gutem Wege, sein Blockbuster-Potenzial zu erreichen. Druck durch Konkurrenz-Mittel scheut Jimenez nicht - er gibt sich überzeugt von der Überlegenheit des eigenen Präparates.

Und selbst der Sorgensparte Alcon kann Jimenez noch Positives abgewinnen. Diese habe zwar im zweiten Quartal nochmals einen leichten Umsatzrückgang verzeichnet, für den weiteren Geschäftsverlauf bleibe es aber dabei, dass die Augensparte bis Jahresende wieder zu Umsatzwachstum zurückfinden werde.

Die ersten Analystenkommentare fallen entsprechend positiv aus. So habe der Umsatz von weniger belastenden Währungseinflüssen und einer schwächeren Umsatz-Erosion beim Blockbuster Gleevec profitiert, heisst es. Über die starke Cosentyx-Entwicklung äussern sich die Experten durch die Bank lobend.

An der Börse können sich die Novartis-Aktien im frühen Handel mit einem Kursplus von 0,1% auf 80,50 CHF in einem insgesamt schwächeren Markt (SMI: -0,27%) knapp behaupten.

hr/gab

(AWP)