Novartis schneidet in Q1 wie erwartet verhalten ab - Vorsichtiger Optimismus

(Zusammenfassung) - Nach einem wie erwartet schwächeren Jahresauftakt gibt sich das Management von Novartis verhalten zuversichtlich. Die Ziele, die sich der Pharmakonzern für das Gesamtjahr setzt, scheinen nach dem Verlauf der ersten drei Monate erreichbar. Am Markt lautet die einfache Zusammenfassung: Wie erwartet schwächer ist besser als deutlich schlechter. Entsprechend geht es auch für die Aktien nach oben.
25.04.2017 16:46

"Wir haben immer gesagt, dass das erste Quartal voraussichtlich den Tiefpunkt in diesem Jahr für uns darstellen wird", betonte denn auch CEO Joseph Jimenez vor Journalisten und Analysten. Eine Aussage, die auch sein Finanzchef Harry Kirsch wiederholte.

HERAUSFORDERUNGEN DRÜCKEN AUF PERFORMANCE

Damit meinen sie die Umsatz- und Gewinnentwicklung der ersten drei Monate 2017. Nicht zuletzt wegen der wegfallenden Umsätze durch die Patentabläufe des Blockbusters Glivec, der anhaltenden Restrukturierungsbemühungen bei der Augentochter Alcon sowie der erhöhten Vertriebs-Investitionen für die beiden Mittel Entresto und Cosentyx hatte Novartis mit zahlreichen Herausforderungen zu kämpfen.

In der Folge verringerte sich der Umsatz im ersten Quartal gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 1% auf 11,54 Mrd USD. Zu konstanten Wechselkursen (kWk) entspricht dies indes einem Anstieg um 2%. Das operative Ergebnis nahm deutlich um 22% auf 1,92 Mrd USD ab, der Reingewinn des fortgeführten Geschäftes verringerte sich um 17% auf knapp 1,66 Mrd.

Bei den um Akquisitions- und weitere bedeutende Sondereffekte bereinigten Kernzahlen resultierte ein operatives Kern-Ergebnis von 3,01 Mrd (-8%) und ein 4% tieferer Kern-Reingewinn von 2,69 Mrd. So in etwa dürfte auch das Gesamtjahr bei Umsatz und Gewinn verlaufen.

"Dass wir beim Umsatz am Ende nahezu auf dem Niveau des Vorjahres abgeschnitten haben, verdanken wir vor allem unseren Wachstumstreibern", hebt Jimenez im Interview mit AWP hervor. "Und dazu zählen nicht nur das Herzmittel Entresto und Cosentyx, auch wenn über sie derzeit am meisten gesprochen wird".

MEHR ALS ZWEI WACHSTUMSTREIBER

Vielmehr mache ein Blick auf die vorgelegten Zahlen deutlich, dass Novartis bei Mitteln wie Promacta/Revolade, Jakavi und Tafinlar + Mekinist Umsatzsteigerungen von bis zu gut einem Drittel verzeichnet habe. "Sie alle werden später, wenn die Glivec-Patentklippe hinter uns liegt, direkt zum Wachstum beitragen, statt wie derzeit Umsatzausfälle auszugleichen", stellt der CEO in Aussicht.

Dass die beiden Mittel Cosentyx und Entresto so verstärkt im Fokus stehen, liegt nicht zuletzt an ihren sehr unterschiedlichen Erfolgen seit der Markteinführung. Während Cosentyx, das zur Behandlung von Schuppenflechte und häufig vorkommender Gelenkentzündungen eingesetzt wird, mittlerweile den Blockbuster-Status erreicht hat, hat Entresto bislang enttäuscht. Die überraschend schleppende Markteinführung war gerade im vergangenen Jahr immer wieder ein Grund für negative Analystenkommentare.

"Wir sehen Entresto mittlerweile auf dem richtigen Weg", erklärt der CEO. Nicht zuletzt dank der erhöhten Investitionen in Marketing und Vertrieb sollten sich die Verkaufszahlen von Quartal zu Quartal verbessern und am Ende des Jahres rechnet Jimenez auch weiterhin mit Umsätzen von um die 500 Mio USD. Im abgelaufenen Quartal waren es 84 Mio.

KREBSMITTEL KISQALI AB H2 MIT ANZIEHENDEN UMSÄTZEN

Mit beschleunigten Umsätzen sollten Marktteilnehmer auch beim neu zugelassenen Krebsmittel Kisqali (ehemals unter LEE011 bekannt) rechnen. Hier prognostiziert der CFO Kirsch, dass das Mittel im ersten Halbjahr noch eher verhaltene Umsätze erzielen werde, die ab der zweiten Jahreshälfte dann an Fahrt gewinnen dürften.

Zu der Kritik, Novartis hinke dem Markt im Bereich Immun-Onkologie hinterher, sagt Jimenez in dem Interview mit AWP: "Zugegeben, was die erste Welle der Immun-Onkologie betrifft, sind wir sicher etwas hinten dran". Aber nicht zuletzt dank seiner Zelltherapie CTL019 reite Novartis auf der zweiten Welle ganz vorne mit. Hier seien zahlreiche Produktkandidaten in klinischen Studien und in nicht zu weiter Ferne sollten diese dann auf den Markt kommen.

ALCON-PLAN HAT BESTAND

Bleibt noch das andere Sorgenkind, die Augensparte Alcon. Während sie den Umsatz in etwa stabil hielt, fiel das operative Kernergebnis um etwa ein Fünftel zurück. Mit Blick auf die weitere Zukunft der Sparte bleibt das Management bei seinen Aussagen: Eine Lösung wird gesucht und erst in Richtung Ende 2017 kommuniziert.

An der Börse werden die Zahlen gut aufgenommen. Novartis-Aktien stehen gegen 16.20 Uhr als einer der grössten Gewinner im Leitindex SMI um 2,2% höher bei 75,70 CHF. Der SMI gewinnt 0,64%.

hr/cp

(AWP)