Novartis-VR-Präsident Reinhardt rechnet mit steigendem Innovationsdruck

Der Verwaltungsratspräsident von Novartis, Jörg Reinhardt, sieht die Pharmabranche unter einem stärkeren Innovationsdruck als früher. Mehr Innovation bedeute gleichzeitig auch mehr Risiko in der Forschung und Entwicklung, wie er im Interview mit "Finanz und Wirtschaft" (Online-Ausgabe) erklärt. Das erfordere, dass man stärker zwischen Projekten priorisieren müsse - etwas, das Novartis bereits in den vergangenen Jahren getan habe.
11.07.2017 16:19

Dazu gehört für den VRP Pharmakonzerns die stärkere Ausrichtung des Portfolio auf das Kerngeschäft. In diesem Zuge etwa seien unterdurchschnittlich rentable Bereiche verkauft worden. "Wir haben zudem die Strukturen angepasst und einen Generationenwechsel im Management begonnen", ergänzt er. Damit habe Novartis nicht weniger als einen Kulturwandel initiiert.

Gerade die Verjüngung des Managements hebt Reinhardt als eine wichtige Veränderung hervor. Allerdings sei dies, ebenso wie der Umbau hin zu einem stärker integrierten Konzern, vor allem hinter den Kulissen geschehen und damit von der Aussenwelt weniger wahrgenommen worden, antwortet er auf die Frage, ob Novartis nicht im Umbau steckengeblieben sei.

Fokussierung spielt für die Gesellschaft aber auch im Portfolio eine wichtige Rolle. Man wolle sich nicht verzetteln und sich daher primär "in Bereichen verstärken, in denen wir bereits den Einstieg geschafft haben", so Reinhardt.

Mit Blick auf die schwächelnde Augensparte Alcon betont der Präsident, dass man sich alle Optionen anschaue. Rückblickend gesteht er derweil ein, dass es nicht optimal gewesen sei, Alcon bis vor zwei Jahren an der langen Leine geführt zu haben, weil das Geschäft sich vom restlichen Pharmageschäft unterschieden hat. Ähnlich wie Novartis-CEO Joseph Jimenez betont aber auch Reinhardt, dass eine Lösung für Alcon den Aktionären einen Mehrwert bringen solle.

Zum zweiten Dauerpunkt - dem Aktienpaket an Roche - macht auch Reinhardt klar, dass man "nicht unter Zugzwang" sei. Die Beteiligung sei ein "finanzielles Engagement mit strategischer Komponente". Auf die Frage, was genau mit strategischer Komponente gemeint sei, ergänzt der VR-Präsident: "Wir haben die Möglichkeit, bei umfangreichen Veränderungen unser Stimmrecht auszuüben". Ob und wie Novartis das mache, müsse man sehen, wenn sich eine Gelegenheit ergebe. Bislang habe sich noch keine derartige Situation ergeben.

Reinhardt kann sich unterdessen durchaus grössere Übernahmen vorstellen als Jimenez bisher in Aussicht gestellt hat. So hat der CEO zuletzt immer wieder betont, Novartis sei nur an Arrondierungskäufen in der Grössenordnung von bis zu 5 Mrd USD interessiert. Wie Reinhardt nun in dem Interview erklärt, würde er auch "Akquisition im niedrigen zweistelligen Milliardenbereich noch als Arrondierungskauf bezeichnen".

hr/ys

(AWP)